Draht nach oben Die bekanntesten Stimmenhörer der Bibel

Stimmen im Kopf tun wir heute meist als Einbildung ab. Oder als psychische Störung. Das war nicht immer so – schon gar nicht in der Bibel.

Ein Engel fällt Abraham in den Arm: Ausschnitt aus Rembrandts «Opferung Isaaks». Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Hörte nicht nur auf Engel, sondern auch das Wort Gottes: Abraham auf Rembrandts «Opferung Isaaks». Wikimedia

Menschheitsgeschichtlich ist die Ausklammerung von Stimmen recht jung, genauso wie ihre negative Qualifizierung als krankhaft. In religiösen Vorstellungswelten rechnet man unverkrampfter damit, dass jemand Stimmen hört, die andere nicht wahrnehmen.

Zudem sind sie – anders als Horrorfilme vermuten lassen – häufig positiv besetzt. Die bekanntesten Stimmenhörer der Bibel jedenfalls haben vor allem Gott gehört. Eine Auswahl der schönsten akustischen Gotteserfahrungen:

Zusatzinhalt überspringen

Stimmen im Kopf

Eine Frau zieht ihre Kapuze über das Gesicht.

photocase/inkje

  • Wer Stimmen hört, ist krank – so die gängige Vorstellung. Doch neuere Forschung versteht solche Symptome als Ressource.

Genesis 12,1-3

«Und Gott sprach zu Abraham…» Mit einer Stimme beginnt die Geschichte Abrahams in der Tora, die auch im Alten Testament zu finden ist. Gott schickt den Nomaden los und verspricht ihm, dass seine Nachkommen ein grosses Volk werden. Auf ihn gehen die drei abrahamitischen Religionen Judentum, Christentum und Islam zurück.

1. Könige 19,11-13

Der grosse alttestamentliche Prophet Elia wartet auf eine Gottesbegegnung: Da gibt es zuerst einen heftigen Sturmwind, der Felsen zerbricht, gefolgt von einem Erdbeben und einem Feuer. Erst danach ertönt ein sanftes Wehen und mit ihm die Stimme Gottes.

Jesaja 6

Die Propheten verstanden ihre Botschaften als unmittelbar von Gott erhalten und erzählten davon, wie sie die Stimme Gottes vernommen haben. Typisch hierfür sind die Formeln «Spruch Gottes» oder «so spricht Gott» in ihrer Verkündigung.

Dabei haben sie häufig nicht nur etwas gehört, sondern auch Dinge gesehen, die sonst niemand sieht. Bekannt ist zum Beispiel die Engelsvision von Jesaja, die im Sanctus der h-Moll-Messe wieder zu purem Klang wird.

Apostelgeschichte 9

Saulus stürzt als eifriger Christenverfolger wegen eines Lichtblitzes und verliert vorübergehend sein Augenlicht. Er hört eine Stimme, die ihn fragt: «Saul, Saul, was verfolgst du mich?» Damit beginnt seine Bekehrung zum grossen Apostel, oder eben sprichwörtlich «vom Saulus zum Paulus».

Augustinus

Der bedeutende Philosoph und Theologe Augustinus (354-430) vernahm in einer Sinnkrise immer wieder eine Kinderstimme, die ihm zurief «Nimm und lies!». Woraufhin er die Bibel aufschlug und sein Leben von Grund auf änderte.

Sendung: SRF 1, Sternstunde Religion, 12.2.2017, 10 Uhr

Sendung zu diesem Artikel

  • Video «Stimmen im Kopf» abspielen
    SRF 1 12.02.2017 10:00

    Sternstunde Religion
    Stimmen im Kopf

    12.02.2017 10:00

    Etwa zehn Prozent aller Menschen hören irgendwann Stimmen. Viele leben ein Leben lang mit ihren unsichtbaren Begleitern. Über die Hälfte der Stimmenhörer sind psychisch gesund und führen ein unauffälliges Leben. Trotzdem werden sie stigmatisiert. Eine Dokumentation von Anja Krug-Metzinger.