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Dok-Serie «Geboren am ...» Das war 1963: Seegfrörni, Martin Luther King und Kennedy

Wer 1963 zur Welt kam, wurde in ein Jahr hineingeboren, das zerrissen war zwischen Attentaten, atomarer Bedrohung und Heile-Welt-Schlagern.

Legende: Video Jahresrückblick (Schweizer Filmwochenschau, 27.12.1963) abspielen. Laufzeit 5:48 Minuten.
Aus Kultur vom 12.04.2017.

Das Wichtigste in Kürze:

  • Die Zeichen stehen auf Entspannung im Kalten Krieg. Erstmals sprechen die Machtblöcke über atomare Abrüstung.
  • Die Bürgerrechtsbewegung setzt mit dem «March on Washington» ein eindrückliches Zeichen gegen die Diskriminierung afroamerikanischer Bürgerinnen und Bürger.
  • US-Präsident John F. Kennedy wird in Dallas erschossen. Vize-Präsident Lyndon B. Johnson übernimmt das Präsidentenamt.

Trotz der Kältewelle zu Beginn des Jahres 1963, stehen die Zeichen im Kalten Krieg auf Tauwetter. Nach der Kuba-Krise, Link öffnet in einem neuen Fenster des Vorjahres, realisieren der sowjetische Regierungschef Chruschtschow und US-Präsident Kennedy, dass es wohl kein zweites Mal so glimpflich ausgehen wird.

Chruschtschow ist tief beeindruckt von Kennedys Rede «Strategy of , Link öffnet in einem neuen FensterPeace», Link öffnet in einem neuen Fenster. Amerikaner und Russen nähern sich an: Eine direkte Telefonleitung wird eingerichtet und im Sommer handeln die UdSSR, die USA und Grossbritannien eine Einschränkung für Nuklearwaffentests aus.

Zwischen Friedensbewegung und atomarer Bedrohung

Bob Dylan veröffentlicht sein zweites Album «Free Wheelin‘ Bob Dylan». «Blowin' in the Wind», Link öffnet in einem neuen Fenster, der erste Song des Albums, wird zu einem der bekanntesten und am meisten gecoverten Songs des späteren Literaturnobelpreisträgers.

Anders als bei seinem Debüt «Bob Dylan» sind die meisten Texte und Kompositionen aus seiner Feder und die Texte befasst sich mit gesellschaftspolitischen Themen, wie der Bürgerrechtsbewegung in den USA oder der düsteren Bedrohung eines Atom-Krieges.

Die Schweizer Bevölkerung muss sich 1963 ebenfalls Gedanken zu Kernwaffen machen. Eine Initiative verlangt, dass die Stimmbevölkerung das letzte Wort hat, ob sich die Schweizer Armee atomar bewaffnet.

Die Vorlage wird deutlich mit über 62 Prozent der Stimmen abgelehnt. Die Schweiz gibt ihr Atomwaffen-Programm aber erst 1988 definitiv auf.

Neue Staaten entstehen – alte verschwinden

Während die neuen Weltmächte USA und UdSSR versuchen, eine friedliche Koexistenz zu etablieren, zerfallen die Kolonialreiche von England und Frankreich.

Im Laufe der Dekolonialisierung erlangen nach dem Zweiten Weltkrieg zahlreiche Staaten in Mittel- und Südamerika, Afrika und Asien ihre Unabhängigkeit.

1963 erlangt Kenia seine Eigenständigkeit und Singapur, Sarawak, Sabah und die Föderation Malaya schliessen sich zur Union Malaysia zusammen. Singapur verlässt nach knapp zwei Jahren 1965 die Union wieder.

Am 28. August 1963 hält Martin Luther King vor dem Lincoln Memorial in Washington seine berühmte «I Have a Dream»-Rede.
Legende: Am 28. August 1963 hält Martin Luther King in Washington seine berühmte «I Have a Dream»-Rede. Keystone

Von Träumen und Alpträumen

Das «Time Magazin» wählt Martin Luther King zur Person des Jahres 1963. Die Bürgerrechtsbewegung mobilisiert Ende August 200'000 bis 300'000 Menschen für den «March on Washington». Vor dem Lincoln Memorial hält King seine historische «I have a dream»-Rede.

