Wie sagt man das? Die schwierige Rolle von Film-Übersetzern

Ihr Name taucht in keinem Abspann auf. Doch ohne sie wären viele Filme schwer verständlich. Als Übersetzerin hat Liliane Sturny mehr als 1600 Filme untertitelt, darunter den Piazza-Film «Floride». Für sie ist das perfekte Wort nicht unbedingt die beste Lösung.

Zwei Frauen sitzen im Bikini am See, auf dem in der Distanz ein Segelboot schwimmt. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Einer von rund 1600: Den französischen Film «Floride» (Bild) hat Liliane Sturny für die Piazza deutsch untertitelt. Festival del Film Locarno

«Floride» läuft am Sonntag auf der Piazza Grande: Sitzen Sie im Publikum?

Liliane Sturny: Nein. Ich mag meine Untertitel nicht. Abgeschlossen ist abgeschlossen – schon nach einer Woche würden mir Formulierungen einfallen, die besser oder prägnanter wären. Und das mag ich nicht.

Ist das die Hauptschwierigkeit – dass man am Schluss mit der Untertitelung nicht zufrieden ist?

Auch. Aber genauso schwierig ist die Übersetzbarkeit. Es gibt den Satz «Wer übersetzt, verrät» – die Übersetzung kommt dem Original nie nah. Meine Aufgabe ist es, möglichst viel vom Film in möglichst kurzer Zeit in möglichst prägnanten Sätzen zu formulieren. So, dass möglichst wenig verloren geht.

Ein Problem ist ja auch der begrenze Platz auf der Leinwand.

Absolut. Eddie Murphy zum Beispiel, der spricht wie ein Maschinengewehr. Da kriege ich nur eine Art Telegramm-Stil hin.

Und wie lösen Sie das Problem?

Mit Tricks. Wenn ich zwei Wörter zur Auswahl habe – ein schönes, perfektes und richtiges oder ein kurzes, nicht ganz so perfektes – dann gewinnt das kurze. Dafür kann ich vielleicht ein zusätzliches Adjektiv unterbringen. Ich manipuliere auch, das gebe ich zu.

Sendung: SRF 4 News aktuell, 8.8.2015