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Regisseur im Porträt Olympia, Oper, Leinwand: Damiano Michieletto ist ein Alleskönner

Der Italiener gehört derzeit zu den gefragtesten Regisseuren Europas. Ob Theater, Oper, Grossanlässe oder Film – er bewegt sich souverän zwischen den Formaten und bleibt dabei stets zurückhaltend und zugewandt.

Millionen haben eine seiner Arbeiten gesehen: Damiano Michieletto kreierte den künstlerischen Anfangsteil der olympischen Eröffnungsfeier 2026 in Milano. Fast zeitgleich kommt mit «Primavera – Vivaldi und ich» aber auch sein erster Spielfilm in die Kinos. Und während der letzten Wochen inszenierte er Mozarts Oper «La clemenza di Tito» am Opernhaus Zürich, wo wir ihn getroffen haben.

Die Ruhe in Person

Die Proben für «La clemenza di Tito» sind eng getaktet, die Zeit drängt, die Intensität ist hoch – dennoch kommt unter Michielettos Leitung kein Stress auf. «Damiano ist sehr gut vorbereitet und vollkommen entspannt», sagt Regieassistent und Spielleiter Steven Whiting.

Mann mit Brille vor dunkelgrauem Hintergrund.
Legende: Der Mann hinter der Eröffnungsfeier der Olympischen Winterspiele 2026, Damiano Michieletto, an der Premiere seines Films «Primavera» in Rom. IMAGO / SGPItalia

Auch beim Interview während der Mittagspause zeigt sich diese Ruhe: Michieletto nimmt sich Zeit, hört genau zu und dehnt das Interview freiwillig aus, obwohl eigentlich nur wenige Minuten vorgesehen wären.

Ein Kind Venedigs

Damiano Michieletto wird 1975 geboren und findet über seine Heimatstadt Venedig zum Theater. Als Kind sieht er auf der Strasse erstmals eine Commedia dell’arte. Die Masken, welche die Schauspieler tragen, wirken auf ihn einschüchternd – aber zugleich auch komisch. Diese Spannung fasziniert ihn und entzündet früh seine Leidenschaft fürs Theater.

Frau in gelbem Kleid auf Theaterbühne mit dramatischem Hintergrund.
Legende: Mozarts «La clemenza di Tito», inszeniert von Damiano Michieletto am Opernhaus Zürich. Opernhaus Zürich/T+T Fotografie/Toni Suter + Tanja Dorendorf

Während seiner Ausbildung an der Theaterschule weist ihn ein Lehrer auf eine besondere Qualität hin: Michielettos Gespür für das «Giocoso» – jene Leichtigkeit, mit der sich auch ernste, manchmal dunkle Geschichten erzählen lassen. Diese Erzählweise wird auch oft mit Mozarts Opern verbunden. Kein Zufall also, dass sie Michieletto bis heute begleiten und seine Regiesprache prägen: direkt aber auch verspielt.

Sprung auf die Leinwand

Michieletto erzählt Geschichten, in denen die Menschlichkeit der Figuren im Zentrum steht. Das gilt auch für seinen ersten Spielfilm «Primavera», nach dem preisgekrönten Roman «Stabat Mater» von Tiziano Scarpa. Der Film verwebt das Leben Antonio Vivaldis mit der Emanzipationsgeschichte der jungen Waise Cecilia im barocken Venedig.

Die Filmarbeit unterscheide sich sehr stark von der Oper, sagt Michieletto – das Ganze sei eine grosse, aber doch herbeigesehnte Herausforderung gewesen.

Vertrauen statt Lehrjahre

Weder in der Oper noch im Film arbeitete Michieletto je als Assistent. Er stürzte sich stets direkt in die Regiearbeit. Auch mit der Inszenierung eines Grossanlasses, wie einer olympischen Eröffnungsfeier, hatte er keine Erfahrung. Wie er das hinkriegt? Er folge vor allem seiner Intuition und vertraue seinem Gespür, Ensembles zu leiten und Performende dort abzuholen, wo sie über sich hinauswachsen können.

Hinweise

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«La clemenza di Tito» wird im Opernhaus Zürich aufgeführt vom 26. April bis 25. Mai.

«Primavera – Vivaldi und ich» startet in den Kinos der Deutschschweiz am 30. April.

Radio SRF 2 Kultur, 24.4.2026, 11:20 Uhr.

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