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Legende: Audio Die enteigneten Juden: Ein unbekanntes Kapitel der italienischen Geschichte abspielen. Laufzeit 04:44 Minuten.
04:44 min, aus Kultur-Aktualität vom 19.12.2018.
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Antisemitismus Italiens Raubzug gegen die Juden

Systematische Enteignung: Das Buch «1938, l'Italia razzista» zeigt, wie das Mussolini-Italien gegen die jüdische Bevölkerung vorging.

Bis 1938 lebten Italiens Juden im Duce-Reich unbehelligt. Untersuchungen zeigen, dass eine Mehrheit von ihnen politisch konservativ war und nicht viel gegen Benito Mussolini einzuwenden hatte.

Umso schockierender empfanden sie die Einführung der Rassengesetze 1938. Ein Akt Mussolinis, um Adolf Hitler zu gefallen.

Keine antisemitische Tradition

Die Einführung der Rassengesetze traf nicht nur Italiens Juden, sondern auch viele Italiener und überzeugte Faschisten. Anders als in anderen europäischen Ländern finden sich in der italienischen Geschichte keine lebensgefährlichen antisemitischen Radikalismen, die anderswo zu tödlichen Pogromen führten.

Benito Mussolini
Legende: Erliess 1938 die «Rassengesetze», um Hitler zu gefallen: Benito Mussolini in Mailand. imago/Leemage

Auch wenn für die Päpste die Juden Christusmörder waren und in Ghettos leben mussten: Im Staat der Päpste hatten sie nie um Leib und Leben zu fürchten. Im Gegenteil. Italiens weltliche und kirchliche Herrscher förderten oft ein relativ konfliktfreies Zusammenleben.

Mussolinis Bruch

Mussolini brach mit dieser spezifisch nicht-antisemitischen Tradition Italiens. Dass ein Gutteil seiner faschistischen Kader schon vor 1938 einen Umgang mit den Juden wie im nationalsozialistischen Deutschland befürwortete, nahmen die meisten der Juden nicht besonders ernst.

Umso überraschender trafen sie die Folgen der Rassengesetze. Juden durften fort weder ein Radio noch Haustiere besitzen und mussten alle öffentlichen Ämter aufgeben.

Enteignet und beraubt

Sie wurden systematisch vom Regime ihres Hab und Guts beraubt. Der italienische Journalist Fabio Isman weist in seinem neuen Buch «1938, Italia razzista» nach, wie gründlich das Regime den Juden Immobilien, Autos, Schmuck, Kunstwerke und rituelle Kulturgüter wegnahm – mit dafür verfassten Gesetze und durch Raub und Erpressung.

Italien, 1983: Eine Frau steht vor einem Laden. Auf dem Schaufenster hängt ein Schild. Darauf steht «Dieser Laden ist arisch».
Legende: «Dieser Laden ist arisch»: Die Folgen der Rassengesetze überraschten viele Juden in Italien. Wikimedia Commons

Isman beschreibt, in umfassender Weise und wie das bisher in Italien noch nicht geschehen ist: Dass der Umgang mit den Juden auch in der Nachkriegszeit nicht gerade besser wurde.

Eine generelle Politik der Entschädigung von Juden gibt es in Italien bis heute nicht. Wollten Juden nach 1945 ihre enteigneten oder geraubten Güter wieder zurückhaben, mussten sie jahrelang darum prozessieren und hohe Gebühren zahlen.

Buchhinweis

Fabio Isman: «1938, l'Italia razzista», Il Mulino, 2018.

Weder Entschuldigung noch Entschädigung

Fabio Isman klagt ganz offen das Verhalten der italienischen Nachkriegsregierungen zu diesem Thema an. Auch wenn inzwischen viele jüdische Überlebende und Nachkommen einen Teil ihres Eigentums zurückerhalten haben, sind ebenso viele leer ausgegangen.

Ein junger Mann klebt Plakate auf das Fenster einer Buchhandlung in Rom, um das Treffen zwischen Mussolini und Hitler in München zu feiern.
Legende: Buchhandlung in Rom: Ein Junge klebt Plakate, um das Treffen zwischen Mussolini und Hitler zu feiern. imago/Leemage

Privatleute wie jüdische Gemeinden, die es sich erlauben können, suchen deshalb ihre gestohlenen und seitdem verschwundenen Kulturgegenstände und Kunstwerke auf eigene Faust.

Vor allem auf dem internationalen Kunstmarkt. Dort tauchen immer wieder Objekte auf, die man Italiens Juden nach 1938 wegnahm.

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