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Im Kloster komponieren Eine Äbtissin gibt den Ton an

Letztes Jahr hat das Kloster Mariazell Wurmsbach eine CD herausgebracht. Aussergewöhnlich? Nicht für die komponierende Äbtissin Monika Thumm. In ihrem Leben spielen die Religion und die Musik eine tragende Rolle.

Dieses Kloster liegt am Ufer des Zürichsees, inmitten farbiger Herbstbäume. Hier, in Wurmsbach, stimmt das Idealbild des besinnlichen Klosters. Trotz der klostereigenen Schule und des nahen Landwirtschaftsbetriebs ist es hier erstaunlich ruhig. Ausser man betritt die Klosterkirche während des Mittagsgebets.

Dort singen dann zwölf Schwestern und eine Kandidatin der Klostergemeinschaft. Viermal täglich treffen sich die Frauen im Chorraum der Kirche, um zu beten und zu singen. Musik hat im Kloster Wurmsbach einen hohen Stellenwert. Nicht umsonst hat sich Monika Thumm, heute die Äbtissin des Klosters, bei ihrem Eintritt vor vielen Jahren für diese Institution entschieden.

Das Schlüsselerlebnis

Musik und Religion prägen ihr Leben seit Jahrzehnten. Anfangs stand die Musik noch im Vordergrund. Im Alter von 14 Jahren beginnt sie zu komponieren. Rund vier Jahre später hat sie dann ein religiöses Schlüsselerlebnis.

Thumm, die nicht religiös erzogen wurde, singt das Lied «Übers Gebirg, Maria geht». Das Stück berührt sie. Sie nimmt wahr, wie der Text mit der Melodie an Kraft gewinnt. Klang und Inhalt verbinden sich. Ab diesem Moment hat geistliche Musik für die junge Frau eine wichtige Bedeutung.

Der Eintritt ins Kloster

Im Musikstudium lernt sie das Handwerk des Komponierens. Wenig später unterrichtet sie an einer Schule. Als die Frage nach dem weiteren Verlauf ihres Lebens aufkommt, wird ihr klar, dass der Glaube im Mittelpunkt stehen soll. Sie macht sich auf die Suche nach einem Kloster.

Im Kanton St. Gallen wird sie fündig. Sie tritt der Zisterzienserinnen-Abtei in Bollingen bei. Ihr Eintritt ins Kloster Mariazell Wurmsbach mit der eigenen Internatsschule ist ein bewusster Entscheid. Denn wenn die 31-jährige Schwester Monika, wie Thumm jetzt heisst, in die Gemeinschaft eintritt, und folglich keine eigenen Kinder haben wird, will sie wenigstens Kinder unterrichten können.

Im Kloster eine CD aufnehmen

Im Jahr 2000 wird Schwester Monika Äbtissin. Täglich betet und singt sie mit der Gemeinschaft. Sie macht weiterhin Musik und komponiert. 2015 nimmt die Klostergemeinschaft mit der Unterstützung befreundeter Musiker eine CD auf.

Bis auf drei Ausnahmen sind alle Stücke Kompositionen der Äbtissin. Sie hat sie in ihrer Freizeit geschrieben. Sobald die Klostervorsteherin eine freie Minute hat, setzt sie sich ans Cembalo und improvisiert. Was als freies Spiel beginnt, wird schliesslich zu einem ganzen Musikstück.

Wenn Musik Religion zum Klingen bringt

Die Texte zu den einzelnen Stücken wählt Schwester Monika intuitiv aus. Oft sind es neue, manchmal aber auch ältere Texte. Das Entstehungsjahr der Schrift ist aber kein Auswahlkriterium. Erst wenn das Geschriebene die Leute anspricht, ist es die richtige Wahl.

Auch wenn für Schwester Monika die befreiende Wirkung der Musik bedeutend ist, will sie, dass die Klostergemeinschaft mit ihren Liedern immer auch eine tiefere Botschaft verkündet. Mit Musik geht das gut. Die Äbtissin selbst hat die Erfahrung gemacht, dass Musik oft weiter greifen kann, als Worte es vermögen.

Sendungsghinweis: Radio SRF 2 Kultur, Blickpunkt Religion, 27.11.16, 08:08 Uhr

Musikhinweis

Neue und alte Gesänge aus der Liturgie der Zisterzienserinnenabtei Mariazell Wurmsbach: «Den Glauben feiern», 2016.

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