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Aktuelle Trendwende Quartz 2018: Die Jungen kommen!

Es weht ein frischer Wind durch den Schweizer Spielfilm. Auffällig viele Neulinge wetteifern um den diesjährigen Quartz.

Legende: Video Schweizer Spielfilm 2017 abspielen. Laufzeit 07:09 Minuten.
Aus Kultur vom 22.03.2018.

Statt dem Publikumsgeschmack hinterher zu hecheln, legten im abgelaufenen Kinojahr gleich mehrere junge Regisseurinnen und Regisseure künstlerisch ambitionierte Filme vor. Bei Lisa Brühlmanns Teenager-Studie «Blue My Mind» blieb so manchem Kinokritiker komplett die Luft weg.

Filmpreis bei SRF

Die Preisverleihung am 23. März 2017 in Zürich gibt's ab 19.30 Uhr im Live-Stream auf www.srf.ch. Die anschliessende Aftershow «Der Schweizer Filmpreis – Die Gewinner» ist ab 21.35 Uhr live im Netz und auf SRF zwei zu sehen. News, Hintergründe und Interviews finden Sie im Filmpreis-Special.

Die Festival-Jurys in Zürich und Saarbrücken waren von Brühlmanns bildstarkem Erstling regelrecht weggeblasen. Auch die Schweizer Filmakademie würdigte das Debüt: Mit seinen sieben Nominierungen geht «Blue My Mind» als grosser Favorit ins diesjährige Quartz-Rennen.

Die Jugend zockt die Alten ab

Auf Anhieb als «Bester Spielfilm» nominiert wurde auch Cyril Schäublins Erstling, der sich nach seiner Premiere in Locarno rasch zum Geheimtipp mauserte: «Dene wos guet geit». Im Zentrum des lakonisch erzählten Kritikerlieblings steht der sogenannte «Enkeltrick», dem Betagte oft zum Opfer fallen.

Blick durch eine matte Silhouette aufs Zürcher Alltagsleben im Film «Dene wos guet geit».
Legende: «Dene wos guet geit» wagt den Blick durchs Guckloch auf unsere matte Wohlstandswelt. Outside the Box

Eine junge Callcenter-Mitarbeiterin nützt Informationen aus der täglichen Arbeit, um gutgläubigen Grosseltern Geld abzuluchsen. Geld, das die Menschen im Ruhestand von ihren Bankkonten abheben, um den eigenen Enkeln zu helfen, die sich angeblich in einer Notlage befinden.

SRF/SRG-Koproduktion

«Blue My Mind», «Goliath» und «Mario» wurden vom SRF und der SRG koproduziert.

Die betrügerische Masche kann freilich nur funktionieren, wenn kein enger Kontakt zu den Grosskindern besteht – was wiederum einiges über die Kluft zwischen den Generationen in unserer Wohlstandswelt aussagt. Weil Regisseur Cyril Schäublin aber bewusst auf eine moralische Wertung verzichtet, wirkt seine Gesellschaftsskizze nicht wie eine beissende Anklage, sondern wie ein überraschend poetisches Sittengemälde.

Werwölfin versus Meerjungfrau

Richtige Monster sind die jungen Menschen in den nominierten Filmen nicht. Aber monströse Züge tragen sie schon. In «Sarah joue un loup-garou» verwandelt sich eine sensible 17-Jährige auf der Bühne zum Tier. Loane Balthasar wurde für ihren animalischen Part im fabelhaften Spielfilmdebüt von Katharina Wyss zurecht mit einer Quartz-Nominierung bedacht.

Filmstill mit der 17-jährigen Titelfigur Sarah (links), eindrücklich verkörpert von Loane Balthasar.
Legende: In ihr steckt das Tier: Titelfigur Sarah (links), eindrücklich verkörpert von Loane Balthasar. Xenix

Doch die Konkurrenz ist übermenschlich hart: Schauspiel-Hoffnung Loane Balthasar tritt als labiles Mädchen im Werwolf-Pelz gegen Shooting-Star Luna Wedler an, die in «Blue My Mind» vom süssen Backfisch zur fischfressenden Nixe mutiert. Doch nicht nur die Mädchen bewiesen 2017 ihre Wandelbarkeit.

Wird’s der aufgepumpte Papa richten?

Sven Schelker spielte in «Goliath» einen jungen Vater, der immer mehr an seiner Männlichkeit zu zweifelt. Als er deswegen zu Steroiden greift, wachsen nicht nur seine Muskeln, sondern auch seine Probleme – bis ins Unermessliche. «Goliath», der zweite Spielfilm von Jungfilmer Dominik Locher, hätte mehr als nur die Quartz-Nominierung für den «Bester Darsteller» verdient gehabt.

Nahaufnahme von Sven Schelker im Rahmen des Films «Goliath».
Legende: Was guckst du? Sven Schelker lässt als Fitness-Fanatiker «Goliath» nicht mit sich spassen. Filmcoopi

Sollte Sven Schelker triumphieren, wäre es für ihn schon der zweite Schweizer Filmpreis. Bereits vor drei Jahren gewann der Basler den Quartz; damals für die Hauptrolle im Dokudrama «Der Kreis». Schelkers härtester Widersacher besitzt den Quartz sogar drei Jahre länger: Max Hubacher räumte den höchsten Schweizer Schauspielpreis 2012 als «Verdingbub» ab.

Schwuler Kicker auf Titelkurs

Mit der Titelrolle in Marcel Gislers «Mario» kratzt der 1993 geborene Berner nun an einem der letzten Tabus: Homosexualität im Fussball. Als YB-Talent verliebt sich der kantige Kerl ausgerechnet in seinen Sturmkollegen.

Die beiden Hauptfiguren von «Mario» posieren gemeinsam für ein Selfie.
Legende: Perfekt in Szene gesetzt: Die Generation Smartphone übt schon mal fürs Sieger-Selfie. Frenetic

Das folgende Ringen zwischen Geheimhaltung und Comingout gefährdet im Film seine Karriere. Im echten Leben beschert es Hubacher wohl eine weitere Trophäe. Soviel steht fest: Die Jagd der Jungen auf den Quartz ist eröffnet. Möge die Macht mit ihnen sein!

1 Kommentar

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  • Kommentar von Daniele Röthenmund (Daniele Röthenmund)
    Ich habe den Film gesehen, fand ihn nicht gut! Wenig neues, wenig Spannung und er hat mich mit Nichten berührt! Er war zu Technisch, Mario wahr einfach in einer Rolle die gut einstudiert wurde, nach technischen Vorgaben der Schauspielschule, doch von ihm kamen wenig echte Emotionen, Für mich eine Fehlbesetzung. Es reicht nicht offen zu sein für Schwule, tolerant und sozial zu sein, man muss auch Fähig sein sich in eine Rolle einzuleben und das ist hier Hubacher nicht gelungen!
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