Knapp ein Jahr nach dem Marsch beschliesst der US-Kongress den «Civil Rights Act» von 1964. Federführend beim neuen Gesetz ist John F. Kennedy, der die Umsetzung jedoch nicht mehr miterlebt. Ende des Jahres kommt der grosse Schock: JFK wird in Dallas erschossen. Die Ergebnisse der Warren Commision, welche die Ermordung des Präsidenten untersuchen, werden bis heute von vielen Menschen angezweifelt und es ranken sich unzählige Theorien um den gewaltsamen Tod Kennedys.

Das waren die Oscars 1963

Szenenfoto «Lawrence of Arabia»
Legende: «Lawrence of Arabia» wird 1963 bei der Oscarverleihung als bester Film ausgezeichnet. Keystone

Stahlblaue Augen überblicken die Dünenlandschaft der syrischen Wüste, das Kopftuch schützt den Engländer vor der ungnädigen Sonne Vorderasiens: «Lawrence of Arabia», Link öffnet in einem neuen Fenster wird bei den Oscars als bester Film ausgezeichnet und erhält sechs weitere Goldstatuen, unter anderem für die beste Regie. Peter O'Toole wird in die A-Liga der Schauspielstars katapultiert.

Für den Oscar als bester Hauptdarsteller reichte es für den Iren trotz Nominierung nicht. Dieser geht an Gregory Peck für seine Rolle als Atticus Finch in «To Kill a Mockingbird», Link öffnet in einem neuen Fenster. Anne Bancroft, Link öffnet in einem neuen Fenster überzeugt als Helen Kellers Lehrerin Anne Sullivan im Film «The Miracle Worker», Link öffnet in einem neuen Fenster und wird als beste Hauptdarstellerin ausgezeichnet.

Das lief in der Hitparade

Freddy Quinn 1963 bei einem Auftritt in der Schweiz.
Legende: Freddy Quinn 1963 bei einem Auftritt in der Schweiz. Keystone

Die Hitparade ist 1963 geprägt vom Schlager. Freddy Quinn liefert mit seiner Heimweh-Schmonzette «Junge komm bald wieder», Link öffnet in einem neuen Fenster einen Hit, der drei Monate die Charts anführt und in der Jahreshitparade auf Platz zwei landet.

Den Sommerhit des Jahres und die meistverkaufte Single lieferte Manuela mit «Schuld war nur der Bossa Nova», Link öffnet in einem neuen Fenster. Der Song wurde vom Bayrischen Rundfunk wegen folgender Passage indiziert:

Als die kleine Jane grade 18 war, Führte sie der Jim in die Dancing Bar. Doch am nächsten Tag fragte die Mama Kind warum warst du erst heut Morgen da.
Autor: Schuld war nur der Bossa Nova

Der italienische Schmusebarde Rocco Granata schafft mit dem Song «Buona notte», Link öffnet in einem neuen Fenster in der Jahresendabrechnung Platz drei, Gitte Hænnings gesungener Wunsch «Ich will ´nen Cowboy als Mann», Link öffnet in einem neuen Fenster ist Nummer vier und Renate und Werner Leismanns Hit «Gaucho Mexicano», Link öffnet in einem neuen Fenster landet auf Platz fünf.

Der Skandal des Jahres

Demonstranten bei Nacht
Legende: Der «Stellvertreter» von Rolf Hochhut sorgt in Basel für Skandal und Demonstrationen. Keystone

Den literarischen Skandal des Jahres liefert Rolf Hochhuth mit dem Stück «Der Stellvertreter». Das «Christliche Trauerspiel» thematisiert und kritisiert die Haltung des Vatikans unter Pius XII. zum Holocaust. Die Aufführungen führen vielerorts zu Protesten von Katholiken – so auch in Basel. Die kritische Auseinandersetzung mit der NS-Vergangenheit kommt in diesem Jahr auch juristisch ins Rollen. Im Dezember 1963 beginnt in Frankfurt der erste Auschwitzprozess.

«Geboren am…»

Bilderrahmen mit drei Ereignissen: Flugzeug, Unruhen, ein Mann mit Armbrust
Legende: SRF

In der Sommerserie «Geboren am…» erzählen wir Geschichten von Menschen, die eines verbindet: Sie kamen am gleichen Tag auf die Welt.

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