Wer den Namen Channing Tatum hört, denkt wohl zuerst an die drei «Magic Mike»-Filme, in denen er einen muskelbepackten Stripper spielte. Oder vielleicht daran, dass er 2012 vom «People»-Magazin zum «Sexiest Man Alive» gekürt wurde. Wer Tatums Karriere etwas besser kennt, erinnert sich womöglich auch an die Blockbuster-Spektakel «G.I. Joe» oder «21 Jump Street».
An Schauspielkunst dagegen denken wenige. Dabei hat Channing Tatum diese unter anderem im Sportfilm «Foxcatcher», in seinem Regiedebüt «Dog» über einen traumatisierten Veteranen oder in «Blink Twice», dem Horrorfilm seiner damaligen Freundin Zoë Kravitz, bewiesen.
Channing Tatum als Räuber
Auch im aktuellen Film «Roofman» zeigt er, dass er mehr kann als nur gut aussehen. Es gibt sogar Kritikerstimmen, die Tatums jüngsten Auftritt für Oscar-würdig halten.
In der Tragikkomödie «Roofman» spielt er Jeffrey Manchester, einen geschiedenen Veteran, der sich bemüht, seine drei kleinen Kinder zu versorgen. Das tut er, indem er nachts übers Dach in McDonald’s‑Filialen einbricht und dann die Frühschicht ausraubt. Ohne Gewalt, sehr freundlich. Einmal gibt er sogar einem Angestellten, den er in einen Kühlraum einsperrt, seine Jacke, damit ihm nicht kalt wird.
Über 40 Mal wendet Jeffrey die Masche in innerhalb von zwei Jahren an. Die Medien geben ihm den Übernamen «Roofman». Aber auf Dauer gehen Jeffreys Aktionen nicht gut. Bei der Geburtstagsfeier seiner Tochter wird er verhaftet und zu 45 Jahren Gefängnis verurteilt.
Allein im Spielzeuggeschäft
Jetzt geht der Film erst richtig los. Jeffrey kann fliehen und versteckt sich in einem riesigen Spielzeuggeschäft: erst auf dem Dach, dann im Laden hinter einer riesigen Werbewand.
Tagsüber hält er sich versteckt, schläft in Spider-Man-Bettwäsche oder beobachtet die Angestellten mithilfe von versteckten Kameras. Nachts streunt er durch die Gänge, langweilt sich und macht Unsinn.
Eines Tages hält er es nicht mehr aus und will raus. Vor allem, weil er sich in die Angestellte Leigh (Kirsten Dunst) verguckt hat. Diese sammelt für die Kirche Spielzeuge. Um ihr näher zu kommen, klaut er welches und spendet es. Auch bei Leighs Kindern versucht er zu punkten – weil er seine eigenen vermisst.
Die Frage, die für Spannung sorgt: Wann fliegt er auf und wie viel Schaden richtet er bei seiner Ersatzfamilie an?
Was nach einem konstruierten Hollywood-Drehbuch klingt, ist tatsächlich eine wahre Geschichte.
Jeffrey Manchester begann im November 1998, McDonald’s-Filialen auszurauben. Im Mai 2000 wurde er verhaftet und landete hinter Gittern. 2004 brach er aus und versteckte sich in einer Toys-R-Us-Filiale in Charlotte, North Carolina. Zurzeit sitzt er in Central Prison in Raleigh. Voraussichtlich kann er im Dezember 2036 das Gefängnis verlassen.
Channing Tatums Jeffrey Manchester ist sympathisch, intelligent und gleichzeitig dumm – aber ganz klar ein Straftäter. Ein Lügner, der nichts bereut, der den schnellen Weg zum Geld wählt, aber trotzdem das persönliche Glück sucht. Als Zuschauer weiss man schnell, dass Jeffrey ein Berufskrimineller ist, der nie auf den viel zitierten Pfad der Tugend zurückkehren wird.
«Roofman» ist einfache, gute Unterhaltung, charmant, lustig und melancholisch. Am Ende denkt man: Wow, Sachen gibt’s!
Kinostart: 8. Januar 2026