Der Spaziergang hält die Beine fit, die Jassrunde den Kopf und der anschliessende Kaffee die sozialen Kontakte. Was im Alter aber häufig fehlt, sind neue Erfahrungen und Herausforderungen ausserhalb der alltäglichen Routine. Genau das könnten Videospiele bieten.
Legende:
Nach nur zwei Wochen «Super Mario World» und «Angry Birds» zeigten Probanden in einer Studie verbesserte kognitive Fähigkeiten.
Super Mario World (snes.live)
Die Vorteile von Games sind vielfach belegt, von schnelleren Reaktionszeiten über ein besseres Gedächtnis bis hin zu feinmotorischen Fähigkeiten. Hinzu kommt das Abbauen von Stress, das Stärken sozialer Kontakte und, nicht minder wichtig: ganz viel Spass. Eigentlich ist die Zeit nach der Pensionierung wie gemacht zum Gamen. Doch wie steigen Sie ein?
Das kann Gamen bewirken
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Nicht jedes Spiel fördert dieselben Fähigkeiten – beim Schachspielen beispielsweise trainiert man kaum die Reaktionsgeschwindigkeit. Je nach Spiel kann folgendes verbessert werden:
Das naheliegendste ist das Smartphone oder Tablet. Man hat es immer griffbereit und kennt sich bei der Bedienung schon aus. Doch leider haben viele Handyspiele ihre Tücken. Sogenannte «Gratisgames» nerven mit Werbung und wenden eine Reihe von Tricks an, um die Spielerinnen und Spieler dazu zu bewegen, Geld auszugeben. Sie machen auch eher süchtig. Daher: Wenn es ein Handygame sein soll, dann eines, das von jemandem empfohlen wurde, und im besten Fall eines, das etwas kostet (typischerweise zwei bis fünf Franken).
Besser eignet sich der Computer: Auch hier sind wir mit der Bedienung vertraut. Wenn man sich einmal an das Spielen mit der Maus gewöhnt hat, kann man ganz einfach auf den «Controller» umstellen. Im digitalen Spieleladen «Steam» steht zudem eine endlose Auswahl an Games zur Verfügung.
Welcher Knopf macht was?
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Legende:
Die Fernbedienung beim Gamen nennt man «Controller»
Tanja Eder
Jedes Spiel ist anders – herauszufinden, was möglich ist und wie alles funktioniert, gehört dazu! Einfach mal alle Knöpfe durchprobieren, alles anklicken und die spielerische Neugierde aus der Kindheit wieder aufleben lassen.
Hier trotzdem ein paar Tipps:
Computer
Häufig sind die W, A, S und D Knöpfe oder die Pfeiltasten zum laufen und die Space-Taste zum springen da. Auch die linke und rechte Maustaste lösen meistens etwas aus, manchmal auch das Scrollrad. Auch wichtig: Die «Esc» oder «Escape»-Taste, mit dieser kommt man normalerweise ins Menu.
Controller
Der Controller hat viele Knöpfe plus Joysticks. Am besten man probiert am Anfang des Spiels einfach mal alles durch! Um etwas anzuklicken, analog zur linken Maustaste, drückt man meistens den Knopf mit «A» oder «X». Ins Menu gelangt man üblicherweise mit den kleinen «Settings»- oder «Play»-Knöpfen
Ausserdem: Keine Sorge wenn die Steuerung zu Beginn etwas anstrengend ist. Es ist genau wie beim Autofahren: Bald muss man gar nicht mehr an die Gangschaltung denken.
Wer mit dem Hobby ernst macht, kann in Erwägung ziehen, eine Konsole wie die Switch zuzulegen. Diese kann man am Fernsehen anschliessen und so gemütlich vom Sofa aus spielen. Besonders lohnt es sich, wenn Freunde oder Grosskinder auch eine Switch haben und online zusammen spielen wollen. Vielleicht sind diese auch gerade auf die neue «Switch 2» umgestiegen und würden ihre alte Switch abgeben.
Das Game
Das richtige Game zu finden, ist mindestens so schwer wie das richtige Buch zu finden: Die Auswahl ist riesig und die Geschmäcker sind sehr individuell.
Welches Spiel passt zu mir?
Zuerst einmal sollte man sich seiner Einschränkungen bewusst sein: Auf welcher Plattform spiele ich? Gehen englischsprachige Spiele? Kann ich kleine Schriften lesen? Wie gut bin ich feinmotorisch unterwegs? Am Anfang sollte man auch Spiele ausschliessen, wo man nicht nur die Figur, sondern gleichzeitig auch die Kamera steuern muss.
Es gibt viele Spiele, die explizit dafür gemacht sein, die Gesundheit zu fördern. Bei sogenannten «Exergames» muss man sich beim Spielen bewegen, das soll die Fitness fördern - bei einem Bowling Spiel zum Beispiel, bei dem man so tut, als werfe man die Kugel. Beim «Gehirnjogging» sollen mit Rätseln der Kopf trainiert werden.
Spezielle Games unterstützen zum Beispiel in der Reha, bestimmte Bewegungsabläufe zu üben. Ein anderes, bei dem man zu zweit ein Haus einrichtet, soll Angehörigen von Demenzkranken den Besuch im Heim vereinfachen, Erinnerungen hervorrufen und Gespräche anregen.
Bei diesen «Serious Games» steht der gesundheitliche Effekt im Vordergrund. Bei normalen Spielen gibt es auch positive Nebenwirkungen, im Zentrum steht aber der Spass – dafür wollen wir ja schliesslich überhaupt gesund bleiben.
Als nächstes wählt man die Art des Spiels: Spiele ich gerne alleine oder mit jemandem zusammen? Fahre ich gerne Rennen, löse ich gerne Rätsel, erlebe ich gerne Geschichten, betreue ich gerne einen Bauernhof? Will ich entspannen, intellektuell gefordert werden oder unter Zeitdruck leisten? Und zuletzt entscheidet das Bauchgefühl: Gefällt mir, wie das Spiel aussieht und interessiert mich das Thema?
Der Sparringpartner
Bei den ersten Schritten in der Gamewelt lädt man am besten jemanden zum Kaffee ein, der sich schon auskennt – ob Kind, Grosskind, Freund, Nachbarin. Sie können helfen, das Spiel zu installieren und die Bedienung auszutüfteln.
Auch später hat man vielleicht gerne jemanden dabei – sei es der Ehemann, der vom Sessel aus mitfiebert, oder ein Grosskind, das zu Besuch ist und eine Runde mitspielt: Eine Partie «Mario Kart» ist ein toller Eisbrecher. Es gibt auch viele Games, wo man Freunde in der Onlinewelt treffen kann, und es gibt im Internet Foren, wo Spieler miteinander plaudern – auch explizit für ältere Semester.
Bitte lesen Sie die Packungsbeilagen
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Videospiele sind wie alles im Leben: In Massen zu geniessen.
Stundenlanges sitzen sollte man vermeiden. Auch wenn man ins Spiel versunken ist sollte man Pausen einlegen, die Beine vertreten und Wasser trinken nicht vergessen. Wenn man merkt, dass man kaum mehr mit dem Spiel aufhören kann, dass die Gesundheit, der Haushalt oder die sozialen Kontakte leiden, sollte man eine Pause einlegen.
Erste Studien zeigen jedoch, dass Seniorinnen und Senioren die Risiken recht gut im Griff haben: So habe die körperliche Aktivität laut einer Studie nicht abgenommen, nachdem die Versuchspersonen mit Gamen als Hobby begonnen hatten. Andere Studien zeigten, dass ältere Gamer bessere soziale Kontakte hatten als Nicht-Gamer.