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Ein Tiefdruckgebiet mit Namen Ahmet
Aus Kultur-Aktualität vom 06.01.2021.
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Diversität beim Wetter zeigen «Tief Ahmet»: Wetter mit Migrationshintergrund

Ein Verein will für mehr Vielfalt sorgen – auch auf der Wetterkarte. Dafür hat er Namens-Patenschaften gekauft.

Sabine fegte letztes Jahr über Europa. Auch Lothar, Katharina, Max, Petra und Thomas sind über uns hergezogen. Die Namen der Hoch- und Tiefdruckgebiete sind allesamt auffallend alemannisch.

Das fanden auch die Aktivisten vom Verein Neue Schweizer Medienmacherinnen und ihren Pendants in Österreich und Deutschland. Deshalb haben die Vereine dafür gesorgt, dass die Wetterphänomene in diesem Jahr auch jüdische oder migrantische Namen tragen, also Ahmet, Goran oder Dragica heissen.

Wetter so vielfältig wie Gesellschaft

Schliesslich habe auch das Wetter einen Migrationshintergrund. «Die Tief- und Hochdruckgebiete wandern in die Schweiz ein, so wie viele Millionen Menschen das auch seit Jahrhunderten tun», sagt Sara Winter Sayilir, Co-Vorsitzende vom Verein Neue Schweizer MedienmacherInnen (NCHM).

Man wolle mit der Kampagne #Wetterberichtigung , Link öffnet in einem neuen Fensterim Browser öffnenklarstellen, dass die Gesellschaft vielfältig sei. Weil: «Leider bleiben Menschen aus Einwandererfamilien oft unsichtbar», so Winter Sayilir. Das Wetter war der ideale Einstiegspunkt, um eine Debatte zu starten. «Das Wetter betrifft uns alle und gehört uns allen.»

Wetterpatenschaft kaufen

Die Namen fürs für Hoch- und Tiefdruckgebiete vergibt das Meteorologische Institut an der Freien Universität in Berlin. Von Jahr zu Jahr wird gewechselt. 2021 haben die Tiefdruckgebiete männliche Namen, die Hochdruckgebiete weibliche.

Jede oder jeder kann dort eine Patenschaft für ein Wetterphänomen übernehmen, bzw. den Namen für ein Wetterphänomen kaufen. Ein Hochdruckgebiet kostet 360 Euro, ein Tiefdruckgebiet 240. Mit den Erlösen finanzieren die Berliner ihre Wetterbeobachtung.

Der unterschiedliche Preis hänge mit der Dauer der Wetterlage zusammen, schreiben die Verantwortlichen auf der Instituts-Website. Hochdruckgebiete haben eine deutlich längere Lebensdauer und bleiben daher auch länger auf der Wetterkarte. Sichtbarkeit kostet also – beim Wetter ist das nicht anders als in der Werbung.

14 Namen gekauft

«Wir haben 14 Namen für Hoch- und Tiefdruckgebiete erwerben können und uns bemüht, möglichst viele migrantische Gruppen damit sichtbar zu machen. Also Namen gewählt, die türkischstämmig klingen sowie Namen, die aus dem Griechischen kommen oder vom Balkan», erklärt Sara Winter Sayilir.

Name ist nicht entscheidend

Bei SRF Meteo sieht man es eher technisch nüchtern – die bewusst migrantische Namensgebung schlägt keine hohen Wellen: «Uns fällt nicht wirklich auf, dass die Hoch- und Tiefdruckgebiete andere Namen haben. Es gab vorher schon teils kuriose Namen. Für uns geht es hauptsächlich darum, die Hoch- und Tiefdruckgebiete zu klassifizieren», so SRF-Wetterredaktor Felix Blumer.

Auch wenn es früher schon vereinzelt kuriose oder migrantische Namen für Wetterphänomene gegeben hat, in dieser Fülle ist das neu.

Und auch wenn es sich manch einer vielleicht wünschen würde: Das Wetter ist eines der wenigen Dinge, das an der Grenze nicht Halt macht – umso überfälliger sind mehr Namen wie Bozena, Goran und Dragica.

Sendung: Radio SRF 2 Kultur, Kultur Aktuell, 06.01.2021, 07:06 Uhr;

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5 Kommentare

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  • Kommentar von Martin Meier  (M.Meier)
    Genau sowas ist der Integration nicht dienlich. Anstatt die echten Integrationsmassnahmen in die Wege zu leiten, wird mit solchen Alibiübungen herumhantiert. Völlig unnötig.
  • Kommentar von Ben Utzer  (smi)
    Teilweise entscheiden sich Einwanderer bewusst unsichtbar zu bleiben. Insbesondere in D und Ö wird die Segregation ja z.B. vom eigens dafür gegründeten Amt für Auslandstürken & Religionsbehörden gefördert.
    Anstatt Wetterphänomenen umzubenennen, sollte man lieber Einwanderer mit Vorbildfunktion fördern und bekanntmachen.
  • Kommentar von Pascal Schärer  (Pascal1511)
    Noch so ein Brunz über den gestritten werden muss. Langsam müssen wir uns die Frage stellen ob wir unsere Kultur behalten wollen. Es ist - so kommts mir vor, schon lange kein Miteinander mehr sondern ein Gegeneinander. Ich finde ja wir müssen langsam schauen, dass unsere Kultur auch klar noch eine Präsenz hat, denn wo soll es eine Westeuropäische Kultur geben wenn nicht in Westeuropa?