Vorsicht bei Dimitris Lachen: Es steckt an – seit 80 Jahren

Viele Clowns schauen oft gar ernst aus ihrer bunten Wäsche. Dimitri nicht. Sein Lachen ist sein Markenzeichen – und eine Lebenseinstellung.

«Ein Blick auf die Silhouette genügt und man weiss, wer gemeint ist: eine Melone auf dem Kopf, ein Spazierstöckchen, leicht übergrosse Kleider. Das ist Charlie Chaplin. Oder bei Alfred Hitchcock, da weiss man auch auf den ersten Blick, wer das ist», sagt der Bewegungskünstler Samuel Müller.

Was aber ist das heraustragende Merkmal seines Grossvaters, des weltberühmten Clowns Dimitri? «Auch bei ihm ist es die Silhouette, die Gestalt – vor allem aber sein Lachen! Das kann nur Dimitri, so lachen», sagt der Enkel.

Lachen kann auch schlicht zu laut sein

Gemeint ist die Geste, nicht das Geräusch des Lachens. Dieses Geräusch, das haben wir alle schon erlebt, kann genau das Gegenteil von Fröhlichkeit erzeugen.

Lachen ist entlarvend. Fremdes Lachen kann irritieren: Es hat Ähnlichkeit mit tierischem Bellen, Gackern oder Meckern, kann ironisch oder aggressiv wirken oder auch schlicht zu laut und aufdringlich sein.

Ähnlich verhält es sich bei der Gestik des Lachens. Es kann erzwungen wirken, unecht, scheu – manchmal scheint das Lachen so überhaupt nicht in das Gesicht des Lachenden zu passen. Anders bei Dimitri.

Zusatzinhalt überspringen

Sendehinweis

Am 20. September 2015 um 11 Uhr spricht Dimitri über die Einsichten eines Clowns bei «Sternstunde Philosophie». Im Anschluss, um 11.55 Uhr, zeigt «Sternstunde Kunst» den Film «Dimitri – Eine Reise/Ein Film ohne Worte», der zu Dimitris 80. Geburtstag entstand.

Sein Lachen beherrscht sein Gesicht

Die Natur hat Dimitri mit einem grossen Mund ausgestattet. Wer dem grossen Schweizer Clown begegnet, sieht in der Tat zuerst einmal dies: eine riesige Öffnung im Gesicht. Einen Mund, der sich zum Lachen noch mehr in die Breite zieht – und das passiert oft.

Dann beherrscht das Lachen sein ganzes Gesicht, verdeckt sogar die Augen, die gewitzt in die Welt schauen. Schminkt sich Dimitri für den Auftritt am Abend, wird dieser riesige Mund rot und damit auffallender betont und noch ein bisschen grösser.

Ohne selbst zu lachen

Es gibt diese Clowns und jene anderen Clowns. Ihre Funktion ist es immer, die Leute zum Lachen zu bringen. Das tun viele, ohne dabei selbst zu lachen. Sie begegnen den Widrigkeiten des Lebens mit starren Gesichtszügen und daraus entsteht eine Art resignative Komik – zum Beispiel Buster Keaton.

Es ist wie bei den Fasnachtsmasken in vielen alemannischen Regionen: Diese Figuren, die Spass vermitteln sollen, schauen meist recht ernst aus der bunten Wäsche.

Allem eine humorvolle Seite abgewinnen

Bei Dimitri bleibt das Lachen natürlich: Wer so lacht, der meint es auch. Es ist Teil von ihm selbst, auch ohne Maske. Das kann man nicht spielen. Sein Gesichtsausdruck beim Lachen ist freundlich, verspielt, kindlich und gütig.

Der Blick drückt eine grundsätzliche Neugier an der Welt aus, den Willen, jeder noch so anstrengenden Situation des Lebens eine humorvolle Seite abzugewinnen.

«Er ist nie böse»

«Dimitri ist die pure Figur des Clowns», sagt seine ehemalige Clown-Schülerin und heutige Bühnenpartnerin Silvana Gargiulo. «Er ist ein poetischer Clown. Aber er ist nie böse, er ist immer ein guter Clown».

Hier treffen sich Dimitri als Privatperson und Dimitri der Clown: Sie sind deckungsgleich, versteckt hinter diesem ansteckenden Lachen.

Sendung zu diesem Artikel