Die fünf besten Comics 2015

Das Comic-Jahr 2015 war vielseitig. Ein schlagfertiger Seemann, unerschütterliche Frauen, eine Kindheit in Libyen, das Trauma eines vom Terror versehrten Zeichners und eine Mädchenfreundschaft in den Sommerferien – das sind die besten Comics des Jahres.

Zeichnung: Eine Frau hält einen Telefonhörer aus dem Pfeile schiessen. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Die «Schönen Töchter» von Flix haben es nicht leicht, aber es haut sie auch nicht so schnell etwas um. Carlsen Verlag

    • 1.
      Hugo Pratt: «Im Zeichen des Steinbocks»
      Zeichnung: Ein Mann fällt zu Boden, hinter ihm steht ein weiterer Mann, der ihm einen Shclag verpasst hat. Bild in Lightbox öffnen.

      Bildlegende: Hugo Pratt: "Im Zeichen des Steinbocks" Schreiber & Leser

      Endlich sind die Abenteuer um den anarchistischen Seemann Corto Maltese wieder greifbar – und es lohnt sich, einzutauchen in die Welt des italienischen Comic-Fabulierers Hugo Pratt. «Im Zeichen des Steinbocks» spielt sich 1916 in Brasilien ab, es ist eine furios fiebrige Geschichte um die Suche nach einer verschollenen Halbschwester, um magische Candomblé-Zeremonien, furchterregende Halluzinationen, um ewige Freundschaft und unerfüllte Liebe, um Spionage und Schmuggel, um Philosophie, Anarchie und Freiheit – kurz: ein grosses Abenteuer, in welchem Fiktion, historische Anekdoten, Mythologie und Imagination sich stimmig vermählen.

      Hugo Pratt: «Im Zeichen des Steinbocks». Schreiber & Leser, 2015.

    • 2.
      Flix: «Schöne Töchter»
      Drei Zichnungen nebeneinander: Sie zeigen die gleiche Frau in drei verschiedenen, ausgefallenen Tanzfiguren. Bild in Lightbox öffnen.

      Bildlegende: Flix: "Schöne Töchter" Carlsen Verlag

      Von der keimenden Hoffnung bis zum gleichgültigen Ausfransen: In «Schöne Töchter» schildert Flix Liebe und Beziehungen in all ihren Stadien, Spielarten und Schattierungen. Er erzählt von Sehnsüchten und Träumen, von Peinlichkeiten und Enttäuschungen, von Sex und Einsamkeit. Das ist melancholisch und lustig zugleich. Mehr noch: Flix feiert auch den Comic in all seinen Spielarten und Schattierung, indem er jede Seite überraschend anders und einmalig gestaltet.

      Flix: «Schöne Töchter». Carlsen Verlag, 2015.

    • 3.
      Riad Sattouf: «Der Araber von morgen»
      Zeichnung: Eine Frau und ein Mann gehen an einem Plakat mit dem Bild von Gaddafi vorbei. Der Mann trägt ein Kind auf den Schultern. Bild in Lightbox öffnen.

      Bildlegende: Riad Sattouf: "Der Araber von morgen" Knaus Verlag

      Riad Sattouf, der Sohn eines Syrers und einer Französin, verbrachte seine Kindheit in Libyen und Syrien. In «Der Araber von morgen» erinnert er mit beissendem Humor an karge Wohnungen, Prügeleien mit Gleichaltrigen, die ihn seiner hellen Haut wegen «Jude» schimpften, und an kulturelle Missverständnisse. Und er entlarvt die Diskrepanzen zwischen Politik, Religion und Alltag in der arabischen Welt. «Der Araber von morgen» ist hochkomisch und gewährt einen Einblick in autoritäre Regimes um 1980 – und das trägt zum besseren Verständnis der aktuellen Situation bei.

      Riad Sattouf: «Der Araber von morgen. Eine Kindheit im Nahen Osten (1978-1984)». Knaus Verlag, 2015.

    • 4.
      Luz: «Katharsis»
      Zeichnug: Eine Hand zeichnet mit einem Stift viele kleine Figuren mit grossen Augen. Bild in Lightbox öffnen.

      Bildlegende: Luz: "Katharsis" S. Fischer Verlag

      Der Karikaturist Luz überlebte das «Charlie-Hebdo»-Massaker nur, weil er sich verspätet hatte. In «Katharsis», einer Sammlung von kurzen Comics und Zeichnungen, verarbeitet er diese traumatische Erfahrung: Mit Verzweiflung, Bosheit und sehr viel sehr schwarzem Humor, denn auch bei der Bewältigung von Trauer und Panik bleibt Luz ein Satiriker. «Katharsis» ist ein verstörendes Buch, das unter die Haut geht.

      Luz: «Katharsis». S. Fischer Verlag, 2015.

    • 5.
      Mariko und Jillian Tamaki: «Ein Sommer am See»
      Blaue Zeichnung: Zwei Mädchen sitzen essend an einem Tisch, eines sagt: "Die luft riecht hier echt gut, nicht?" Bild in Lightbox öffnen.

      Bildlegende: Mariko und Jillian Tamaki: "Ein Sommer am See" Reprodukt

      Geschichten über Mädchenfreundschaften, die am Erwachsenwerden zerbrechen, gibt es viele. Und doch lohnt es sich, «Ein Sommer am See» der kanadischen Cousinen Mariko und Jillian Tamaki zu lesen: Wie sie das Auseinanderdriften von Rose und Windy während der Sommerferien schildern, ohne dass die Mädchen wirklich verstehen, was ihnen widerfährt, ist erzählerisch, aber auch zeichnerisch von betörender Sensibilität und Authentizität.

      Mariko und Jillian Tamaki: «Ein Sommer am See». Reprodukt Verlag, 2015.