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Colin Farrell wird 50 Der Superstar, den man gerne übersieht

Dass er ganz oben angekommen ist, versteht der irische Schauspieler selbst am wenigsten. Jetzt feiert er seinen 50. Geburtstag – eine Würdigung.

Es ist erstaunlich, wie kurz der Weg von Dublin nach Hollywood ist. Für den Iren Colin Farrell brauchte es Ende der 90er-Jahre nur ein paar kleinere Rollen in irischen und britischen Serien und Filmen, und schon holte ihn Hollywood-Schwergewicht Joel Schumacher für ein Casting nach Los Angeles. Das Casting führte zu Farrells erster grosser Hauptrolle im Kriegsfilm «Tigerland».

Soldaten in schlammigen Uniformen, einer schaut ernst.
Legende: Durchbruch mit 24: Colin Farrell im Kriegsfilm «Tigerland» (2000). IMAGO / Allstar

Es folgten zahlreiche weitere Hauptrollen: «Minority Report» von Farrells Kindheitsidol Steven Spielberg zum Beispiel, das Kammerspiel «Phone Booth», wieder von Joel Schumacher, Oliver Stones Historienfilm «Alexander» und die actiongeladene Neuauflage von «Miami Vice» von Michael Mann.

«Ich habe das nicht verdient»

Farrells Aufstieg zum A-Lister ging so rasant, dass ihn der Schauspieler selbst nicht verstehen kann. «Ich habe das nicht verdient», sagte er letztes Jahr am Zurich Film Festival, wo er einen Preis für sein Lebenswerk entgegennahm. Dass er für seine Schauspielerei so viel Zuspruch erhalte, sei für ihn nicht nachvollziehbar.

Person im Anzug mit Daumen hoch vor Festival-Wand.
Legende: Bei ihm läuft's: Colin Farrell bekam vergangenes Jahr am Zurich Film Festival ein goldenes Auge. Keystone / WALTER BIERI

Tatsächlich hätte es für Farrell auch ganz anders kommen können. Zwar erzählt er, dass er als Junge staunend vor dem Fernseher sass und die Filme von Spielberg, Lucas und Zemeckis liebte. Aber eigentlich wollte er erst Fussballer werden wie sein Vater, bevor er seiner Schwester an die Schauspielschule folgte.

Die schmiss er schnell wieder hin, wie so vieles. Farrell sagt, dass er ab 14 durchgehend betrunken oder high war. Der Aufstieg zum Erfolg gelang trotz der Sucht, erst seit 2006 lebt Farrell clean.

Verpeilt, aber unbeirrbar

Farrell hat sich im Verlaufe seiner Karriere nie festgelegt. Er spielt in Thrillern, Komödien, Romanzen und Dramen, glänzt in Blockbustern genauso wie in Indie-Filmen. Prägend für seine Karriere ist die Freundschaft zum irischen Filmemacher Martin McDonagh. Farrell ist in dreien seiner Filme zu sehen. Der bisher letzte und beste, «The Banshees of Inisherin», brachte dem Schauspieler seine erste Oscar-Nomination ein.

Mann geht mit Esel auf grüner Wiese.
Legende: Nicht der Hellste, und ziemlich stur: Collin Farrell in Martin McDonaghs «The Banshees of Insherin» (2022). IMAGO / ZUMA Press

Die Rollen, die Farrell in den Filmen von McDonagh spielt, sind typisch für den Schauspieler geworden: Ein etwas verpeilter und verstörter Mann mit starkem irischem Akzent navigiert mit erstaunlicher Hartnäckigkeit durch anwachsende Schwierigkeiten.

Der Star, den man nicht vermisst?

Farrell kann auf der Leinwand unscheinbar auftreten. Der amerikanische Filmkritiker A. O. Scott meinte gar: «Wenn er nicht in einem Film ist, vermisst man ihn nicht. Und wenn er dabei ist, schaut man früher oder später etwas anderes an.»

Mann in Anzug in einem Raum mit Fenster.
Legende: Ja, das ist er: Colin Farrell als fieser Fledermausjäger in der Serie «The Penguin» (2024). IMAGO / ZUMA Press

Die harsche Kritik tut Farrell Unrecht. Denn der wandelbare Ire kann auch eine intensive Präsenz entwickeln. Das zeigte er zuletzt als Bösewicht im Film «The Batman» und in der Serie «The Penguin». Den Pinguin wird er demnächst in «The Batman 2» nochmals verkörpern, es ist anzunehmen, dass auch die Serie fortgesetzt wird.

Als Pinguin steckt Farrell in einer Maske, die ihn komplett unkenntlich macht. Man könnte A. O. Scotts Kritik darum auch umdrehen: Man schaut Colin Farrell sogar dann gebannt zu, wenn man ihn gar nicht sieht.

Radio SRF 3, 31.5.2026, 13:10 Uhr.

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