Berliner Rapper provoziert einen Homophobie-Shitstorm

Das Albumcover des Berliner Rappers Bass Sultan Hengzt hat einen Shitstorm ausgelöst. Es zeigt zwei junge Männer, kurz vor einem intimen Kuss. Homosexualität und Rap passen für viele offenbar immer noch nicht zusammen. Pablo Vögtli, selber Rapper und Moderator bei SRF Virus, erklärt warum.

Rapper Bass Sultan Hengzt Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Rapper Bass Sultan Hengzt verliert Facebook- und Twitter-Follower. Der Grund: sein neues Album-Cover. sultanhengzt.de

Setzt der Rapper Bass Sultan Hengzt mit seinem Cover ein Zeichen gegen Homophobie oder handelt es sich um einen cleveren Marketingtrick?

Pablo Vögtli: Es ist eher ein cleverer Marketingtrick, weil er so viel Aufmerksamkeit erhält. Und ihm wird selber nachgesagt – von seinen Hassern – dass er schwul sei, deswegen kokettiert er damit.

Er ist tatsächlich am kokettieren: «I love haters» heisst sein Albumteaser. So macht sich Bass Sultan Hengzt also lustig über diese Negativkommentare. Hat der Rapper denn tatsächlich so viele «Haters»?

Ja, hat er definitiv. Fast alle Rapper polarisieren ja auf irgendeine Art und Weise – und Rap und Hiphop ist eine Kultur, die sehr viel meinungsstarke Menschen anzieht. Jeder hat das Gefühl, dass er weiss wie's gehen soll, wie das «Game» funktioniert. Und deswegen: Jeder Rapper hat viele Hasser.

Ist die Rapszene tatsächlich so homophob?

Ja und nein. Zum einen gab es ja Frank Ocean, aus den Vereinigten Staaten: Er war der erste aus dem Urban-Bereich, der sich als bisexuell geoutet hat. Zum anderen schlummert die Homophobie doch in gewissen Kreisen. Es ist immer noch vorhanden, aber versteckt.

Die Fans scheinen wirklich sehr aufgeregt zu reagieren auf dieses homoerotische Bild.

Es ist natürlich so, dass sich diese Fans nicht vor Bass Sultan Hengzt hinstellen und sagen: «Hey du bist schwul». Sie hassen aus der bequemen Sicherheit des semi-anonymen Internets. Ich denke, die Homophobie ist eine der letzten Bastionen der Diskriminierung, die sich Menschen noch erlauben. Man kann nicht mehr rassistisch sein, Homophobie wird jedoch halbwegs toleriert in der Gesellschaft.

Meinen Sie in der Rapperszene oder in der Gesellschaft ganz allgemein?

Beides. Wenn man eine Umfrage in Zürich machen würde und 100 Menschen fragen würde: «Haben Sie etwas gegen Schwule?», würden 99 sagen: «nein». Aber wenn diese zu Hause eine anonyme Umfrage ausfüllen würden, wäre der Prozentsatz sicher höher.

Es gibt auch andere Stimmen in der deutschen Rapszene. Rapper Elmo äussert sich zum Beispiel gegen die Diskriminierung von Homosexuellen. Er setzt sich als Ausländer mit Homosexuellen gleich – oder fühlt sich ihnen nahe. Hat sich Bass Sultan Hengzt auch schon früher stark gemacht für Schwule?

Meines Wissens nicht. Im Hiphop ist es üblich, seinen Gegnern Schwäche vorzuwerfen. Dazu wird oft das Wort «schwul» benutzt – um zu zeigen, dass jemand schwach oder weiblich ist. Bass Sultan Hengzt hat das in seinen älteren Songs oft gemacht. Kürzlich sagte er aber in einem Interview, dass er jetzt Kinder hat und sinnvollere Texte schreiben will. Dass er sich speziell für Schwule stark macht, ist mir nicht aufgefallen.

Also doch ein Marketing-Gag?

Oder vielleicht einfach eine Provokation. Die natürlich meistens wie gutes Marketing funktioniert.

Es scheint gut zu funktionieren. Andere Rapper springen auch auf den Zug auf, posten ebenfalls Bilder von sich kurz vor dem Kuss. Auch von politischer Seite in Deutschland kommen aufmunternde Reaktionen. Kann diese Debatte über Homophobie etwas verändern?

Definitiv kann sie das. Es gibt mittlerweile sogar eine «Queer-Rapszene», eine schwule Rapszene – vor allem in den USA und in England. In Deutschland hat sich meines Wissens noch kein Rapper geoutet. Aber das hat schon ganz viel verändert. Man kann heute die Hiphop-Szene nicht mehr als schwulenfeindlich generalisieren. Ob es jedoch grundlegende Veränderungen in den Meinungen der Fans geben wird, das kann man noch nicht sagen. Aber man kann hoffen.

Sendung: Kultur Kompakt, 26. Februar 2015, 17:40 Uhr.