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Best of Solothurner Filmtage Extreme Experimente, lange Kurzfilme und Professor Portwein

Die Solothurner Filmtage, das jährliche Klassentreffen des Schweizer Films: Nach dem Eröffnungsfilm in der Reithalle trifft man sich im Konzertsaal. Hier ein warmer Händedruck, dort ein kühles Bier – und zwei grosse Fragen, die die Prominenz in Plauderlaune schon mal ins Schwitzen bringen: Verraten Sie uns Ihre berührendste Begegnung an den Filmtagen? Welcher Schweizer Film hat Sie besonders geprägt? Acht Stimmen, gute Stimmung – in Wort und Bild.

Xavier Koller, Filmregisseur («Reise der Hoffnung»)

Ein mann an einem Stehtisch mit einem Glas in seiner Linken.
Legende: Sein erster Kurzfilm war 50 Minuten lang: Xavier Koller, Schweizer Oscar-Gewinner. SRF/Lukas Maeder

Unvergessen: 1970, mein erster Auftritt in Solothurn mit «Fano Hill». Mein erster Kurzfilm – er war 50 Minuten lang. Ich könnte aber nicht eine einzige Begegnung herausheben. Solothurn ist und bleibt ein Ort der Begegnung. Eine Klassenzusammenkunft, wobei die Klasse sich immer ändert.

Unübertroffen: «Les petites fugues». Yves Yersin hat mit seinem einzigen Spielfilm das Kunststück geschafft, einen Publikumsfilm mit viel Gehalt zu machen. Unterhaltsam sein und das Publikum gleichzeitig Anteil nehmen lassen – grossartig.

Samir, Filmregisseur («Snow White»)

Ein Mann mit Brille, lächelnd
Legende: Hat in Solothurn einmal zweimal denselben Film eingereicht: Samir, Filmregisseur. SRF/Lukas Maeder

Unvergessen: Dass ich die alte Filmtage-Garde um Stephan Portmann noch kennenlernen durfte, die meinen ersten Film ablehnte – einen Stummfilm, eine reine Jux-Geschichte. Ein Jahr später habe ich ihn wieder eingereicht. Diesmal mit einem Vorspann, in dem ich als Professor Portwein, Professor Schnaub und Doktor Schlumpf meinen eigenen Film kommentierte. Und der Film wurde angenommen. Diese Herren hatten eine Grösse – das hat mich schwer beeindruckt.

Unübertroffen: Peter Mettlers «Scissere» aus den frühen 1980er-Jahren. Ein schwarz-weisser Experimentalfilm. Extrem, berührend und atemberaubend. Der Film stand ausserhalb von allem, was ich damals kannte.

Ivo Kummer, Leiter Sektion Film im Bundesamt für Kultur

Ein Mann mit Brille, lachend.
Legende: «Der reisende Krieger» hat ihm die Augen geöffnet: Ivo Kummer, Film-Leiter beim BAK. SRF/Lukas Maeder

Unvergessen: Begegnungen mit Schauspielern. Mit Maximilian Schell. Mit Klaus Maria Brandauer und Sebastian Koch. Mit Bruno Ganz natürlich. Die sind jeweils am Vortag angereist und haben sich viel Zeit genommen. Man war gemeinsam essen, hat sich unterhalten. Schön zu sehen, dass diese Leinwandstars im richtigen Leben ganz normale Menschen sind.

Unübertroffen: Christian Schochers Klassiker «Der reisende Krieger» hat mir die Augen dafür geöffnet, was ein Schweizer Film leisten kann: die Realität des Landes in einem sozialen Milieu zu widerspiegeln, die ich so nicht kannte. Ich sehe die Schweiz seit diesem Film mit anderen Augen.

Isabelle Chassot, Direktorin des Bundesamtes für Kultur

Eine Frau mit Schal.
Legende: Schaut sich immer mal wieder «Reise der Hoffnung» an: Isabelle Chassot, Direktorin des BAK. SRF/LUkas Maeder

Unvergessen: Eine Begegnung mit Ivo Kummer, als ich noch Regierungsrätin war und er Direktor der Solothurner Filmtage. Wir haben die Frage diskutiert: Muss der Film populär sein? Ivo Kummer sagte: «Ja, auch schwierige Themen können populär sein. Ein Film kann das breite Publikum im Blick haben und trotzdem Qualität haben.»

Unübertroffen: Xavier Kollers «Reise der Hoffnung». Der Film hat mir gezeigt, dass die Menschen, die zu uns kommen, ihr Leben riskieren. Niemand kommt in die Schweiz, nur weil er Arbeit will. Ich schaue mir den Film immer mal wieder an.

