Nach scharfer Kritik von Papst Leo XIV. an der US‑Politik im Iran ist es zu einem offenen Konflikt zwischen dem Pontifex und Donald Trump gekommen. Letzter reagierte wütend und erklärte, er wolle keinen Papst, der den Präsidenten der Vereinigten Staaten kritisiere. SRF-Religionsredaktorin Judith Wipfler über den aktuellen Streit – und einen äusserst politischen Papst.
War der Papst schon immer so politisch?
Gleich mit seinem ersten Wort als Papst votierte Leo XIV. mit «Pace» für Frieden. Gewalt und Krieg seien nie eine Option, wiederholte er mehrfach – und kritisiert so von Tag eins an die kriegführenden Neo-Imperien dieser Welt. Und er fordert Solidarität mit Geflüchteten und Migrantinnen und Migranten. In Hinblick auf den derzeitigen Krieg im Iran, scheint ihm die Welt jetzt auch zuzuhören.
Am Palmsonntag liess Papst Leo XIV. deutlich verlauten: «Gott hört die Gebete derer nicht, die Krieg führen, sondern weist sie zurück, indem er sagt: ‹Und wenn ihr eure Hände [zum Gebet] ausbreitet, schliesse ich meine Augen vor euch. Auch wenn ihr noch so viel betet, ich höre nicht hin! Eure Hände triefen von Blut.›» – (Jesaja 1,15)
Noch an Weihnachten war seine Warnung verhallt: Am 26. Dezember warfen die USA Bomben auf Nigeria ab; damit wollten sie nach eigener Aussage den dort verfolgten Christen helfen. Dem widersprach Papst Leo. Genauso wie den Bomben auf Iran.
Der Papst verurteilte Trumps Drohung, die iranische Zivilisation zu vernichten, als «inakzeptabel». Aber bewirkt das auch etwas?
Laut dem iranischen Repräsentanten im Vatikan schon. Der verdankte das Papst Leo ausdrücklich. Und die europäische «Das ist nicht unser Krieg»-Fraktion sieht sich unterstützt. Emmanuel Macron, Präsident des ansonsten laizistischen Frankreichs, reiste nun selbst zum Papst – und will sich mit ihm im Dialog für Frieden verbünden.
Das alles missfällt Donald Trump – zu Ostern kam es nun fast zu einer Art Showdown zwischen den beiden. Während Trump sich für seinen Krieg gegen Iran lobte, geisselte Papst Leo XIV. in der Karwoche die imperialistische Gewalt. «Götzendienst» schimpfte der Papst die Ich-Bezogenheit, die Gier nach Macht und Geld.
Es war klar, wen er damit meinte. Im Abendgebet vom 11. April im Petersdom in Rom legt der Papst nach: «Schluss mit der Selbstvergötterung und mit der Vergötzung des Geldes! Schluss mit der Zurschaustellung von Macht! Schluss mit dem Krieg!»
Medien nennen Leo XIV. bereits einen Anti-Trump. Ist er das?
Der Papst ist der Papst. Er steht über den Nationalismen. Er ist der Kopf der weltweit grössten christlichen Kirche. Ein Papst darf sich vor keinen Karren spannen lassen als vor den seiner Kirche, respektive Jesu Christi. Von dort erhält Papst Leo auch den Mut, den Mächtigen dieser Welt zu widersprechen. Das ist das kritische «Prophetenamt der Kirche», welches der Papst aktuell wahrnimmt.
US-Präsident Donald Trump scheint nicht zu wissen, oder wissen zu wollen, was ein Papst ist. Doch dessen Kritik scheint ihn offenbar zu treffen. Sonst würde der US-Präsident in Hinblick auf den Papst nicht so heftig reagieren.
Jetzt wird Papst Leo XIV. Afrika besuchen. Was steht dabei auf der Agenda?
Auch hier legt er den Fokus auf die Themen Krieg, Flucht, Armut und Umweltzerstörung. Nach Asien besucht das Kirchenoberhaupt nun einen weiteren Kontinent, in dem das Christentum weiter wächst. Die Empathie der römisch-katholischen Kirche bleibt also auch unter dem amerikanischen Papst bei den Menschen des globalen Südens. Auch hier bestimmt der Papst seine Agenda selbst.