Was ist passiert? Memes: Die meist kurzen Videos oder Bilder sind ein Internetphänomen und verbreiten sich viral im Netz. Als eines der bekanntesten Schweizer Vertreter des Genres gilt das Meme «Richi»: Es zeigt einen kleinen Jungen, der aus einem Bagger fällt, gefolgt von einem markanten Ausruf seines Vaters. Das Meme wird kommerziell genutzt, zudem gibt es einen Song über den Bagger-Vorfall. Nun wehrte sich die im Meme zu sehende Familie gegen die Nutzung. «20 Minuten» hatte berichtet.
Worum geht es genau in dem Meme? Die Schweizer Familie Schönbächler wanderte im Jahr 2010 nach Kanada aus. In der SRF-Doku «Auf und davon» wird sie in ihrer neuen Heimat begleitet. In einer Folge der Serie ist der damals fünfjährige Sohn der Familie, Richi, zu sehen: Er fällt aus einem Bagger, worauf sein Vater ruft: «Richiii! I ha gseit, du söusch di guet häbe!». Der Clip wird zum Meme, die Szene geht viral – und hat auf Youtube in verschiedenen Varianten deutlich über eine Million Klicks.
Wie kam es zur aktuellen Kontroverse? Das Meme wurde in den vergangenen Jahren vielfältig kommerzialisiert: Es entwickelten sich Merchandise-Produkte wie Socken, Bügelbilder und auch ein Kinderbuch. Zudem veröffentlichte die Schweizer Band Stubete Gäng 2022 einen Song namens «Richi». Das Lied greift das Bagger-Thema des Memes auf und verwendet einen Sound-Schnipsel mit dem Ausruf von Vater Hermann Schönbächler. Im März diesen Jahres wehrte sich Familie Schönbächler nun gegen die vielfältige Nutzung und beklagte ihre fehlende Zustimmung.
Was genau beanstandet die Familie? In einem Facebook-Post erklärte Familie Schönbächler, dass sie «zum Schutz der Privatsphäre» ihrer Kinder seit mehreren Jahren probiert hätte, sich von den Medien möglichst fernzuhalten. Trotzdem seien sie weiterhin in der Öffentlichkeit erwähnt worden. Weiter beklagen die Schönbächlers, dass die Produktion und der Vertrieb der «Fanartikel» zu ihrer Familie ohne ihr Wissen und Einverständnis erfolgten. Der Song der Stubete Gäng würde ebenso ohne Erlaubnis die Stimme und Zitate des Familienvaters verwenden. Die Familie bezeichnet das Lied weiter als «absoluten Höhepunkt der Respektlosigkeit». Hinzu käme, dass der Song auch als Goalsong in Hockeystadien gespielt werde, was seine Popularität weiter steigere. Tatsächlich wurde das Lied 2024 zur offiziellen Torhymne der Schweizer Eishockey-Nationalmannschaft bei der Weltmeisterschaft in Prag.
Was passierte nach der Einrede der Familie? Nach Medienberichten hat der Schweizer Eishockeyverband im März entschieden, «Richi» als Torhymne abzusetzen. Der Merchandise-Hersteller Swissmeme führt die «Richi»-Artikel weiter und verwies laut «20 Minuten» auf eine Klärung mit SRF. SRF teilte dazu mit, dass die für eine Lizenzierung der betreffenden Ausschnitte erforderlichen Rechte nur partiell bei SRF liegen. Entscheidend seien die Persönlichkeitsrechte – und diese lägen bei den jeweiligen Personen. Die Stubete Gäng hat am Donnerstag auf die Kritik der Familie reagiert – und will die aktuelle Version des Songs durch eine ohne Hermann Schönbächlers Stimme ersetzen.