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88. Autosalon Genf Mehr putzende Männer als posierende Models

Die meisten Hersteller am Autosalon setzen Frauen nicht mehr als Models, sondern als sogenannte «Car-Explainer» ein.

Frau neben Auto
Legende: Mehr Fachfrauen, weniger Models, scheint die Devise am Autosalon zu sein. KEYSTONE/Martial Trezzini

Es wimmelt von Besuchern in den Palexpohallen in Genf. Die verschiedenen Autohersteller präsentieren ihre neusten und futuristischen Modelle. Praktisch gleich viele Frauen wie Männer versuchen die Besucher an den Stand ihrer Marke zu locken: meist mit einem Tablet in der Hand und immer mit einem Lächeln im Gesicht.

«Car-Explainer» statt Models

Die meisten Hersteller setzen Frauen nicht mehr als Models, sondern als sogenannte «Car-Explainer» ein, die kompetent die Vorzüge der Autos erklären. Dieses Jahr ist die Kleiderwahl noch einmal sportlicher geworden.

Sehr viele Frauen tragen Hosen – je nach Automarke – in den verschiedensten Farben. Die Palette reicht von knalligem Grün über glitzerndes Grau bis zu schlichtem Schwarz. Kombiniert mit einer eleganten Bluse oder einem sportlichen T-Shirt. Frauen in Jupes sind mittlerweile in der Minderheit.

Hosenanzug anstatt Mini-Jupe

Der koreanische Hersteller Ssang Yong gehört zu denen, die auf dieses Jahr hin einen der auffälligsten Tenue-Wechsel vorgenommen haben: Letztes Jahr noch trugen die Frauen enganliegende, kurze Kleidchen und Highheels – dieses Jahr sind es Hosenanzüge und Turnschuhe.

Der Stilwechsel habe nicht zuletzt mit der #MeToo-Debatte zu tun, sagt die Managerin, aber auch mit dem sich verändernden Automarkt: «Die ursprüngliche Idee, mit sexy Frauen Aufmerksamkeit zu erwecken, funktioniert nicht mehr wie früher. Denn es interessieren sich längst nicht mehr nur Männer für Autos.»

Dies mag statistisch stimmen. Mindestens am Eröffnungstag zeigt sich in Genf jedoch ein anderes Bild: Es hat kaum Besucherinnen. «Der Autosalon sei nach wie vor eine Männerdomäne», bestätigt ein Herr aus Grenoble diesen Eindruck.

Männer diskutieren neben einem Auto
Legende: Immer noch eine Männerdomäne: Besucher am Autosalon in Genf. KEYSTONE/Martial Trezzin

Wo sind die Models?

Praktisch ganz fehlen in Genf dieses Jahr Models, die nicht informieren, sondern nur posieren. Und einst das Bild des Autosalons prägten. Nach langer Suche wird man beim Stand des italienischen Technologieherstellers Selenia Petronas fündig.

Zwei Models lassen sich für ein Selfie nach dem andern ablichten. Geduldig, leicht gelangweilt und immer lächelnd. Ist das noch zeitgemäss? Ja erklärt sich der Manager, denn man wolle zeigen, dass Technik ohne Menschen nicht funktionieren würde. Bewusst sei die Wahl von langen schwarzen Abendkleidern, denn die Frauen sollen Eleganz und Klasse verkörpern und nicht Sexyness.

Zwei Frauen in langen Abendkleidern posieren vor einem Auto.
Legende: Frauen sollen dieses Jahr am Autosalon Eleganz und Klasse verkörpern – nicht Sexyness. SRF/Barbara Colpi

Viele Besucher hätten allerdings nichts dagegen, wenn nach wie vor mehr freizügige Models am Autsalon präsent wären. Auch wenn sie stets betonen in erster Linie wegen der Autos hier zu sein. Zwei ältere Italiener seufzen und fragen verzweifelt, wo denn all die Frauen geblieben seien.

Putzen ist Männersache

Ein Umdenken scheint bei manchen Besuchern also noch nicht stattgefunden zu haben. Das ändert nichts an der Tatsache, dass sich der Autosalon in einem neuen Kleid zeigt. Mittlerweile gibt es sogar mehr putzende Männer mit Staubwedeln als posierende Models in Highheels.

Ein Mann putzt neben einem Luxusauto den Boden.
Legende: Am diesjährigen Autosalon sieht man ausschliesslich Männer putzen. SRF/Barbara Colpi

Ja, man sieht ausschliesslich Männer, die umgehend jeden Fingerabdruck und jedes Staubkorn von den Autos entfernen und jeden Schuhabdruck auf den spiegelnden Bodenflächen schleunigst wegwischen.

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