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Neu im Kino «Caught Stealing»: Flotter Gaunerspass vom Mann fürs Düstere

Der Gangsterfilm «Caught Stealing» mit Austin Butler tut so, als hätte Guy Ritchie ihn in den 90ern gedreht. Das funktioniert ausgezeichnet.

Eigentlich soll Hank nur die Katze hüten. Der gescheiterte Baseballspieler und passionierte Fan der San Francisco Giants hält sich Ende der 90er im New Yorker East Village als Bartender über Wasser. Bis ihm sein Nachbar die Katze überlässt.

Zwei Männer gehen auf einem Holzsteg bei Sonnenuntergang.
Legende: Der Punk von Nebenan (Matt Smith) bringt Hank (Austin Butler) viel Ärger ein – nicht nur, weil seine Katze ziemlich bissig ist. Sony Pictures Releasing Switzerland

Der britische Punk mit riesigem Irokesen muss dringend nach London. Was Hank nicht weiss: Im Katzenkistchen ist der Schlüssel zu einem Lagerraum versteckt, in dem stapelweise Drogengeld liegt.

Das lockt bald mordlüsterne Russen, korrupte Cops und zwei brutale orthodoxe Juden auf den Plan. Hank gerät ins Kreuzfeuer. Dass er vor seiner Haustür spitalreif geprügelt wird, ist noch etwas vom harmloseren, was dem einfach gestrickten Landei widerfährt.

Wie bei Guy Ritchie

Kleiner Fisch trifft grosse Haie: Derlei Gangsterfilme kennt man wahrlich zur Genüge. Regisseur Darren Aronofsky stibitzt mit «Caught Stealing» freimütig von den Giganten in den Gewässern der coolen Gangsterkomödie: Von Quentin Tarantino, Guy Ritchie und den Coen-Brüdern hat sich dieser Film vieles abgeguckt.

«Caught Stealing» spielt nicht nur 1998, sondern wirkt auch so, als würde er selbst aus jener Zeit stammen, in der  «Jackie Brown», «Lock, Stock & Two Smoking Barrels» und «The Big Lebowski» in den Kinos liefen.

Eigenwillige Charaktere, rasante Dialoge, brutale Gewalt, schwungvolle Inszenierung, überraschende Wendungen und ein schmissiger Retro-Soundtrack – alles ist da in «Caught Stealing». So passt der Titel des Films wie die Faust aufs Gangsterauge: «Caught Stealing» bedient sich unverhohlen bei seinen Vorbildern. Ein Kavaliersdelikt, das man als liebevolle Ehrerweisung interpretieren darf.

Statt schwer mal ganz leicht

Von Darren Aronofsky hätte man diesen Film nicht erwartet – schliesslich steht der Regisseur nicht für flottes Unterhaltungskino, sondern für kunstvoll düsteres Kino.

Drei Männer gehen auf einer belebten Strasse.
Legende: Lipa (Liev Schreiber, links) und Shmully (Vincent D'Onofrio, rechts) würden nie am Schabbat Auto fahren. Mit Handgranaten um sich werfen geht aber auch am Ruhetag. Sony Pictures Releasing Switzerland

Aufgefallen ist Aronofsky etwa mit dem kunstvollen Thriller «Pi», dem verwirrenden Ballet-Horror «Black Swan» oder dem berührenden Aussenseiterdrama «The Wrestler». Lustig war es bei Aronofsky bisher noch nie, und obwohl es in «Caught Stealing» viel zu Lachen gibt, zeigt der Mann fürs Düstere auch hier immer wieder seinen Sinn für Tragik.

Der Soundtrack stammt von der Band IDLES. Zu deren Punksongs mischen sich im Film all jene Klänge, die im kulturellen Schmelztiegel des New Yorks jener Zeit zu hören waren. Die Rollen sind toll besetzt, Austin Butler, Zoë Kravitz, Regina King und Bad Bunny haben offensichtlich Spass. Und nicht zuletzt ist der Film prächtig gefilmt und geschnitten.

Die Mischung stimmt

Aronofsky setzt genügend eigene Akzente, dass der Film kein schnöder Aufwasch von längst Bekanntem ist. «Caught Stealing» ist eine ausgewogene Mischung, in der von keiner der bekannten Zutaten zu viel oder zu wenig drinsteckt – ein launiges Vergnügen, das seinen Vorbildern alle Ehre erweist.

Kinostart: 27.8.2025

Radio SRF 3, 28.8.2025, 17:50 Uhr

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