Zum Inhalt springen

Header

Audio
20 Jahre Expo 02 - was blieb
Aus Treffpunkt vom 11.05.2022.
abspielen. Laufzeit 57 Minuten 29 Sekunden.
Inhalt

20 Jahre Expo.02 Wichtig für unsere Identität – oder nur teures Spektakel?

Die Wolke auf dem Neuenburger See, der rostige Monolith im Murtensee oder die futuristischen Blechbauten in Biel: Die Wahrzeichen der Expo.02 vor 20 Jahren sind noch präsent. Ein Blick zurück – und auf eine mögliche Expo 2027.

Schon 20 Jahre her? In etlichen Köpfen ist die Landesausstellung von 2002 noch präsent. Die spektakulären Ausstellungen in Biel, Murten, Yverdon und Neuenburg, die prägenden Begegnungen in den langen Schlangen davor und natürlich die vier schwimmenden «Arteplages». Die Wortschöpfung für die Landesausstellung brachte Kunst (Art) und Strand (Plages) zusammen.

Das Grossereignis Expo.02 wurde zum Publikumserfolg: Rund fünf Millionen Besucherinnen und Besucher wurden erwartet, es kamen schliesslich doppelt so viele.

Katastrophen-Franz musste retten

Der Erfolg war nicht selbstverständlich. Denn bevor sie begann, sorgte die Expo mit Mehrkosten, Organisationschaos und Managementwechsel für Wirbel. Schliesslich musste sie vom ursprünglich geplanten Jahr 2001 auf 2002 verschoben werden.

Video
Aus dem Archiv: Expo.02 ist eröffnet
Aus Tagesschau vom 14.05.2002.
abspielen. Laufzeit 6 Minuten 6 Sekunden.

Aber dann war es soweit: Am 14. Mai 2002 wurde die sechste Landesausstellung der Schweiz von Bundespräsident Kaspar Villiger in Neuenburg eröffnet.

Landesteile kamen zusammen

Auf den schwimmenden Arteplages in den Städten Biel, Murten, Neuenburg und Yverdon sollten Menschen aus allen Landesteilen zusammenkommen – so hofften die Organisatoren.

Das habe funktioniert, sagt Expo.02-Präsident Franz Steinegger rückblickend: «Man hat andere Schweizerinnen und Schweizer getroffen. Das habe ich festgestellt, wenn ich in der Schlange vor einer Ausstellung stand.» Der ehemalige Urner FDP-Nationalrat musste als «Katastrophen-Franz» das Projekt Expo 1999 retten, als es vor dem Abgrund stand.

Franz Steinegger, Präsident der Expo.02, vor der damaligen Arteplage in Biel.
Legende: Franz Steinegger, Präsident der Expo.02, vor der damaligen Arteplage in Biel. KEYSTONE/Sandro Campardo

Kein Druck und kein Drängeln trotz Massenansturm: Stattdessen habe man miteinander geredet und als Deutschschweizerin auch den Westschweizer etwas gefragt, erinnert sich Steinegger. «Es war eine angenehme Stimmung, an die sich noch viele Leute erinnern.»

Erinnerungen, die bleiben

Mit rund 10 Millionen Eintritten war die Expo.02 ein Erfolg. Sie dauerte rund vier Monate, danach wurden die Ausstellungsbauten abgerissen.

Audio
20 Jahre «Expo.02»: Was ist geblieben?
aus Echo der Zeit vom 13.05.2022.
abspielen. Laufzeit 5 Minuten 27 Sekunden.

Geblieben seien schöne Erinnerungen, sagt ein Besucher von damals. «Das war ein schweizerisches Fest, es gab viele Begegnungen. Alle Kulturen, alle Religionen, alle Denkweisen kamen zusammen.» Auch jene, die die Kosten von 1,3 Milliarden kritisierten, hätten schliesslich zugegeben: «Wir sind einander begegnet und sind zufrieden.»