Frédéric Maire, Direktor der Cinémathèque suisse

Ein Mann mit Brille, lächelnd.
Legende: Verdankt seine Freundschaft mit Dani Levy einer lauten Nacht im «Kreuz»: Frédéric Maire. SRF/Lukas Maeder

Unvergessen: Ich habe zufällig einen Filmemacher kennen gelernt, der im selben Hotel abgestiegen war – in der ersten Etage des legendären «Kreuz». Wir konnten beide wegen des Lärms nicht schlafen. Der Filmemacher war Dani Levy, der in jenem Jahr mit «Du mich auch» in Solothurn war. Wir haben also im «Kreuz» auf einer Couch gesessen und über seinen Film diskutiert, der mir gut gefallen hat. Ich habe Dani Levy später nach Locarno eingeladen. Ohne Solothurn wären wir uns kaum so nahe gekommen.

Unübertroffen: «Romeo und Julia auf dem Dorfe» – für mich einer der schönsten Filme der Schweizer Filmgeschichte. Und «Höhenfeuer» von Fredi Murer! Aber das sagen ja alle.

Marcel Hoehn, Filmproduzent («Die Schweizermacher»)

Ein Mann mit weissem Haar, im Hintergrund Gäste einerr Party.
Legende: Kein Freund der Superlative: Marcel Hoehn, Filmproduzent. SRF/Lukas Maeder

Unvergessen: Schwierig, ich war sicher 50 Mal in Solothurn. Vielleicht die Anfänge, als man im kleinen Kreis bei einem Glas Gravensteiner gute Debatten geführt hat?

Unübertroffen: Ich bin kein Freund der Superlative. Wer ist der beste 100-Meter-Läufer? Das kann man objektiv messen. Wenn Sie Namen hören wollen: Das Kino von Alain Tanner, Claude Goretta oder Daniel Schmid hat mich geprägt. Aber auch das, was um uns herum in Europa so lief in der Zeit.

Christof Neracher, Filmproduzent («Aloys»)

Ein Mann mit grauem Bart vor einer Werbetafel der Solothurner Filmtage.
Legende: Findet warme Worte für «Das gefrorene Herz»: Christof Neracher, Filmproduzent. SRF/Lukas Maeder

Unvergessen: Als die Filmtage mit unserem «Krokus»-Dok «As Long as We Live» eröffneten, den wir als kleinen Fernsehfilm produziert haben.

Unübertroffen: «Aloys», einer von uns. Ich finde, diesen Film zeichnet eine ganz spezielle Qualität aus, den Schweizer Filme sonst selten haben. Er will keine dokumentarische Authentizität entwickeln, sondern den Film als Medium komplett ausnutzen. Und sonst Xavier Kollers «Das gefrorene Herz». Der Wald, der Schnee – das hat mich einfach umgehauen damals.

Seraina Rohrer, Direktorin der Solothurner Filmtage

Eine blonde Frau im Dunkeln vor einem hell erleuchteten Gebäude.
Legende: Ist Feuer und Flamme für «Tout un hiver sans feu»: Seraina Rohrer, Filmtage-Direktorin. SRF/Lukas Maeder

Unvergessen: Als Peter Liechti Ehrengast war, gut drei Monate vor seinem Tod. Ich habe ihn zu einem Überraschungskonzert begleitet, das die Zürcher Band Koch-Schütz-Studer gegeben hat – das war unfassbar berührend.

Unübertroffen: «Tout un hiver sans feu» von Greg Zglinksi ging mir sehr nahe. Ich habe den Film an einem Festival in Spanien gesehen und war hin und weg.

Christoph Schaub, Filmregisseur («Sternenberg»)

Porträt eines Mannes im schwarzen Mantel.
Legende: «La Salamandre» hat ihn dazu gebracht, auch Filme zu machen: Christoph Schaub, Regisseur. SRF/Lukas Maeder

Unvergessen: Ich war als junger Mann im «Kreuz» – am Nebentisch so berühmte Filmemacher wie Clemens Klopfenstein und Beat Kuert, viele Leute, auch Frauen. Und ich sass einsam daneben und dachte: «Ich kenne hier keinen, bin total verloren, aber da will ich auch hin.» Heute bin ich froh, wenn ich irgendwo bin und nicht zu viele Leute kenne.

Unübertroffen: Wenn man jung ist, ist man beeindruckbar – und das ist auch gut so. Ich habe in jungen Jahren «La Salamandre» gesehen und war sehr beeindruckt. Der Film hat mich motiviert, selber Filme zu machen.

53. Solothurner Filmtage

Alles zum Festival finden Sie in unserem Online-Special: Sondersendungen, Filmkritiken und Geschichten rund um das Klassentreffen des Schweizer Films.

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