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Bühne «When I die»: Gelungenes Musiktheater über Geister, Kunst und Tod

Eine englische Witwe hört Stimmen verstorbener Komponisten, die ihr Sonaten diktieren: Schräger Stoff, aus dem Regisseur und Musiker Thom Luz einen stimmungsvollen Musik-Theaterabend inszeniert. «When I die» kommt leicht daher, ist aber bis ins letzte Detail durchkomponiert.

Eine Frau sitzt auf einem Stuhl in einem dunklen Raum, dahinter stehen vier Männer in schwarzem Anzug und weissem Hemd.
Legende: Rosemary Brown (Suly Röthlisberger) empfängt tote Komponisten und schreibt die von ihnen diktierten Sonaten nieder. Reto Schmid

Es ist eine unheimliche Geschichte, die der 32-jährige Thom Luz ins Zentrum seiner neuesten Produktion stellt. Die Engländerin Rosemary Brown hatte Anfang der 60er-Jahre Besuch von verstorbenen Komponisten, die ihr neue Werke aus dem Jenseits diktierten – das behauptete sie zumindest. Franz Schubert, Claude Debussy und Frédéric Chopin sollen zu ihr gesprochen haben; die Hausfrau und Witwe schrieb die Sonaten der berühmten Musiker auf und «überlieferte» sie so der Nachwelt.

«Mich fasziniert, dass es tatsächlich eine wahre Geschichte ist und zumindest Rosemary Brown davon überzeugt war, dass die Stimmen, die sie hörte, echt waren», sagt Thom Luz. Die Werke hätten nur das Parfum, aber nicht den Geist der Komponisten, sagten Musik-Kritiker damals zu den Sonaten der Rosemary Brown. Kritik, die Thom Luz kennt. «Erst wenn man die Werke so ernst nimmt wie Originale, zeigen sie ihre Schönheit. Und die Frage, ob wir es mit Esoterik oder mit Wahrheit zu tun haben, tritt in den Hintergrund», erklärt er.

Ein Stück, das grundlegende Fragen stellt

Aus Musik, Geschichtsfetzen und Stimmungen gestaltet Thom Luz Musik-Theaterabende, die viel über Wahrnehmung erzählen, die das Publikum herausfordern, sich auf das Spiel einzulassen und die szenischen Konzerte als Geschichten zu lesen.

So auch beim Stück «When I die», mit dem Luz aktuell in der Schweiz auf Tournee ist. Insgesamt eine stimmungsvolle Inszenierung, die grundlegende Fragen stellt. Wann ist das Leben eines Künstlers vorbei? Was hinterlässt er? Was beendet der Tod?

So leicht und atmosphärisch sie auch daher kommen, so ernsthaft und vor allem genau komponiert sind seine Produktionen. «In manchen Szenen haben wir sogar festgelegt, wie geatmet wird. Das mag übertrieben wirken, aber es ist wichtig und ein Statement.»

«Ich will Pracht erzeugen»

Thom Luz ist ausgebildeter Schauspieler. «Eidgenössisch diplomierter Bühnenkünstler», sagt er lachend dazu. Im Rückblick sei diese Ausbildung wohl eher ein Missverständnis gewesen. Er hat dann auch zwei andere Karrierestränge verfolgt: Er hat einerseits die Seite gewechselt, ist Regisseur geworden und arbeitet seit einigen Jahren nicht mehr nur in der freien Szene. Am Theater Basel etwa hat er in der letzten Saison Goethes «Werther» auf die Bühne gebracht.

Und dann ist Thom Luz auch Musiker. Er ist Gitarrist und Frontsänger bei «My heart belongs to Cecilia Winter». Auf den ersten Blick mögen diese beiden Tätigkeiten wenig miteinander zu tun haben. Doch Thom Luz sieht durchaus Verbindungen: «Ich will berühren und etwas aus meiner Welt mitteilen. Da geht’s auch darum, dem Leben eine Euphorie abzutrotzen und eine Welt nach den eigenen Regeln aufzubauen. Da macht es keinen grossen Unterschied, ob ich ein Lied schreibe, ein Konzert gebe oder einen Musik-Theaterabend inszeniere».

Spieldaten

Südpol Luzern: 24. und 25. Januar 2014

Kaserne Basel: 30. Januar bis 1. Februar 2014

Gessnerallee Zürich: 13. bis 16. Februar 2014

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