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Daten für Krieg Pokémon-Go-Spieler sollen Daten für Kriegsdrohnen gesammelt haben

Eine Recherche der niederländischen Zeitung Trouw zeigt: Das KI-Modell, das mit Daten von Pokémon-Go-Spielenden trainiert wurde, kommt möglicherweise auch bei Drohnen in Kriegsgebieten zum Einsatz. Digitalredaktorin Tanja Eder ordnet die Berichte ein.

Tanja Eder

Digitalredaktorin bei SRF

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Tanja Eder hat Wirtschafts- und Politikwissenschaften in Zürich und Genf studiert. Seit 2022 ist sie Teil der SRF-Digitalredaktion. Ihre Spezialgebiete sind die ökonomischen, geopolitischen und sozialen Dimensionen der Digitalisierung, die Cybersecurity und Games.  

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Was für eine künstliche Intelligenz wurde mit Daten aus Pokémon Go trainiert?

Das KI-Modell verbindet digitale Darstellungen eines Objekts, zum Beispiel eines Gebäudes oder eines Brunnens, mit der Aufnahme einer Kamera.

Wenn wir Menschen ein Foto von einem Brunnen sehen, erkennen wir ihn in der echten Welt rasch wieder, auch von der Seite und auch bei Regen. Für einen Computer ist das nicht ganz so einfach. Das ermöglicht jetzt das KI-Modell von Niantic Spatial, dem Spin-off des Pokémon-Go-Herstellers Niantic.

Wie wurden diese Daten gesammelt?

Im Spiel gab es einige Jahre die Möglichkeit, bestimmte Objekte – unter anderem Gebäude, Statuen oder Brunnen – in der echten Welt zu «scannen». Dafür richtete man die Handykamera darauf, ging langsam um das Objekt herum und lud die Daten dann hoch. So entstanden pro Objekt Hunderte Bilder aus verschiedenen Winkeln, bei verschiedenen Licht- und Wetterverhältnissen. Insgesamt soll Niantic so rund 30 Milliarden «Scans» gesammelt haben.

Die Spielenden erhielten dafür Belohnungen im Spiel. Diese Aufgabe war jedoch freiwillig und nicht Kern des Spiels. Man wurde auch explizit darauf aufmerksam gemacht, dass so gesammelte Daten in Zukunft für noch unbestimmte Zwecke und Projekte eingesetzt würden – dass auch Militärdrohnen profitieren könnten, war dabei nicht klar, aber auch nicht ausgeschlossen.

Wie kommen die Daten in die Drohnen?

Drohnen wissen vor allem dank GPS, wo sie sind. Sobald das GPS jedoch gestört wird, zum Beispiel durch absichtliches «Jamming» in Kriegsgebieten, braucht es jedoch andere Anhaltspunkte. Mit «VPS», «Visual Positioning Systems», nimmt die Drohne die Umgebung auf und hält nach Anhaltspunkten Ausschau – eben Gebäuden zum Beispiel.

Auch Lieferroboter nutzen das Modell

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Kleiner Lieferroboter mit rosa-orangefarbener Oberfläche auf Gehweg.
Legende: IMAGO / Zoonar

Im März gab Niantic Spatial die Zusammenarbeit mit Coco Robotics bekannt. Deren Lieferroboter tragen Pizzen und Einkäufe in Helsinki und mehreren US‑Städten aus.

Auch in der Stadt ist GPS häufig unzuverlässig, weil so viele andere Signale durch die Luft fliegen. Deswegen haben die Lieferroboter Kameras, mit denen sie Anhaltspunkte aufnehmen und dank des Modells von Niantic Spatial ihren Aufenthaltsort bestimmen können.

Um diese Kameraaufnahmen mit 3D-Modellen abzugleichen, will die US-Verteidigungsfirma Vantor neu das KI-Modell von Niantic Spatial einsetzen. Vantor stellt Software für Drohnen her, auch solche, die im militärischen Kontext verwendet werden. Vantor bekommt dafür von Niantic Spatial nicht direkt die Aufnahmen der Spielerinnen und Spieler, aber möglicherweise das KI-Modell, das unter anderem darauf trainiert wurde. «Möglicherweise» deswegen, weil sowohl Niantic Spatial als auch Vantor das laut «The Guardian» nicht direkt bestätigen.

Sammeln Pokémon-Go-Spielende weiterhin solche Daten?

Niantic hat 2025 seine Spiele-Einheit (Niantic) von jener Einheit getrennt, die Karten und räumliche KI-Modelle vertreibt (Niantic Spatial). Seither sollen keine Daten mehr fliessen. Vor Kurzem wurde die «Scan»-Funktion auch aus dem Spiel entfernt.

Radio SRF 4, 15.6.2026, 16:45 Uhr; wilh

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