Trailerkritik: «Beauty and the Beast»

Filmtrailer sind ein effektives Werbeinstrument, Gesprächsthema im Tram und meinungsbildend, was die Qualität eines noch nicht angelaufenen Films angeht. Deshalb ist es Zeit, sich diese cineastischen Appetitmacher kritisch, mit einem Augenzwinkern, anzuschauen. Diesmal: Beauty and the Beast.

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«Beauty and the Beast»

1:20 min, vom 7.12.2016

Was bekommt man im Trailer zu sehen?

Ein Märchenschloss unter nächtlich-dräuendem Firmament. Leise rieselt der Schnee, dezent perlen Klaviertöne. Langsam schleicht sich die Kamera heran. Wie in Trance führt sie durch die düstere Halle einer einst prachtvollen Behausung der aristokratischen Luxusklasse.

An den Kristalllüstern hängen dekorative Eiszapfen, im weiten Entrée steht verlassen ein Flügel. Unheilvoll dreht das Orchester auf – doch es geschieht nichts.

Mag ja sein, dass vor 300 Jahren hier rauschende Feste gefeiert wurden, jetzt aber macht sich beim Zuschauer bereits gepflegte Langeweile breit.

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Trailer zu «Beauty and the Beast»

1:27 min, vom 6.12.2016

Munkeln im Dunkeln

Weiter geht’s mit der virtuellen Schlossbesichtigung, über Freitreppen hinauf in die erste Etage, wo Kerzen flackern und Spinnweben glitzern, und weiter in die verlassenen Gemächer der einstigen Bewohnerschaft, wo dunkle Holzschnitzereien und schwere Draperien davon künden, dass hier einmal ein einsamer Schlossherr gewohnt haben muss, ganz in seine Geschäfte vertieft, wovon dicke Pergamentrollen und allerlei antike Gerätschaften künden.

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Beauty and the Beast

Beauty and the Beast geht zurück auf das alte französische Volksmärchen La Belle et la Bête – Die Schöne und das Biest. Die Geschichte wurde weltweit x-fach adaptiert, literarisch, auf der Bühne, am Fernsehen und im Animations- wie im Spielfilm. Legendär ist Jean Cocteaus Verfilmung von 1946.

Das ganze Intro bemüht die Atmosphäre einer Vampirstory, der Film scheint selber nicht ganz darauf zu vertrauen, dass die Mär von der Schönen und dem Biest alleine genug Spannungspotenzial abgibt – was unsere Skepsis natürlich steigert.

Ironiefreies Gesülze

Man sucht bereits diskret den Ausgang, doch unbarmherzig zieht uns die Kamera weiter, bis hin zur Ahnengalerie in Öl.

Ein fürstliches Paar in Zobel und Hermelin hat der Maler abgebildet, in der Mitte thront eine blasiert dreinschauende Tochter, die Musik steigert sich tragisch – da plötzlich reisst eine unsichtbare Tatze Risse quer über das gemalte Gesicht der jungen Aristokratin, wir werden in die Schwärze gestossen – und ahnen mit vollem Verständnis: die Schlosskatze muss das Gör doch sehr gehasst haben.

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Trailer in der Kritik

Der augenzwinkernde Blick auf aktuelle Filmtrailer:

Dann knarrt in der Finsternis eine schwere Türe, und im hereinfallenden Licht erkennen wir eine weibliche Gestalt vor dem Eingangsportal. Aus der Schwärze ertönen eine lüsterne und eine grummlige Männerstimme: «Ein Mädchen! – Vielleicht das richtige?» «Hallo!» ruft dieses schüchtern in die Dunkelheit.

Während das Orchester auf die Tonlage eines Liebesdramas einschwenkt, greift die Holde nach einer roten Rose, die symbolschwer vor uns auftaucht. Ja klar, das wird blutige Finger geben - und den ganzen restlichen Schmus dazu, vom Märchen, dass Schönheit jede Hässlichkeit und Liebe jeden Groll überwindet - wenn die Erlöserin jungfräulich und demütig ist. Träum weiter - aber ohne mich.

«Beauty and the Beast» kommt am 30. März in unsere Kinos, der hier besprochene Trailer ist vom 23. Mai 2016.