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Bühne Liechtenstein: Vom Bauerndorf zur Finanzmetropole

Wie wurde Liechtenstein reich? Dieser Frage widmet sich «Rubel, Riet & Rock 'n' Roll», ein Theaterstück des Liechtensteiners Stefan Sprenger, das zwischen 1950 und 1975 spielt. Das Stück ist ein unterhaltsames Gesellschaftspanorama und zeigt die Geschichte des Finanzplatzes in einer Art Heimatsoap.

Eine Frau mit Pelz sitzt auf einem Sofa und raucht. Neben dem Sofa steht eine Assistentin in einem schwarzen Anzug.
Legende: Das Fürstentum und der Reichtum: Ursula Reiter, Andy Konrad und Christiani Wetter in «Rubel, Riet und Rock 'n' Roll. TAK

Ein Theaterstück über ein Vierteljahrhundert zu schreiben ist ein gewagtes Unterfangen. Zwei Jahre lang hat Stefan Sprenger für «Rubel, Riet & Rock 'n' Roll» recherchiert. Er hat viel Zeit in Archiven verbracht, sich durch alte Tageszeitungen gelesen und sich mit Zeitzeugen getroffen.

Daraus ist ein Theaterstück mit mehr als 200 Seiten und über 80 Figuren entstanden. Die Regisseurin Brigitta Soraperra und die Dramaturgin Barbara Ellenberger haben den Text für die Uraufführung zu einer spielbaren Bühnenfassung verdichtet, die jetzt im Liechtensteiner Theater am Kirchplatz gezeigt wird.

Im Sog der privaten Geschichten

Eine Frau und zwei Männer, alle elegant gekleidet. Sie haben alle ein Glas in der Hand.
Legende: Es gibt was zu feiern: die Schauspieler Ingo Ospelt, Ursula Reiter und Samuel Streiff. TAK

Der Theaterabend hat im besten Sinne etwas von einer Heimatsoap. Wir begleiten sechs fiktive Figuren durch die Jahrzehnte. Ihre Lebens- und Liebesgeschichten sind eng miteinander verbunden: Da ist etwa der junge Ossi Büchel, ein aufstrebender, skrupelloser Treuhänder, der für das Geld jede Moral fallen lässt. Oder Paula, seine Geliebte, die wegen der Nazivergangenheit ihres Vaters im Land geächtet wird. Ihr grosser Traum heisst Amerika. Sie wandert aus, kommt mit einem Diplom zurück und übernimmt eine der angesehensten Kanzleien in Liechtenstein. Diese hat Herr Merkur aufgebaut, ein jüdischer Treuhänder, der aus Nazideutschland nach Liechtenstein geflüchtet ist. Dort hat er die schönste Liechtensteinerin geheiratet, die sich allerdings vor allem für sein Geld interessiert.

Stefan Sprenger erzählt eine Geschichte in Geschichten, in der sich die unterschiedlichen Stränge zu einem vielstimmigen, multiperspektivischen Erzählen verdichten.

Eine exemplarische Geschichte?

Der Zeitausschnitt ist geschickt gewählt. Stefan Sprenger erklärt: «1950 war das Jahr, in dem das deutsche Wirtschaftswunder begann. Das heisst, auch ausländische Klienten kamen nach Liechtenstein.» Danach ist der wirtschaftliche Aufstieg rasant.

Ein Vierteljahrhundert später kommt die Zäsur: «Nach dem Chiassoskandal 1977 konnte niemand mehr so tun, als würde in Liechtenstein nicht mit Schwarzgeld gehandelt. Deshalb hört mein Stück kurz davor auf. Ich wollte mit einer Unschuldsvermutung auf die Geschichte schauen können.»

Es ist ein unterhaltsamer Abend entstanden, der dem Liechtensteiner Publikum einen anregenden Spiegel vorhält. Nicht-Ortskundige erfahren einiges, was Liechtenstein besonders macht. Und im Brennpunkt dieses Innen- und Aussenblicks werden Themen laut, die allgemeingültig sind. Auch diese (Erfolgs-)geschichte hat menschliche und moralische Opfer gefordert. Auch diese Geschichte hätte ganz anders verlaufen können. Fortsetzung folgt.

Sendung: Radio SRF 2 Kultur, Kultur kompakt, 04.05.2015, 17:10 Uhr

Veranstaltungshinweis

«Rubel, Riet und Rock 'n' Roll» ist eine Eigenproduktion des Theater am Kirchplatz in Schaan. Zum Abschluss ihrer Ära als Intendantin hat Barbara Ellenberger diese Produktion ermöglicht und auch als Dramaturgin begleitet.

Die nächsten Vorstellungen finden am 7.5. und am 8.5.2015 statt.

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