Lange bevor er in der Modewelt ein geflügelter Begriff wird, hat sie ihn schon: den «trademark look», ihren charakteristischen Modestil. Mantelkleider in kräftigen Farben mit dazu passendem Hut, Handschuhen, Brosche, Perlenkette und schwarzer Handtasche.
So ist sie auch in der Menge stets gut erkennbar – und kann mit ihrer Handtasche ihrem Personal Signale geben, je nachdem, auf welcher Seite sie diese abstellt oder am Arm hält. Königin Elizabeths «trademark look» steht für Beständigkeit und Vorhersehbarkeit. Er ist das Symbol für Werte, die sie ihr langes Leben lang aufrechterhält.
-
Bild 1 von 4. Queen Elizabeth II. an einer Modeschau der London Fashion Week 2018 – neben Anna Wintour, der damaligen Chefredaktorin der US-Vogue. Bildquelle: Keystone/Yui Mok.
-
Bild 2 von 4. Die knallbunten Farben der Accessoires, insbesondere die der Hüte, sind ein Markenzeichen der Queen. Bildquelle: Reuters/Stefan Wermuth.
-
Bild 3 von 4. Ihr Outfit – insbesondere ihre Hüte – war so ikonisch, dass man «Her Majesty» auch ohne Gesicht sofort erkennt. Bildquelle: IMAGO / i Images.
-
Bild 4 von 4. Bei einem Staatsbesuch in der Schweiz im Jahr 1980 bewies sie Liebe fürs Detail – und zog mit ihrer Robe in den Nationalfarben die Blicke der Besuchenden auf sich. Bildquelle: KEYSTONE/Str.
Der Ursprung dieser Werte ist bei Elizabeths Grossvater zu finden. Schon König George V. vertritt die Überzeugung, dass Bescheidenheit, Demut und Pflichtgefühl die Haltung der britischen Monarchie prägen sollen. Die Privilegien des Königshauses sieht er als Möglichkeit, sie für das Wohl der Bevölkerung einzusetzen.
Wohl auch deshalb wird die britische Monarchie von einer heftigen Krise heimgesucht, als der älteste Sohn Edward VIII. beschliesst, die geschiedene Amerikanerin Wallis Simpson zu heiraten und damit auf die Krone zu verzichten. Neuer König wird Elizabeths Vater. Elizabeth ist damals zehn Jahre alt. Ihre Familie rückt schlagartig noch mehr ins Rampenlicht.
Prinzessin Elizabeth als Medienstar
Allerdings fördert Elizabeths Mutter, die spätere «Queen Mum», die Medienpräsenz ihrer beiden Töchter schon früh. Bereits kurz nach ihrer Geburt am 21. April 1926 ist Elizabeth das wohl bekannteste Baby der Welt. Sie ziert die Titelseiten einiger Magazine und ist später Hauptfigur im Buch «Our Princesses and their Dogs», für das ihre Mutter sogar Fotos aus dem privaten Familienalbum zur Verfügung stellt.
Im gleichen Tempo geht es weiter. Bereits mit 14 Jahren, im Jahr 1940, hält Elizabeth ihre erste Radioansprache. Sie richtet sich an Kinder, die wegen der Luftschlacht um England in sicherere Gebiete zu Gastfamilien geschickt worden sind. In einer gut erhaltenen Archivaufnahme hört man, wie sie allen eine gute Nacht und viel Glück wünscht.
Fünf Jahre später, als junge Erwachsene, zeigt sich Elizabeth von einer ganz anderen Seite. Sie macht eine Ausbildung zur Automechanikerin und lernt, Lastwagen zu fahren. So will sie ihren Teil zum britischen Kriegseinsatz beitragen.
1947 heiratet Prinzessin Elizabeth Prinz Philip von Griechenland und Dänemark. Einige Jahre später weilen die beiden gerade in Kenia, als sie die Nachricht vom Tod von Elizabeths Vater erreicht. Elizabeth, die stets für einen Bruder gebetet hat, der sie und ihre Schwester auf die hinteren Ränge der Thronfolge verweisen würde, wird in die Weltgeschichte katapultiert.
