Neu im Kino «The Mummy»: Hollywood greift in die Mottenkiste

Das einst auf Horrorfilme spezialisierte Studio Universal will uns allen das Fürchten lehren – mit dem «Dark Universe».

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«Die Mumie» - Horror-Klassiker neu verfilmt

3:57 min, aus 10vor10 vom 21.6.2017

Sie ist wieder da: die Schreckgestalt aus dem Alten Ägypten. Nur etwas ist anders: ihr Geschlecht. Zum ersten Mal ist die Mumie unverkennbar weiblich. Ein entscheidender Unterschied, wie Regisseur Alex Kurtzman erklärt: «Die Mumie ist nie zuvor eine Frau gewesen. Das war für mich der Grund, den Film zu drehen. Die alten Verfilmungen respektiere ich, doch mein Film sollte frisch sein.»

Wiederauferstanden aus einem antiken Grab, um die Welt zu beherrschen. Die Story bleibt gleich, nur die Rollenverteilung ist neu: Nun ist die Mumie eine selbstbewusste Frau, die den Helden zuerst verflucht, bevor sie ihm den Allerwertesten versohlt...

Hau den Star? Nicht wirklich!

Der Mann, der von der Lady Saures kriegt, ist nicht irgendwer. Es ist Tom Cruise. Hollywoods Strahlemann als Prügelknabe? Das traut sich der Action-Streifen dann doch nicht. Statt auf die untote Titelfigur zu setzen, wirkt das Remake über weite Strecken wie ein x-beliebiger Tom-Cruise-Film.

Tom Cruise und Annabelle Wallis in Action. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Dominantes Alpha-Männchen, süsses Blondchen? Nicht ganz. Aber leider fast. Universal

So bleibt Mumien-Darstellerin Sofia Boutella eine Gefangene des Skripts, das ihrer Liebe zum Original keinen Platz einräumt: «Ich bewundere die Verfilmung aus dem Jahr 1932 mit Boris Karloff. Wegen ihm ist dieser Film so ikonisch. Er sprüht nur so vor Charme und Romantik!»

Starkes Original, schwache Remakes

Ohne Charakterkopf Boris Karloff wären Universals Monsterfilme der 30er Jahre wohl nie zu Klassikern geworden. Er hat das Bild von Frankenstein und der Mumie für die Ewigkeit geprägt. Über die schrecklich seelenlosen Neuverfilmungen breiten Filmkenner dagegen lieber den Mantel des Schweigens – «The Mummy» aus dem Jahre 1999 ist da leider keine Ausnahme.

Die Mumie breitet ihre Arme zum Fluch aus. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Heute schon jemanden verflucht? Sofia Boutella als die Mumie in Aktion. Universal

Dass die Rechnung an den Kinokassen trotzdem immer wieder aufging, liegt für Regisseur Alex Kurtzman an der Unverwüstlichkeit des Stoffs: «Die Mumie hat als Geschichte überlebt, weil hinter ihr eine grosse Idee steckt. Wir fragen uns ständig, ob es ein Leben nach dem Tod gibt. Generell gehen wir davon aus, dass das Leben endet. Wenn die Mumie aber weiterlebt, haben wir uns geirrt.»

Monster-Recycling im dunklen Universum

Gesegnet, wem solche Plattitüden als Denkanstoss reichen. Für philosophische Höhenflüge fehlt dem Monsterfilm erwartungsgemäss die Luft. Universals «The Mummy» markiert vielmehr den Start einer firmeninternen Recycling-Strategie. Unter dem Label «Dark Universe» werden in den nächsten Jahren weitere Kultfiguren aus der Gruft gehoben.

Die Protagonisten des Dark Universe im Gruppenbild. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Stars des «Dark Universe»: Russell Crowe, Javier Bardem, Tom Cruise, Johnny Depp und Sofia Boutella. Universal

Javier Bardem verkörpert 2019 Frankensteins Monster und Johnny Depp wenig später den Unsichtbaren. Russell Crowe hat als Dr. Jekyll bereits in «The Mummy» seinen ersten Auftritt. Für den Schauspielstar und die neulancierte Filmreihe gilt: Es kann eigentlich nur besser werden.

Kinostart: 8. Juni 2017