Als Hollywood den Kampf gegen Hitler aufnahm

Streifzug durch die Jahrzehnte – Filmschätze, die es zu entdecken lohnt: «Confession of a Nazi Spy» von 1939. Es ist der erste Film, der das Dritte Reich offen als Bedrohung für die USA darstellte.

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Filmschatz: «Confessions of a Nazi Spy»

3:50 min, vom 16.12.2014
  • Der Film «Confessions of a Nazi Spy» erzählt von der Verbindung des antisemitischen «German-American Bund» zu Nazi-Spionen, den es tatsächlich gegeben hat.
  • Die Warner-Brüder umgingen das damalige Verbot von Anti-Nazi-Propaganda und produzierten dieses Spionage-Drama.
  • Der ermittelnde FBI-Agent wurde von Edward G. Robinson gespielt – er kam als Sohn einer jüdischen Einwandererfamilie von Bukarest nach New York und lebte den «American Dream».

Kontakte nach Nazi-Deutschland

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Filmschätze

Streifzug durch die Jahrzehnte

  • 1971 - «Harold and Maude» Ein Paar schreibt Filmgeschichte
  • 1985 - «Amadeus» Mozart und sein Gegenspieler

Dass es tatsächlich auch Nazis in den USA gab, geriet nach dem Zweiten Weltkrieg in Vergessenheit. Der «German-American Bund» war in den 1930ern eine nationalsozialistische Organisation in den USA. Sie bestand überwiegend aus Deutsch-Amerikanern. Die Bündler waren Antisemiten, feierten unter dem Hakenkreuz und lehnten ein Eingreifen der USA in den Krieg in Europa ab.

Der Bund besass Kontakte nach Nazi-Deutschland, wurde aber nicht offiziell von Berlin aus geführt oder finanziert. Nachdem die USA 1941 in den Zweiten Weltkrieg eintraten, wurde die Organisation verboten. Der Film «Confessions of a Nazi Spy» erzählt von der Verbindung des Bundes zu Nazi-Spionen.

Zensur gegen Anti-Nazi-Propaganda

Das «Warner Brothers»-Studio hat das Spionage-Drama produziert. Die Besitzer – die Brüder Harry, Albert, Sam und Jack Warner – waren jüdischer Abstammung. Sie setzten sich für die Juden ein und kämpften gegen den Faschismus. Sie hielten es für ihre Pflicht, in ihren Filmen die Unmenschlichkeit und Brutalität der Nazis zu zeigen.

Andere Filmstudios wollten sich anfänglich nicht so klar gegen Hitler stellen. Europa und insbesondere Deutschland war ein wichtiger Absatzmarkt. Sie hatten Angst, dass das Dritte Reich Filme aus Hollywood boykottieren könnte, wenn sie anfingen, Propaganda gegen die Nazis zu betreiben. Die Studios riefen dazu auf, Hollywood solle bei dem bleiben, was es gut kann: Unterhaltung.

Ausgeklammert: die Verfolgung der Juden

Es wurde sogar eine Zensur eingeführt. Hitler negativ darzustellen, war verboten. Die Warner-Brüder umgingen das Verbot. Sie liessen Drehbücher schreiben, die sich auf wahre Begebenheiten stützen. Niemand konnte ihnen verbieten, Filme über reale Geschichten zu drehen. So basiert auch «Confessions of a Nazi Spy» auf Berichten eines FBI-Agenten, der tatsächlich Nazi-Spione in Amerika gejagt hatte.

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Bildlegende: Der jüdische Schauspieler Edward G. Robinson kämpfte in der Rolle eines FBI-Agenten gegen Nazi-Deutschland. SRF

Die Juden, ihre Verfolgung in Deutschland und die grausame Deportation in Lager, dies alles wurde jedoch nicht thematisiert. Das war der Kompromiss, den die Warner-Brüder eingegangen waren, um diesen Anti-Nazi-Film überhaupt produzieren zu können.Erst nach 1940 schlug die Stimmung in Hollywood um und weitere Studios begannen Filme zu produzieren, die Hitler und sein grausames Regime anprangerten.

Ein grosser Star der 1930er

Der ermittelnde FBI-Agent in «Confessions of a Nazi Spy» wurde von Edward G. Robinson gespielt. Eigentlich hiess er Emanuel Goldenberg und stammte aus Rumänien. Mit zehn Jahren kam er mit seiner Familie aus Bukarest in New York an. Als Sohn einer jüdischen Einwandererfamilie lebte er den «American Dream».

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Buchtipps

  • Peter Duffy: Double Agent, Simon + Schuster, 2014
  • Leon G. Turrou: Spying on America, Westphalia Press, 2013
  • Thomas Doherty: Hollywood and Hitler, 1933-1939, Columbia University Press, 2013

Robinson war einer der grossen Stars der 1930er Jahre. Das «American Film Institute» zählt ihn zu den 50 grössten amerikanischen Filmstars aller Zeiten.

Wie mit einer Waffe

Seine jüdische Herkunft liess ihn nie los. In Hollywood kämpfte Robinson gegen den Faschismus und nahm deshalb die Rolle des FBI-Agenten in «Confessions of a Nazi Spy» gerne an.

Er erzählte einem Reporter, dass er Amerika mit diesem Film genauso gedient hätte, als wenn er mit einer Waffe in den Krieg gezogen wäre.