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Legende: Audio George Wyrsch über das Filmschaffen des Zürcher Regieduos abspielen. Laufzeit 03:07 Minuten.
Aus Kultur-Aktualität vom 19.06.2019.
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Radikale Pionierarbeit Wiederentdeckt: Das Schweizer Dok-Filmerpaar Mertens/Marti

Rund 20 Filme haben Reni Mertens und Walter Marti ab den 1950er-Jahren produziert – teilweise mit Sprengkraft.

So steht es in den Geschichtsbüchern: Mitte der 1960er-Jahren erneuerten sich die Schweizer Dokumentarfilme radikal. Sie wurden politisch, militant und experimentell.

Kunstschaffende wie Alexander J. Seiler oder Jaqueline Veuve entwickelten einen betont cineastischen Gegenentwurf zu den reinen Informationssendungen, die damals per Fernseher in die Haushalte zu strömen begannen.

«Ursula oder das unwerte Leben»

Die Namen von Reni Mertens und Walter Marti liest man in diesem Kontext seltener. Dies, obwohl sie mit «Ursula oder das unwerte Leben» (1966) einen frühen, wesentlichen und prägenden Beitrag zu dieser Bewegung geleistet haben.

Ein Mädchen mit geschlossenen Augen hält die Hände einer erwachsenen Person.
Legende: Aufnahme aus «Ursula oder das unwerte Leben». Bildrausch Filmfestival , Link öffnet in einem neuen Fenster

Ihr Dokumentarfilm, welcher Kinder mit schwersten Behinderungen zeigt, hat eine klare politische Botschaft: Man kann und muss diese Menschen fördern.

«Ursula oder das unwerte Leben» ist nicht nur ein Plädoyer für die Anerkennung der Entwicklungsmöglichkeiten und der Bildungsfähigkeit aller. Der Film ist schlicht ein Kunstwerk.

In expressiven Schwarz-Weiss-Bildern und mit einem komplexen Klangdesign wird das Publikum in die Methoden der Rhythmustherapie eingeweiht. In anderen, intimen Sequenzen bekommt man zu sehen, wie liebevoll die taubblinde Hauptprotagonistin Ursula von ihrer geduldigen Ziehmutter und deren Vater behandelt wird.

Eine Frau hält den Kopf eines Kindes.
Legende: Heilpädagogin Mimi Scheiblauer mit einem Kind im Film «Ursula oder das unwerte Leben». Bildrausch Filmfestival , Link öffnet in einem neuen Fenster

Zuerst kommt die Frage

Wie umschreibt man die Arbeit von Mertens und Walter Marti am besten, wenn man sich nicht auf die Beschreibung eines spezifischen Films beschränken will? Die Bildrausch-Leiterin Nicole Reinhardt fasst ihr Werk wie folgt zusammen: «Jeder Film von ihnen ist anders. Immer, wenn sich Mertens und Marti einem Thema genähert haben, haben sie zuerst eine klare zentrale Frage ausformuliert.»

Porträt eines Mannes
Legende: Existenzialistisch angehaucht: «Die Selbstzerstörung des Walter M. Diggelmann». Bildrausch Filmfestival , Link öffnet in einem neuen Fenster

Daraus ergaben sich die ästhetischen Mittel – «und jedes Thema hat nach einer anderen Herangehensweise verlangt», so Reinhardt.

Komplett anders als «Ursula» sind zum Beispiel Filme wie «Die Selbstzerstörung des Walter M. Diggelmann» – ein existenzialistisch angehauchter Monolog des umstrittenen Schriftstellers – oder «Requiem», eine abstrakt-schauerliche Soldatenfriedhofstudie.

Das Erbe des Zürcher Regieduos

«Nachhall: Mit Reni Mertens und Walter Marti in die Zukunft» heisst nun die Retrospektive, die am Bildrausch-Filmfestival in Basel zu sehen ist – zum 20. Todestag von Mertens und Marti, könnte man sagen. Beide sind um die Jahrtausendwende verstorben.

Da Mertens und Marti mit ihrer Produktionsfirma eifrig den Nachwuchs gefördert haben, werden am Bildrausch auch ein paar bekannte Gesichter des Schweizer Films zu sehen sein: «Ursula» etwa läuft in der Anwesenheit des damaligen Kameramanns Rolf Lyssy.

Bildrausch Filmfestival

Bildrausch Filmfestival

Das Bildrausch Filmfestival, Link öffnet in einem neuen Fenster findet statt vom 19.06 – 23.06.2019 im Stadtkino Basel. Am Samstagnachmittag findet eine öffentliche Gesprächsrunde zu den beiden Filmschaffenden Reni Mertens und Walter Marti statt, u.a. mit Erich Langjahr und Marina Mertens.

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