Für jede Generation eine Expo

Mit dabei war auch die spätere Bundesrätin Doris Leuthard, 2002 war sie noch CVP-Nationalrätin. Das Parlament musste mehrmals zusätzliches Geld sprechen für die Expo.02. Trotzdem macht sich Leuthard heute für eine weitere Landesausstellung stark.

Zwei Männer und eine Frau präsentieren Pläne für eine Landesausstellung 2027.
Legende: Machen sich für eine Landesausstellung 2027 stark: Manuel Herz (Professor Uni Basel), Doris Leuthard (Alt-Bundesrätin) und Pierre de Meuron (Architekt). KEYSTONE/Georgios Kefalas

«Ich glaube einfach, jede Generation braucht etwas, wo die verschiedenen Landesteile zusammenfinden. Wo wir uns um ein Thema kümmern, welches das Land betrifft. Wo man sich austauschen und geistig mit etwas befassen kann», sagt Leuthard.

Video
Aus dem Archiv: Rückblick auf die Expo.02
Aus Tagesschau vom 12.05.2012.
abspielen. Laufzeit 4 Minuten 16 Sekunden.

Das könne nur eine Landesausstellung leisten, ist sie überzeugt. Gegenüber Sport- oder Unterhaltungsfesten habe die Landesausstellung den Anspruch, «etwas Inhaltliches aufzugleisen und aufzurütteln».

Welches Projekt setzt sich durch?

Für eine Landesausstellung 2027 sind noch vier Projekte mit unterschiedlichen Ideen im Rennen. Die Region Nordwestschweiz soll zum Zuge kommen, der Flughafen Dübendorf, die Alpen oder ein Zusammenschluss von zehn Städten.

Audio
Landesaustellung 2027: Wie stehen die Chancen?
aus Rendez-vous vom 10.02.2020.
abspielen. Laufzeit 3 Minuten 58 Sekunden.

Die Machbarkeitsstudien laufen, nun braucht es bald einen Entscheid. «Es braucht viel Vorbereitung, was überhaupt logistisch möglich ist. Auch die Nachhaltigkeit ist heute ein grosses Thema. Es warten alle drauf, bis sich der Bundesrat für ein Projekt entscheidet», sagt Alt-Bundesrätin Doris Leuthard. Sie hofft weiter auf eine Wiederholung des Erfolgs von 2002.

Radio SRF 2 Kultur, Kultur-Aktualität, 13.05.2022, 8:15 Uhr;

Meistgelesene Artikel

Nach links scrollen Nach rechts scrollen

35 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Aktuell sind keine Kommentare unter diesem Artikel mehr möglich.

  • Kommentar von SRF Kultur (SRF)
    Liebe Community, vielen Dank fürs Mitdiskutieren. Wir schliessen die Kommentarspalte an dieser Stelle wieder. Bis zum nächsten Mal!
  • Kommentar von Denise Casagrande  (begulide)
    Die Schweiz und deren Bevölkerung benötigt KEINE "Spektakel" dieser Art!
    Allerdings wäre entsprechende Einsicht und verantwortungsbewusstes, ganzheitliches Denken - Planen - Handeln zur Erhaltung der "Lebensgrundlage" der Bevölkerung, ein absolut positives "Spektakel" der Sinn machenden Art!
  • Kommentar von Marina Zingg  (openyourmind)
    Die Expo 2002 war grandios, genial, humorvoll, überraschend, surreal, mit einem Augenzwinkern. Überall gute Laune, fröhliche Gesichter, anschließend ellenlange Erlebnisse
    austauschend. Diese Show glänzte gerade dadurch, dass nichts vermittelt werden musste
    wie etwa ein « Schweizmythos » oder Berufsausbildung oder andere Themen,
    Berufsbildung, etc.
    Und das alles im Sommer, es war wie eine lange Ferienzeit, ohne schwere Themen, nur für’s Gemüt und die gute Laune.