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«Gotthard» – der historische Zweiteiler von Urs Egger
Aus Schweizer Film vom 21.04.2019.
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Filme mit Atmosphäre Urs Eggers Ansatz: «Es muss stinken, wenn gefurzt wird»

47 Filme und Serien – es ist ein umfassendes Werk, das der kürzlich verstorbene Regisseur Urs Egger hinterlässt. Zu den bekanntesten Filmen gehört unter anderem «Kinder der Landstrasse» von 1992 – sowie die SRF-Koproduktion «Gotthard» von 2016.

Entstanden ist dieser aufwändig produzierte Zweiteiler unter der Leitung von Urs Fitze, Leiter Fiktion bei SRF.

Urs Fitze

Urs Fitze

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Urs Fitze ist Leiter Fiktion von Radio und Fernsehen SRF.

SRF: Wie erinnern Sie sich an die erste Begegnung mit Urs Egger, bevor der «Gotthard»-Dreh losging?

Urs Fitze: Das war im Jahr 2014, Urs Egger war in Zürich auf Stippvisite. Wir hatten ein gutes Gespräch im Büro. Danach schlug ich vor, gemeinsam zu Mittag essen. Wir gingen raus zu einem Take-away um die Ecke und setzten uns auf eine Parkbank.

Er sagte mir, in Deutschland wäre es nie möglich, dass ein Fiktionschef eines Senders mit ihm den Business-Lunch auf einer Parkbank einnähme. Das schätzte er sehr. Von diesem Moment an waren wir nahe beieinander.

Wie lief die Zusammenarbeit?

«Gotthard» war für SRF das grösste Projekt, das wir je gemacht hatten. Wir waren damals sehr froh, dass Urs Egger diese Arbeit übernommen hat. Er war ein Mann mit viel Erfahrung, einem starken Bezug zur Schweiz, und er hatte auch schon historische Filme gemacht.

Urs brachte dieses Know-how mit, hat uns aber auch immer sehr nahe an die Produktion mitgenommen. Diese Zusammenarbeit war bereichernd für alle: für die Gewerke, die Crew, für die Schauspieler, aber auch uns Fernsehredaktorinnen und -redaktoren.

Ein Mann sitzt an einem Filmset vor einem Tunnel.
Legende: Einer vom Typ «Business-Lunch auf einer Parkbank»: Urs Egger, hier am «Gotthard»-Filmset. SRF

War er offen für Inputs oder hat er auf seiner Linie beharrt?

Er hat immer genau gewusst, was er wollte. Trotzdem zeichnete ihn aus, dass er sehr offen war.

Er hat einmal diesen wunderbaren Satz gesagt ‹Es soll stinken, wenn gefurzt wird›.

Es war ihm ein Anliegen, dass die Gotthard-Geschichte historisch authentisch erzählt wurde. Gleichzeitig – und das war vielleicht noch wichtiger – war aber auch die Atmosphäre entscheidend.

Er hat einmal diesen wunderbaren Satz gesagt «Es soll stinken, wenn gefurzt wird.» Man müsse diesen Dreck, die die Arbeiter auf der Baustelle damals erlebt haben, auch spüren und zeigen können. In diesem Sinn hat er diesen Film atmosphärisch geprägt.

Die Produktion beruht auf historischen Tatsachen. Auch «Die Kinder der Landstrasse» (1992) erzählt historische Ereignisse aus der Schweiz. Was hat Urs Egger, der in Deutschland lebte, an der Schweizer Geschichte interessiert?

Er war es, der den Kontakt zu SRF suchte. Urs Egger hat zwar ab 1993 immer in Berlin gelebt, hatte aber immer einen starken Bezug zur Schweiz.

Wenn ich ihn mit anderen Regisseurinnen und Regisseuren vergleiche, mit denen wir zusammenarbeiten, habe ich sogar den Eindruck, dass Urs der grössere Patriot war als alle hier lebenden Schweizer. Er hat sich mit der Schweiz auseinandergesetzt sich auch stark mit ihr identifiziert.

Urs Egger war der grössere Patriot als alle hier lebenden Schweizer.

Egger kam aus Wengen, ist oft auch dorthin zurückgegangen. Ich bin sicher, er hätte am Samstag gerne das Lauberhorn-Rennen in Wengen nochmals gesehen. Das war für ihn immer ein Highlight, dafür reiste er immer in die Schweiz.

Video
Regisseur Urs Egger hinterlässt opulente Filme
Aus Kultur-Clips vom 21.01.2020.
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Was bleibt von Urs Egger?

Er hinterlässt ein unglaublich reichhaltiges Werk. Urs Egger hat in seinem Leben über 47 Filme und Serien inszeniert. Das macht fast in jedem Jahr einen. Ich glaube, es gibt keine Schweizer Filmemacher-Persönlichkeit, die in den letzten 50 Jahren ein so reiches Werk wie Egger geschaffen hat. Viele davon sind wirklich tolle Werke.

Es ist ein grosser Verlust für uns alle, dass ein bis zum Schluss wirklich kreativer Regisseur uns so früh verlassen hat. Der grösste Verlust ist aber, dass wir einen humorvollen und geistreichen Zeitgenossen und Freund verlieren.

Das Gespräch führte Jodok Hess.

Sendung: Radio SRF 2 Kultur, Kultur Aktualität, 21.01.2020, 17.10 Uhr

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