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Vor 10 Jahren veröffentlicht Pokémon Go: Wo steht der Sommerhype von 2016 heute?

Das Spiel ist nach 10 Jahren noch immer aktuell: Seine Spielerbasis ist kleiner, aber dedizierter geworden.

Von aussen sieht sie etwas merkwürdig aus, die Gruppe junger Menschen, wie sie beisammensteht, alle ein Handy gezückt, manche halten gleich zwei, an diesem warmen Sommerabend im Park in Schlieren.

Tritt man näher, hört man Geplauder und Gelächter. Es sind rund ein Dutzend Männer und Frauen, die meisten zwischen 30 und 40, auch einige Teens sind dabei. Es herrscht gelöste Stammtischstimmung, nur ohne Bier. Das Thema ist das gemeinsame Hobby: Pokémon Go.

Der verrückte Sommer 2016

Begonnen hat alles vor 10 Jahren in einem beispiellosen Hype: Im Sommer 2016 fluteten Pokémon-Fänger zu Hunderten die Strassen und Parks auf der Suche nach einem Pikachu oder Glurak.

Gruppe von Menschen sitzt auf einer Strasse und schaut auf ihre Smartphones.
Legende: Auf dem Casinoplatz Bern sammelt sich im Juli 2016 eine Menschenmenge, um Pokémon Go zu spielen. IMAGO / Manuel Winterberger

Wer nicht selbst mit dabei war, rieb sich die Augen. In den Medien las man Berichte von Menschen, die auf Privatgrund eindrangen, und Warnungen vor Unfällen, wenn man mit den Augen auf dem Bildschirm durch die Gegend läuft.

Drei Monate nach der Veröffentlichung am 6. Juli 2016 war die Pokémon-Go-App 500 Millionen Mal heruntergeladen worden. Nach dem Sommer flaute der erste Hype etwas ab, doch die App blieb beliebt und erhielt mit den Corona-Lockdowns und zusätzlichen Spielinhalten nochmals Aufwind.

Was geblieben ist, ist die kollektive Erinnerung an ein Kulturphänomen sondergleichen: Eine Umfrage in den USA zeigt, dass die Hälfte der unter 55-Jährigen zumindest einmal Pokémon Go gespielt hat.

Pokémon Go heute

Heute ist der Hype lange vorüber, die breite Masse hat sich vom Spiel verabschiedet. Geblieben ist ein harter Kern von Pokémon-Fängerinnen und -Fängern: Schätzungen gehen von 30 bis 100 Millionen weiterhin aktiver Spielerinnen und Spieler aus. Damit bleibt das Game eines der beliebtesten Handygames.

Das Spiel hat sich über die 10 Jahre kontinuierlich weiterentwickelt. Heute ist es deutlich umfangreicher und hat einen starken Community-Fokus.

Wöchentlich erscheinen Pokémon, die man nur zusammen fangen kann, gemeinsam lassen sich Eier schneller ausbrüten und durch Tauschen kommt man besser voran. Koordinieren kann man sich seit einiger Zeit mit einer speziellen App.

Kein Durchburch für «Mixed Reality»

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Zwei Handyscreenshots: Eine Kartenansicht und ein Kampf zwischen einer Schlange und einem Einhorn.
Legende: Niantic veröffentlichte 2019 «Harry Potter – Wizards Unite», stellte es mangels Erfolg jedoch schon Ende 2021 wieder ein. gamerefinery

Pokémon Go sollte der Durchbruch sein für Augmented- oder Mixed-Reality-Spiele: Games (AR/MR), die die echte Umgebung und digitale Spiele miteinander verschmelzen.

Der Durchbruch ist nie gekommen. Einige MR-Games sind seither erschienen, doch keines konnte auch nur annähernd an den Erfolg von Pokémon Go anknüpfen.

Vielerorts, auch in der Schweiz, haben sich Hobbygruppen gefunden, die sich regelmässig zum Spielen treffen. In grösseren Städten sind sie in riesigen Trauben unterwegs, der Grossteil der Gruppen ist kleiner: So auch die Truppe in Schlieren.

Pokémon Go als Hobby

Ein- bis zweimal pro Woche treffen sie sich, um gemeinsam Pokémon zu jagen, sich auszutauschen und einen gemütlichen Feierabend zusammen zu verbringen.

Viele von ihnen haben das Spiel perfektioniert: Sie sind mit zwei Handys unterwegs und wissen genau, wie man am meisten Punkte sammelt, wann welche Belohnung zu haben ist und wo man seltene Pokémon findet.

Kontroverse Datensammlerei

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Sensitive Standortdaten

Beim Pokémon-Go-Spielen nutzt man den eigenen Standort. Diese Daten sind sehr sensitiv, man gibt damit Wohn- und Arbeitsort ebenso preis wie wen man wann besucht, welche Hobbys und Spazierrouten man pflegt und wohin man in die Ferien fährt.

Schaltet man die Kamera ein, kommen Videoaufnahmen aus der Umgebung hinzu, je nachdem sogar im eigenen Heim.

Wohin diese Daten fliessen und wie genau sie geschützt werden, dessen kann man sich nie ganz sicher sein. Verschärft hat sich diese Frage, nachdem letztes Jahr Saudi Arabiens Game-Publisher «Scopely» Pokémon Go gekauft hat.

Daten für Militärdrohnen

Zusätzlich zu den beim normalen Spielen anfallenden Daten konnte man für einige Zeit im Spiel auch bestimmte Objekte – Gebäude, Brunnen, Statuen – für Zusatzpunkte «scannen». Dazu machte man ein Video vom Objekt aus allen Winkeln und sendete es an den Pokémon-Go-Anbieter «Niantic». Was mit diesen Daten geschehen würde, war damals noch unklar.

Mittlerweile weiss man, Niantic hat damit ein KI-Modell trainiert, das eben solche Objekte in der echten Welt erkennen kann. Dieses Modell verkauft Niantic zum Beispiel an Roboter, die Essen austragen, damit sie sich in der Stadt besser zurechtfinden. Dasselbe Modell soll aber auch in Drohnen in Kriegsgebieten zum Einsatz kommen, damit diese auch ohne GPS ihren Standort bestimmen können.

Das zeigt auch die Statistik von Niantic: Im Schnitt kommen Pokémon-Go-Spielerinnen und -Spieler auf 40 Minuten Spielzeit pro Tag, die Hälfte von ihnen spielt täglich. Damit hat das Spiel eine aktivere Basis als die meisten anderen Handygames, und das zahlt sich aus: Seit dem Launch vor 10 Jahren hat Pokémon Go über 8 Milliarden US-Dollar eingenommen, und noch heute gehört es zu den profitabelsten Spielen.

Ein Ende ist denn auch nicht abzusehen: Solange die Fans Spass daran finden, werden wohl neue Pokémon ins Spiel kommen und neue Events organisiert – das nächste Grossereignis, das «Go-Fest», findet dieses Wochenende zur Feier des 10-jährigen Jubiläums statt und dürfte den einen oder anderen Fan wieder zurück ins Spiel ziehen.

Das «Go-Fest»

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Zum 10-Jährigen Jubiläum von Pokémon Go findet ein mehrtägiges Event statt. Am 11. und 12. Juli erscheinen von 10:00 bis 19:00 Uhr besonders seltene Pokémon und es gibt extra viele Belohnungen und spezielle Aufgaben. Viele lokale Gruppen organisieren Treffen. Finden kann man sie via die «Campfire»-App.

Radio SRF 3, 6.7.2026, 9:15 Uhr

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