Die Odyssee von Homer gilt als eines der ältesten und einflussreichsten Werke der europäischen Literatur: Odysseus, König von Ithaka, hat mit seiner List – dem Trojanischen Pferd – den 10-jährigen Krieg gegen Troja gewonnen und die Stadt zerstört. Danach will der Kriegsheld nur noch heim. Er begibt sich auf seine beschwerliche Reise. «Niemand stellt sich zwischen mich und meine Heimat, nicht einmal die Götter», sagt er im Film.
-
Bild 1 von 4. «The Odyssey» von Christopher Nolan fährt mit einem Megacast auf: Der auf 76 Kilo abgemagerte Matt Damon spielt Odysseus als erschöpften, vom Krieg gezeichneten, gebrochenen Helden ... Bildquelle: Universal Pictures.
-
Bild 2 von 4. ... Anne Hathaway spielt Odysseus' tapfere, loyale Frau Penelope, Tom Holland deren Sohn Telemachos. Bildquelle: Universal Pictures.
-
Bild 3 von 4. Auch mit von der Partie: Robert Pattinson als schmieriger Antinoos, einer der Freier Penelopes. Bildquelle: Universal Pictures.
-
Bild 4 von 4. Zendaya spielt Athena, die Schutzgöttin des Odysseus. Bildquelle: Universal Pictures.
«The Odyssey» ist ein Projekt, mit dem sich Christopher Nolan jahrzehntelang beschäftigt hat. «Es umfasst viele verschiedene Formen des Geschichtenerzählens», so der Regisseur. «Es ist eine Liebes-, eine Coming-of-Age- und eine Heimkehr-Geschichte. Es geht um Krieg, Liebe und Tod.»
Schon in seinen früheren Filmen wie etwa den Blockbustern «The Dark Knight Trilogy», «Interstellar» oder «Oppenheimer» stecke Homers Odyssee: «Alles, was ich in der Vergangenheit gemacht habe, hat mich an diesen Ort gebracht.»
Erster Spielfilm ganz im IMAX-Format
Odysseus’ Heimreise dauert 10 Jahre. Gespickt mit Kämpfen gegen mythische Monster, wütende Götter, tosende Stürme und menschliche Intrigen. Nolan inszeniert das als bildgewaltiges Spektakel: sehr realistisch, mit wenig Trickeffekten und Tausenden Komparsen.
Das fährt ein. Umso mehr, als «The Odyssey» der erste Spielfilm ist, der vollständig mit 70-mm-IMAX-Kameras gedreht wurde, was ein intensives Eintauchen in die antike Bildwelt erlaubt. Aber auch eine Herausforderung darstellt für den grossartigen Odysseus-Darsteller Matt Damon: «Diese IMAX-Filmrollen dauern nur zweieinhalb Minuten», erzählt er: «Deshalb musste man in jeder längeren Szene, die ich mit Anne Hathaway alias Penelope drehte, anhalten und warten, bis die Kamera neu geladen war.»
Das sei technisch herausfordernd gewesen, es habe aber auch Spass gemacht, lacht Damon: «Weil das vorher noch nie jemand gemacht hatte.»
Authentisch durch reale Schauplätze
Das Budget von rund 250 Millionen US-Dollar ermöglichte es, an realen Schauplätzen in mehreren Ländern zu drehen. Marokko, Griechenland, Italien, Island, Schottland – eine Odyssee auch für die Crew und den Cast. Wie Robert Pattinson, der einen von Penelopes Freiern spielt, erzählt: «Bei einem normalen Hollywoodfilm ist das Basislager 10 Sekunden vom Set entfernt. Bei einem Nolan-Film sind es eher 45 Minuten Fussmarsch – in Sandalen und voller Montur.»
In Abwesenheit des Königs bahnt sich auf Ithaka eine Tragödie an: Odysseus’ Frau Penelope (Anne Hathaway) und sein Sohn Telemachos (Tom Holland) werden von habgierigen Bewerbern bedrängt. Diese wollen Penelope heiraten und den Thron besteigen. Dabei setzt Nolan auf eine starke Penelope. Sie ist mehr als die Tapfere, die 20 Jahre lang auf ihren Mann gewartet hat. «Sie ist noch immer geduldig und hat eine gewisse Bescheidenheit, aber Nolan liess ihr Raum für ein vielfältiges Innenleben», so Hathaway: «So durfte sie auch wütend und frustriert sein, ängstlich und zornig.»
«The Odyssey» erzählt zwar einen der ältesten Mythen der Weltliteratur, doch das Ende ist neu. Und im Zentrum steht ein Odysseus, der kein Held ist, sondern ein gebrochener Mann, geplagt von Schuldgefühlen, ein traumatisierter Kriegsveteran. Das ist faszinierend und beklemmend zugleich. Grosses Gefühlskino mit dem Zeug zum Klassiker.
Kinostart: 16. Juli