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Film & Serien «House of Cards» – Wenn Fiktion zur Realität wird

Kevin Spacey als machthungriger Politiker ist eine Wucht: Intrigant, betrügerisch, manipulativ. Alles Eigenschaften, die einer haben sollte, will er sich in Washington behaupten. Das jedenfalls behauptet die Fernsehserie «House of Cards». Und die Realität ist gar nicht so weit davon entfernt.

Legende: Video House of Cards – Wenn Fiktion zur Realität wird abspielen. Laufzeit 04:39 Minuten.
Aus Kultur vom 07.11.2013.

Von der Realität eingeholt

Vor wenigen Wochen in den USA: das Parlament schliesst seine Tore. Nichts geht mehr. Sämtliche staatlichen Angestellten werden in den Zwangsurlaub geschickt. Der grosse Shutdown. Warum? Eine republikanische Minderheit, die inzwischen berühmt berüchtigte «Tea Party», verhindert die Absegnung des Finanzhaushalts im Repräsentantenhaus. Der Fraktionschef der Republikaner, John Boehner, wird zum Sprachrohr der Budget-Verhinderer und erscheint auf der ganzen Welt in den Nachrichten.

«House of Cards» Zitat mit John Boehner auf der Frontseite von «Daily News», 1. Oktober 2013.
Legende: «House of Cards» Zitat mit John Boehner auf der Frontseite von «Daily News», 1. Oktober 2013. Daily News

Haus der Sch****typen

Am 1. Oktober 2013 veröffentlicht die New Yorker Zeitung «Daily News» ein Bild auf der Titelseite. Es ist eine Fotomontage mit John Boehner auf dem Lincoln-Monument. Die Überschrift: «House of Turds» – «Haus der Sch****typen». Diese Montage zitiert das Titelbild der Serie «House of Cards». Da sitzt Hauptdarsteller Kevin Spacey im gleichen Stuhl.

Die Anspielung der Zeitung auf die Fernsehserie «House of Cards» kommt nicht von Ungefähr. In der Serie geht es um das oft undurchschaubare Machtgerangel in Washington DC, dem Zentrum der Macht. Eine Intrige jagt hier die andere. Dass die New Yorker Zeitung mit dem obigen Titelbild den Inhalt einer Serie auf aktuelle politische Verhältnisse zuschneidet, zeigt, was die Medienwelt von den aktuellen, realen Positionskämpfen in Washington hält. Inzwischen ist der Shutdown schon wieder beinahe vergessen und John Boehner ziert keine Titelbilder mehr.

Original von BBC

Von der Fernsehserie gibt es eine Originalversion. Sie heisst ebenfalls «House of Cards», wurde von der BBC produziert und spielt in Grossbritannien zu Beginn der 90er-Jahre. Dort lernt man den machiavellistischen Francis Urquhart kennen, hervorragend gespielt vom leider schon verstorbenen Ian Richardson. Sein immer wiederkehrender Spruch «You might very well think that; I couldn’t possibly comment» («Sie mögen das vielleicht denken, ich kann mich dazu unmöglich äussern») hielt Einzug in den Sprachgebrauch und – ironischerweise – sogar ins britische Unterhaus.

Genug Stoff für zukünftige fiktionale Polit-Intrigen

Auch die Machenschaften von Kevin Spaceys Politiker haben bereits Eindruck gemacht. So konnte man während des Shutdowns in den USA aus verschiedenen politischen Ecken vernehmen, dass es für die zweite Staffel von «House of Cards» wohl nicht an realitätsnahem Material fehlen würde. Schliesslich hat es sich in diesem Herbst gezeigt: Die Lahmlegung einer ganzen Regierung ist längst kein fiktives Szenario mehr.

Sendungshinweis:

Die erste Staffel von «House of Cards» startet am Montag, 11. November um 23.45 Uhr auf SRF 1. Alle Episoden findet man auf der Sendungsseite zu «House of Cards».

3 Kommentare

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  • Kommentar von Thomas Müller, Basel
    Liebes SRF Wieso kommt eine derart spannende Serie Montag nachts um 23:45 Uhr? Weshalb kann diese Serie nicht zur "normalen" Sendezeit ausgestrahlt werden? Herr Rindlisbacher in allen Ehren, aber traut das SRF seinem lieben Publikum nicht ein etwas anspruchsvolleres Sendespektrum zu, statt Millionenfalle oder Two and a half man und dergleichen… Besten Dank
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    1. Antwort von Oskar Schloch, Littau
      Word!
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    2. Antwort von
      Uns ist selbstverständlich bewusst, dass ein Sendebeginn am Montag um 23.45 Uhr für „House of Cards“ (aber auch für „Mad Men“, „Borgen“ etc.) wenig zuschauerfreundlich ist. Die Sender von SRF haben aber eine sinnvolle, wenn auch ziemlich starre Programmstruktur. Speziell der Abend auf SRF 1 ist geprägt von aktuellen Eigenproduktionen (Magazinsendungen, Dokumentarfilme, Quiz-Sendungen etc,) und dem Newsformat „10vor10“. Auch danach geht es in der Regel mit Eigenproduktionen weiter. Neben dem traditionellen Dienstagskrimi gibt es im Abendprogramm von SRF 1 daher nur einen einzigen Sendeplatz für Serien, und das ist am Montag, nach „Schawinski“, um ca. 23.45 Uhr. Und „House of Cards“ gehört nach Meinung der Programmmacher auf den Kanal SRF 1. (Die anderen fiktionalen Programme auf SRF 1 wie „CH:Filmszene“ am Mittwoch, „Delikatessen“ am Donnerstag und der „Klassiker-Termin“ am Freitag starten jeweils erst nach Mitternacht.) Auf SRF zwei hat die Programmierung von Serien – abgesehen vom Serienmontag – einen schweren Stand, weil Live-Sport die Ausstrahlung jederzeit gefährden oder unterbrechen kann. Der Serienmontag wiederum wird bisher mit drei Serien à 40-42 Minuten bestückt, weil danach die „Sport Lounge“ um 22.20 Uhr starten muss. Längere Serienfolgen, wie sie z.B. bei „House of Cards“ vorkommen (teilweise weit über 50 Minuten) können in diesem Raster zurzeit nicht eingeplant werden. Für die Programmmacher ist es immer eine Gratwanderung, wie und wo so tolle Serien eingesetzt werden können. Darauf zu verzichten, scheint uns aber die unattraktivste aller Lösungen. Heinz Schweizer, Redaktionsleiter Einkauf Film und Serien SRF
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