Am 2. Juni 1953 folgt ihre Krönung in der Westminster Abbey. 300 Millionen Menschen verfolgen die Zeremonie, die sie zum Oberhaupt eines Imperiums von Kanada über Indien bis nach Australien macht.
70 Jahre lang wird sie Königin sein. In dieser Zeit nimmt sie oftmals eine Vorreiterrolle ein. Bei Staatsbesuchen ist sie meist die einzige Frau. In Bezug auf die Verteilung von Geschlechterrollen erwartet niemand von ihr, dass sie eine gute Hausfrau ist. Ihr Mann hingegen soll sie in allen Bereichen unterstützen und ausserdem die Erbfolge sicherstellen. Im Verlauf der langen Ehe sagt Prinz Philip dann auch einmal: «Ich bin einfach da.»
Die Königin als Staatsoberhaupt
So kann sich die Königin ihren Aufgaben widmen: Sie ernennt Premierminister, eröffnet das Parlament, unterzeichnet Gesetze. Man darf sie konsultieren und um Rat fragen. Sie hat das Recht auf Information – Queen Elizabeth soll immer bestens informiert gewesen sein –, aber sie muss politisch neutral bleiben.
Umso mehr geben vermeintliche Signale zu reden: Kurz nach dem Brexit-Entscheid erscheint sie 2017 zur Eröffnung des Parlaments in einem blau-gelben Hut, der mit seinen Farben an die EU-Flagge erinnert.
Oder: 2019 trägt die Königin zum Treffen mit dem damaligen US-Präsidenten Donald Trump eine Brosche, die ihr Barack und Michelle Obama geschenkt haben.
Was Queen Elizabeth in ihrer Amtszeit leistet und absolviert, ist rekordverdächtig. Sie erlebt 15 Premierminister, trifft 13 US-amerikanische Präsidenten, besucht 110 Länder und umkreist – rechnet man alle ihre Reisen zusammen – 42 mal die Erde. Dabei folgt sie stets der Maxime ihrer Mutter: «Never complain, never explain» – «Beklag dich nie, erkläre nichts».
Die Königin als Familienoberhaupt
Diesen Schutzschild trägt sie auch, als das Königshaus 1992 nach Elizabeths eigenen Worten ein «annus horribilis», ein schreckliches Jahr, erlebt. Eigentlich soll ihr 40. Thronjubiläum im Vordergrund stehen, aber familiäre Krisen und Skandale überschatten es: Die Ehen ihrer Kinder Charles, Anne und Andrew gehen zu Bruch.
Und nur wenige Jahre später erlebt die Königin, dass ihr Leitspruch nicht für ihre Kinder zu gelten scheint. In einem Fernsehinterview gibt Charles zu, Ehebruch begangen zu haben. Seine Frau, Prinzessin Diana, erzählt öffentlich von ihrer Leidensgeschichte im Königshaus. Die Queen? Sie schweigt.
Kritischen Stimmen ist sie trotzdem ausgesetzt: Man wirft ihr Kälte in ihrer Rolle als Mutter vor. Oder dass sie ihre schützende Hand stets über ihren von Skandalen geprägten Sohn Andrew hält. In ihrer Rolle als Staatsoberhaupt ist sie unter anderem konfrontiert mit der Kritik, die koloniale britische Vergangenheit nicht genug aufgearbeitet zu haben. Ebenso ist die Steuerbefreiung der königlichen Familie immer wieder Thema.
Die Königin als Komödiantin
Distanz wahren, dem Protokoll folgen, sich nichts anmerken lassen – das ist zeitlebens das Motto der Monarchin. Dass sie aber auch eine humorvolle Seite hat, zeigt sich 2012 während der Olympischen Sommerspiele in London: Sie lässt sich von James Bond im Helikopter abholen und springt über dem Olympiastadion mit dem Fallschirm ab. Jedenfalls scheint es so …
Diese schalkhafte Aktion zeigt, wofür Queen Elizabeth auch steht: in der Vermittlung der Gewissheit, dass nach harten Zeiten auch immer wieder bessere Tage kommen.