Figure Veneziane: Die «Echten»

Eine venezianischen Maske, eine kleine Gondel aus Muranoglas: Wer nach Venedig fährt, nimmt gerne ein Stück Serenissima nach Hause. Doch oft stammt dieses «echte» Stück aus einer Fabrik in China. Es gibt aber noch kleine, echt venezianische Inseln im globalen Souvenirsumpf.

Eine Frau in weissem Kittel steht am Eingang eines Geschäfts, darum herum hängen bunte venezianische Masken. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Stolze Handwerkerin: Die Maskenkünstlerin Valentina Franceschini. SRF/Brigitte Häring

Letztes Jahr bin ich in einem winzigen Maskengeschäft gelandet, irgendwo an einem winzigen Campo im Santa Croce-Viertel. «Peter Pan» hiess es und drinnen, auf kleinstem Raum inmitten hunderter Masken aus Papiermaché, sass eine junge Frau, den weissen Kittel und die Hände mit Farbe bespritzt. Sie bemalte ein fantasievolles Carnevalsgesicht. Es kam mir vor wie eine Szene aus einem klischierten Film über die Lagunenstadt.

Venezianischen Maske an der Basler Fasnacht

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Figure Veneziane

Venedig verkomme zum Disneyland, liest man, das «echte» Leben finde man nicht mehr. SRF-Filmredaktorin Brigitte Häring erlebt das anders: Sie macht sich in Venedig auf die Suche nach Menschen und Geschichten im Festivaltrubel.

Eine solche Maske wollte ich kaufen, um damit ein Kostüm für die Basler Fasnacht zu machen. Die Maskenmacherin erzählte mir damals, sie habe für die Basler Fasnacht auch schon eine Auftragsarbeit gemacht. Und sie bat mich, ihr doch ein Foto vom fertigen Kostüm zu schicken. Was ich dann aber vergessen habe.

Bis ich gestern wieder vor dem Geschäft stand, per Zufall, wie das so ist in den Gassen Venedigs. Zum Glück habe ich auf meinem iPad die Fasnachtsfotos behalten, auch solche mit der venezianischen Maske drauf. Natürlich hat sich die Maskenkünstlerin, Valentina Franceschini, über die Fotos sehr gefreut und wir haben uns über die Unterschiede der beiden Karnevale, Venedig und Basel unterhalten.

Ob denn Maskenkünstler auch in Basel ein Beruf sei, wollte sie wissen. Ja, sagte ich, aber es wird weniger für die Touristen produziert als in Venedig. Sie könne davon leben, manchmal besser, manchmal weniger gut, erzählt sie. Ihr Laden sei halt klein und versteckt, und sie mache alle Masken selber, von Hand.

Einheimische wehren sich gegen Billiggeschäfte

Als ich mich nach angeregtem Gespräch verabschieden will, zeigt sie auf das Geschäft gegenüber. Atemberaubend schöne Glaskelche stehen im Fenster. Die seien echt und direkt hier gemacht, und ob sie mich dem Künstler vorstellen solle?

Reaktion der lokalen Bevölkerung auf den Einfluss der Souvenirmafia in Venedig. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Reaktion der lokalen Bevölkerung auf den Einfluss der Souvenirmafia in Venedig. SRF/Brigitte Häring

Und dann zeigt sie mir eine Broschüre. Die Geschäfte und die Bar am winzigen Campo Santa Maria Mater Domini haben sich zu einer Art Künstlergemeinschaft zusammen getan: «Campo dell' ARTigianato», Kunsthandwerkerplatz, nennen sie den Campo darin und stellen sich vor. Da gibt's neben der Maskenkünstlerin Valentina einen Glasbläser, den letzten venezianischen Silberschmid, einen Glasschmuckkünstler, ein Kleidergeschäft und einen Typographen. Und – so sagt Valentina – den besten Aperol Sprizz der Stadt.

«Wir Einheimischen müssen uns zusammen tun, müssen uns wehren gegen die Billiggeschäfte», erzählt sie. «Hier auf dem Platz gibt's keine Chinesen oder Russen, wir sind alle Italiener, alle Einheimische.» Und mit einem Lächeln sagt sie «Noi siamo tutti veri», wir sind alle echt.

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