Regisseur Dimiter Gotscheff ist tot

Regisseur Dimiter Gotscheff ist nach kurzer, schwerer Krankheit im Alter von 70 Jahren verstorben. Der gebürtige Bulgare war in der Saison 87/88 auch am Theater Basel tätig.

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Bildlegende: Seinen Durchbruch als Theateregisseur feierte Dimiter Gotscheff mit Heiner Müllers «Weiberkomödie» 1979. Iko Freese / drama-berlin.de

«Dimiter Gotscheffs Tod ist ein unfassbarer Verlust.» Mit diesen Worten gab das Deutsche Theater in Berlin den Tod des 70-jährigen Regisseurs bekannt. Er habe die Arbeit und das Leben des Hauses über viele Jahre hinweg künstlerisch geprägt, als radikal und politisch tief denkender und empfindender Regisseur und Mensch.

Regisseur anstatt Veterinär

Geboren am 26. April 1943 in Bulgarien, flieht Gotscheff 1962 zusammen mit seinem Vater nach Ostberlin. Nach dem Abitur will er Veterinär studieren und in die Fussstapfen seines Vaters treten.

Doch das Schicksal hat andere Pläne mit dem jungen Bulgaren. Gotscheff wechselt ins Studienfach Theaterwissenschaften und wird bereits nach kurzer Zeit Schüler und Mitarbeiter des Schweizer Regisseurs und Schauspielers Benno Besson, erst am Deutschen Theater, später an der Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz. In dieser Zeit lernt Gotscheff auch den Dramatiker Heiner Müller kennen – eine Begegnung, die über Müllers Tod im Dezember 1995 hinaus prägend bleiben wird. Seinen Durchbruch als Theateregisseur feiert Gotscheff dann auch mit Heiner Müllers «Weiberkomödie» 1979.

Als 1979 der Partei-kritische Liedermacher Wolf Biermann ausgebürgert wird, verlässt auch Gotscheff die DDR: Ihm wird klar, dass freies Kunstschaffen keine Zukunft hat in diesem Land. Er kehrt nach Bulgarien zurück und sorgt dort 1983 für Aufsehen mit der bulgarischen Erstaufführung des «Philoktet» von Heiner Müller. Gotscheff erhält Angebote aus dem Westen und nach einigen Gastauftritten wechselt er 1985 endgültig dorthin.

Müllers «Philoktet» und «Ödipus» für Basel

Es folgen Stationen in Basel, Hannover, Düsseldorf, Bochum und Hamburg. Am Theater Basel inszeniert er in der Saison 1987/88 Heiner Müllers «Philoktet» und Sophokles/Müllers «Ödipus». Ab 2000 ist Gotscheff als freier Regisseur unterwegs und feiert Erfolge an den wichtigsten deutschsprachigen Bühnen. Zuletzt ist der Regisseur vor allem am Hamburger Thalia Theater sowie am Deutschen Theater und der Volksbühne in Berlin tätig.

Etliche von Gotscheffs Arbeiten werden von der Fachkritik ausgezeichnet: Er erhält unter anderem den Kritikerpreis der Berliner Akademie der Künste, wird zweimal von der Theaterfachzeitschrift «Theater heute» zum Regisseur des Jahres gewählt, gewinnt den 3sat-Innovationspreis und wird in der Kategorie «Regie Schauspiel» für den Faust Theaterpreis nominiert. Gotscheff ist auch Träger des Peter-Weiss-Preises der Stadt Bochum.

Dimiter Gotscheff hinterlässt seine Frau Almut Zilcher, Schauspielerin am Deutschen Theater, und einen gemeinsamen Sohn.