Schon als Jugendlicher habe er «die Meere, und vor allem das, was da drin liegt», als «enorm spannend» empfunden, sagt Florian Huber, 50-jährig. Sein Beruf: Unterwasserarchäologe. Ob Karibik, Schwarzes Meer oder Atlantik – Huber ist rund um den Globus tätig.
Er ist Mitbesitzer der Firma «Submaris». Sie ist auf Forschungs-Taucheinsätze spezialisiert und hat ihren Sitz im deutschen Kiel – dem Mekka der deutschen Unterwasserarchäologie. Huber taucht im Auftrag von Forschungseinrichtungen, NGOs oder Medien.
500 Jahre alter Safran
Eben erst ist Florian Huber von Tauchgängen in der Ostsee zurückgekehrt. Es ging zur «Gribshunden» hinunter, einem dänischen Kriegsschiff, das 1495 vor der Küste Schwedens sank – und sich gut erhalten hat: «Das Holz der Schiffsplanken, persönliche Gegenstände, sogar Gewürze – alles da.»
Man taucht runter, trifft die Vergangenheit und bringt sie nach oben.
«Da ist Safran an Bord», und wenn man das Pulver nach dem Auftauchen probiere, «schmecke es noch immer wie Safran», erklärt Huber. Dank dem Luftabschluss verrottet organisches Material kaum. Das Meer wirkt als Kühlschrank.
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Bild 1 von 1. Hinab ins dunkle Nass: Das Tauchboot «Jago». Ausgestattet mit Saugarm und Greifrohr kann es selbst fragilste Objekte beproben. 1994 wurde «Jago» zur Bergung einer verunglückten Cessna im Bodensee aus 159 Metern Tiefe eingesetzt. Bildquelle: Uli Kunz.
«Die Zeit bleibt stehen da unten», sagt Huber. Und das sei das Faszinierende an seinem Job: «Man taucht runter, trifft die Vergangenheit und bringt sie nach oben.»
Und kann etwa den Beweis liefern, dass auch in Nordeuropa bereits im 15. Jahrhundert Safran im Umlauf war. Erkenntnisse wie diese können wichtige Puzzlesteine darstellen bei der Lösung historischer Rätsel.
Zwischen Lust und Vorsicht
Das Forschen in der Schwerelosigkeit und im dreidimensionalen Raum unter Wasser «macht Spass», sagt Huber. Aber: Man sei «da unten, um zu arbeiten». Gefordert sei «volle Konzentration», denn das Tauchen sei «immer lebensgefährlich».
Immer wieder erstaune ihn, dass die Menschheit hochaufgelöste Bilder vom Mond oder vom Mars besitze. Der Boden der Ozeane sei noch kaum erforscht, nur gerade 0.001 Prozent. Dies entspricht etwa der Fläche Kantons Tessin. Forschung unter Wasser ist einfach aufwändig und teuer.
Ganz hinunter
Insbesondere gilt das in den tieferen Tiefen, wo Taucherinnen und Taucher nicht mehr hinkommen – in Tiefen ab etwa 80 Metern. Bei der Tiefseearchäologie kommt technisches Gerät zum Einsatz, Roboter die über dünne Kabel gesteuert werden und Videoaufnahmen nach oben auf einen Monitor senden.
Wenn es dann wirklich tief geht, auf tausende von Metern, braucht es U-Boote, bemannte oder unbemannte. Sie ermöglichen Vorstösse zu antiken Schiffswracks im Tyrrhenischen Meer, zu spanischen Galeonen des Entdeckungszeitalters, zu sagenumwobenen Riesen wie der «Titanic».
Diese Tiefseearchäologie hat in den letzten Jahren gewaltige Sprünge gemacht. Kamerasysteme der neusten Generation erstellen hochaufgelöste Bilder von Wracks, die sich zu dreidimensionalen Modellen zusammensetzen lassen.
Doch die Tauchgänge bleiben aufwändig. Und riskant. Noch in Erinnerung ist die gescheiterte Expedition von 2023 mit einem bemannten U-Boot zur «Titanic» auf 3'800 Metern Tiefe. Das Boot implodierte. Alle fünf Insassen verloren ihr Leben.
Die Unterwasserwelt sei menschenfeindlich, aber sie sei auch «wunderschön», sagt Florian Huber. Diese Schönheit sei durch menschlichen Raubbau an der Unterwassernatur jedoch gefährdet. Wenn sie erhalten bleiben soll, «müssen wir zu einem anderen Umgang mit dem Planeten finden».