Basler Regisseur verrät das Einmaleins des Indie-Films

Als der Basler Regisseur Giacun Caduff «20 Regeln für Sylvie» drehte, kam ihm die Idee für einen Meta-Film. Gemeinsam mit seiner Crew schuf er parallel zu den Dreharbeiten 20 weitere Regeln: «20 Rules How To Make An Independent Film». Aber Caduff weiss auch: Regeln sind dazu da, gebrochen zu werden.

Er ist Produzent, Regisseur, Organisator des Gässli-Filmfestivals und des Prattler Autokinos. Giacun Caduff ist ein Energiebündel, dem die Batterien nicht auszugehen scheinen. Er wird auch Duracell-Man genannt. Die Komödie «20 Regeln für Sylvie» (2014) ist Caduffs erster Langspielfilm.

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Film-Tipp

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srf/Giacun Caduff

«20 Regeln für Sylvie» läuft am Mittwoch um 20 Uhr auf SRF 2.

Die Crew machte mit

Während den Dreharbeiten zu «20 Regeln für Sylvie» entschied sich Caduff, nebenbei ein Behind-the-Scenes-Projekt zu realisieren. Dabei handelt es sich aber nicht um ein simples Making-Of, sondern um eine Anleitung für einen erfolgreichen Independent-Film.

«20 Rules How To Make An Independent Film» soll in einzelnen Episoden auf Internetplattformen wie Vimeo oder Youtube erscheinen. Zusammen ergibt sich daraus ein 90-minütiger Online-Dokumentarfilm. Dieser besteht aus Material der Dreharbeiten sowie Interviews mit Crewmitgliedern.

«Das Ganze hat eine Eigendynamik entwickelt. Einige haben begonnen sich auf dem Set selber mit der Kamera zu begleiten», erklärt Caduff. Die Idee sei es, Erfahrung und Wissen weiterzugeben. «Der Film ist nicht primär an den Nachwuchs gerichtet, sondern an alle, die sich an einen Independent-Film wagen wollen».

Die drei goldenen Regeln

Regel Nummer eins: «Be prepared for the long run». Wer einen Independent-Film machen will, müsse voll und ganz hinter dem Projekt stehen, stellt Caduff klar.

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Der Prozess vom Drehbuch bis zum Kinostart dauerte bei «20 Regeln für Sylvie» allein rund sieben Jahre. Da brauche es Durchhaltewillen.

Eine weitere goldene Regel: Das Cast und die Story müssen stimmen. «Ich musste einen Schauspieler haben, der den Film trägt. Nachdem ich ein paar echt witzige Kurzfilme von Carlos gesehen habe, wusste ich, dass er den Humor des Films genau auf den Punkt bringen kann.»

Nicht zuletzt, spiele natürlich das Geld eine grosse Rolle. Das Budget müsse bis zum Projektabschluss durchgeplant sein. Das heisst, über das Ende der Dreharbeiten hinaus, so Caduff. «Nicht nur Schnitt, Ton und Musik, vor allem die ganzen Marketingkosten darf man nicht vergessen».

Auf die Regeln pfeifen

Keine Regel ohne Ausnahme: Giacun Caduff selbst hat bei «20 Regeln für Sylvie» eine Vielzahl davon übergangen.

«In meinem Regelbuch steht zum Beispiel, man soll einen Hauptdrehort haben und diesen nur selten verlassen. Bei ‹20 Regeln für Sylvie› hatten wir insgesamt 35 verschiedene Drehorte», sagt der 37-Jährige und lacht.

Solange man gut abwäge und das Budget im Auge behalte, könne durchaus einmal auf eine Regel gepfiffen werden.

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Ein Sommerprojekt für Weihnachten

Ursprünglich sollte die Arbeit am Projekt diesen Sommer fertig sein. Nun rechnet Caduff mit einem Starttermin an Weihnachten. Auf die Frage, wieso das Projekt in Verzögerung geriet, weist Caduff schmunzelnd auf seinen buntmarkierten und platschvollen Terminkalender hin. «Ich brauche noch zwei Wochen, um das Material zu schneiden. Die habe ich zurzeit nicht.»

Giacun Caduff ist momentan noch voll in den Vorbereitungen seines Drive-In-Kinos in Pratteln. Weiter wird der von Caduff produzierte Kurzfilm «La femme et le TGV» am Filmfestival in Locarno Premiere feiern. Um den Basler Duracell-Man wird es in der nächsten Zeit bestimmt nicht langweilig.