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Big Data bei der Wohnungssuche «Der beste Schutz ist immer noch, die Daten gar nicht anzugeben»

Was geschieht mit den Daten, die wir bei «ImmoScout 24» eingeben? «ImmoScout 24»-Datenanalytiker Andreas von Ballmoos gibt Auskunft.

Legende: Audio Was macht ein Datenanalyst? abspielen. Laufzeit 03:39 Minuten.
03:39 min, aus Kultur-Aktualität vom 21.11.2018.

Andreas von Ballmoos erscheint im feinen Anzug. Eben hat er an der Universität Bern eine Gastvorlesung über Big Data gehalten. Ein Thema, das ihn als «Head of Business Intelligence» bei der Online-Plattform «ImmoScout 24» täglich beschäftigt.

«Auf unsere Marktplätzen fallen viele Daten an»

«Business Intelligence» heisst: Daten sammeln, speichern und auswerten. Daten hat das Unternehmen «Scout 24 Schweiz» einige: Von rund drei Milliarden Datenwerten spricht Andreas von Ballmoos. Mit Datenkraken wie Facebook oder Google sei das jedoch nicht vergleichbar.

«Auf unseren Marktplätzen fallen vielen Daten an. Der grösste Teil davon sind anonymisierte Daten: technische Trackings, die auf ein Gerät schliessen lassen, aber nicht auf die Person», so von Ballmoos.

Daten machen Vergleiche möglich

Doch auch anonyme Daten können sehr interessant sein, nicht nur für «ImmoScout» selbst. Andreas von Ballmoos und sein Team erhalten regelmässig Anfragen von Inserenten, Hauseigentümern, aber auch von Journalisten.

«Wir können zum Beispiel vergleichen, wie teuer eine durchschnittliche Wohnung in Basel, Bern oder Zürich ist, und wie sich die Preise entwickeln», sagt er.

Trockene Arbeit – von wegen!

Ähnlich wie auch beim Online-Automobilmarkt, wo sich etwa die beliebteste Autofarbe des Jahres erkennen lässt, kann man so Trends erkennen. Ballmoos’ Team ist dafür jedoch nicht in erster Linie zuständig: «Wir stellen die Daten zur Verfügung. Die Interpretation ist oft eine ganze andere Geschichte.»

Legende: Video Gut zu wissen: Die Grossen im Digitalgeschäft abspielen. Laufzeit 02:04 Minuten.
Aus Kultur vom 21.11.2018.

Unspektakulär, ja sogar etwas trocken wirkt die Arbeit von Andreas von Ballmoos, wenn er darüber spricht. Spannend findet er sie trotzdem.

Von Ballmoos sagt: «Das Interessante an meiner Arbeit ist, dass wir aus Daten Neues schaffen können. Wir können neue Dienstleistungen aufbauen und den Suchenden helfen, schneller zu ihren Verkäufern zu finden.»

Die meisten Daten sind anonymisiert

Genau hier liegt aber ein heikler Punkt: Wer auf «ImmoScout24» eine Wohnung oder ein Haus sucht, hinterlässt womöglich personenbezogene Daten.

Wie geht von Ballmoos damit um? «Personenbezogen Daten haben wir nur sehr wenige. Die Benutzer unserer Plattform können zum einem grossen Teil die Dienstleistung anonymisiert nutzen.»

Nutzer, die freizügig Daten preisgeben, beobachte er kaum. «Es ist so, dass wir die personenbezogenen Daten nicht weiter auswerten. Wir brauchen sie nur, um zum Beispiel den Verkäufer zu kontaktieren.»

Viele Daten mit grossem Potenzial

Die Zurückhaltung ist nicht selbstverständlich. Denn «Scout 24» gehört zur einen Hälfte dem Medienkonzern Ringier, zur anderen Hälfte der Versicherung «Mobiliar». Und letztere wäre doch sicher daran interessiert, die eine oder andere Hauseigentümer-Versicherung verkaufen.

«Bis heute sind keine Daten ausgetauscht worden. Das Interesse ist grundsätzlich vorhanden. Aber beide Seiten sind zurückhaltend. Die Teams tauschen aber Ideen und Überlegungen aus – auf wissenschaftlicher Ebene», so von Ballmoos.

Ein ungerechtfertigtes Unbehagen?

Doch gibt es ein diffuses Unbehagen, wenn es ums Datensammeln geht. Für Andreas von Ballmoos ist das ein falscher Reflex.

Legende: Video Opendata: Die eigenen Daten wieder selber kontrollieren abspielen. Laufzeit 04:24 Minuten.
Aus Kultur vom 21.11.2018.

«Mit der neuen Gesetzgebung in der EU seit Mitte 2018 hat man rechtliche Mittel in der Hand, um seine Daten einzusehen und sie zu löschen. Der beste Schutz ist aber immer noch, die Daten gar nicht preiszugeben.» Dort, wo es denn möglich ist.

2 Kommentare

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  • Kommentar von Jean-Philippe Ducrey (Jean-Philippe Ducrey)
    Interessant so ein Artikel... insbesondere wenn genau die Regierung des Landes alles daran setzt, mittels elektronischer Autovignetten und ÖV-Swiss-Pass (beides aus dem Hause Doris Leuthard) möglichst viel Bewegungsdaten der steuerzahlenden Bevölkerung zu generieren. um diese gegebenenfalls mittels dem grössten Datenhändler der Schweiz, nämlich der Swisscom (auch aus dem Hause Doris Leuthard) lukrativ zu verkaufen. Dagegen sind die Immo-Datensammler Fliegendreck.
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    1. Antwort von Alex Volkart (Lex18)
      An Herr Ducrey: Ich bin kein grosser Fan von Frau Leuthard. Aber so wie ich ihren Kommentar verstehe deuten sie an dass Frau Leuthard alles daran setzt um möglichst viele Daten von Schweizer Bürgern zu erhalten. Dies wird wohl kaum stimmen. Wenn ein Schweizer Bürger nicht will, dass über Ihn Daten gesammelt werden gibt es Wege dies zu einem bestimmten Grad zu verhindern. Z.B. Überlegen was und wie viel man wirklich preisgeben will. Z.B. eine Wohnung finden kann man auch ohne Internet.
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