Länger her, immer noch herrlich: Von den vielen Geschichten, die das Berufsleben des Christian Bale umranken, gehört bis heute eine zu den wahrsten, in der das Unwort «F-Bomb-Tirade» eine Hauptrolle spielt.
2019 war es, als einen Schelm der Teufel ritt, eine angejahrte Tonaufnahme zu leaken. Darauf ist zu hören, wie Bale auf dem Set von «Terminator: Salvation» (2009) den Kameramann zusammenstaucht . Minutenlang.
Auch Mutti war muff
Der Abgefertigte hatte sich angemasst, Christian Bale während eines Takes aus dem Takt zu bringen. «Das kann passieren», sagte der Schauspieler danach unnachsichtig. «Aber nicht zweimal.»
Der Vorfall bestätigte ein Vorurteil, das selbst Bales Mutter nicht aus der Welt schaffte. «So sprach er auch mit uns», klagte sie, «stets von oben herab.» Sie hatte davor schon mit ihrem Sohn gebrochen.
Er griff früh nach den Sternen
Es gibt gute Gründe, zu Bale aufzuschauen. Der Weltstar mit britischen Wurzeln wurde früh zum Überflieger. Auch das scheint einer gewissen familiären Berufslogik geschuldet: Grossvater Bale war Pilot bei der «Royal Air Force».
13 Jahre war Klein-Christian, als der grosse Steven Spielberg ihn für «Empire of the Sun» (1998) mit einer Rolle bedachte. Spielbergs anfängliche Skepsis soll rasch verflogen sein. Namentlich wegen «Baby-Bales» schon damals fabelhafter physischer Präsenz.
Ein Broker mit zwei Gesichtern
Den Durchbruch schaffte Bale mit «American Psycho» (2000), der Verfilmung von Bret Easton Ellis' Exzess-Exegese, die Mary Harron auf ihre Essenz einkochte. Bale brilliert als Broker, der tagsüber viel nichts tut, um abends zum Mörder im Massanzug zu mutieren.
Bale mit Beil, der über Pop labert, bevor er einem Kollegen den Kopf spaltet: Er wird für immer der Poster-Boy einer Gesellschaft bleiben, die blind ist für das Monströse in ihrer Mitte. Hauptsatz: «Ich muss ein paar Videotapes zurückbringen.» Hauptsache, man hat die beste Visitenkarte.
In «American Psycho», dieser finster-fröhlichen Abrechnung mit dem kaputten Kapitalismus vom Typ Wall Street, zeigte Bale als Sixpack auf Beinen erstmals einem breiten Publikum, was zu seinem «Selling Point» werden sollte.
Kaum ein anderer Berufskollege seiner Generation besitzt die Besessenheit, ohne Rücksicht auf eigene Verluste, eine Figur zu verkörpern. Für seinen Part in «American Psycho» hatte Bale sich eigens die Schneidezähne richten lassen.
Der Körper ist sein Kapital
Für «The Machinist» (2004) hungerte Bale sich zu einem Knochengerüst herunter, bis es gefährlich wurde. Nur Monate später war aus dem Suppenkaspar ein Superheld geworden, aus dem Broker Bateman wurde ein Batman mit Kindheitstrauma und Terminator-Body.
Seinen bisher einzigen Oscar erkämpfte sich Bale als dünner, dauer-dröger Box-Trainer, eine Nebenrolle in «The Fighter» (2010). «Bloody Hell», waren seine ersten Worte, als er nach dem Goldmännchen griff. Natürlich: Er hatte die Körpersäfte im Blick.
Verwandlungskunst in Formvollendung
Grosse Rollen, keine grösseren Aufreger: Zuletzt war es vergleichsweise ruhig um Body-Berserker Bale, der in «Vice» (2018) neue Massstäbe in Sachen «Method-Acting» setzte. Er war so wunderbar wampig wie Ex-US-Vize Dick Cheney und auch sonst nur schwer vom Original zu unterscheiden.
Mama Bale, ihres Zeichens gelernte Zirkusartistin, wird es nicht gerne hören. Aber vielleicht wurde ihr Sohn auch deshalb so gut, weil er böse sein kann.