Marco Tempest wächst im Zürich der 1960er- und 1970er-Jahre auf. Mit 16 hat er genug von der Schule und beschliesst, professioneller Zauberer zu werden. «Das Zaubern war eine Möglichkeit, der harschen Realität zu entfliehen, in der ich lebte. Ich hatte Probleme in der Schule, komplizierte Familienverhältnisse. Die Zauberei war ein Ort, wo Anderssein erwünscht war», erinnert sich Tempest.
Magie trifft auf Technologie
Um als Profi durchzustarten, braucht es eine gute Idee: Tempest kombiniert die neue Tanzform Breakdancing mit Illusionskunst. Als er damit an der Weltmeisterschaft teilnehmen will, winkt der Schweizerische Zaubereiverband ab – seine Show habe nichts mit Zauberei zu tun. Zwei Jahre später gewinnt Tempest im Duo mit Midi Gottet den World Cup of Magic in New York – und legt damit den Grundstein für seine Weltkarriere.
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Bild 1 von 2. Die Zürcher Breakdancer der «Juicy Crew» in den frühen 1980er-Jahren. Mit Marco Tempest (Mitte), Midi Gottet (links) und Guy Landolt (rechts). Bildquelle: Privatarchiv Marco Tempest.
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Bild 2 von 2. Die World Cup of Magic-Sieger «United Artists» Midi Gottet (links) und Marco Tempest (rechts). Bildquelle: Privatarchiv Marco Tempest.
Tempest experimentiert früh mit neuen Technologien, wird zum «Techno Illusionist» und emigriert nach New York. Er arbeitet mit Apple, Panasonic oder IBM, produziert die TV-Show «The Virtual Magician» und wird mit seiner «Phone Cam Street Magic»-Serie zum Youtube-Pionier. Es folgen Auftritte bei Jay Leno, in TV-Shows weltweit und auf TED-Konferenzen.
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Bild 1 von 4. Marco Tempest auf dem New Yorker Times Square bei einem Fotoshooting für das Magazin «Stern» in den 1990er-Jahren. Bildquelle: Stern.
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Bild 2 von 4. Marco Tempest und David Copperfield. Beide gelten als Erneuerer der Zauberkunst. Bildquelle: Privatarchiv Marco Tempest.
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Bild 3 von 4. Promo-Plakat für Tempests TV-Serie «The Virtual Magician», die zwischen 2003 und 2005 in über 50 Ländern ausgestrahlt wird. Bildquelle: Privatarchiv Marco Tempest.
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Bild 4 von 4. Kameramann Elia Lyssy und Marco Tempest bei Drehvorbereitungen für einen Phone Cam Magic-Trick. Bildquelle: Privatarchiv Marco Tempest.
Das renommierte Massachusetts Institute of Technology (MIT) beruft ihn daraufhin als Director’s Fellow – und er wird Creative Technologist bei der Nasa, um Weltraum-Missionen als visuelle Erlebnisse erfahrbar zu machen.
«Viel von deinem Erfolg hat nichts damit zu tun, dass du so genial oder so gut bist», meint Tempest rückblickend. «Viele Dinge sind mir einfach zugeflogen. Ich hatte viel Glück. Es braucht immer Andere, die an einen glauben».
«Marco verkörpert die Zukunft des Lernens»
Trotz aller Erfolge bleibt Tempest in Bewegung – was nicht selten herausfordernd ist: «Ich finde mich oft in Situationen wieder, in denen ich ganz schnell neue Dinge lernen muss, damit ich die Menschen nicht enttäusche, die an mich glauben. Nach aussen sieht das dann nach einem neuen Meilenstein aus. Aber innerlich denke ich jedes Mal: Wie kriege ich denn das jetzt wieder hin? Schaffe ich das?»
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Bild 1 von 4. Marco Tempest vor den Nasa Jet Propulsion Laboratories in Pasadena, Kalifornien, 2023. Bildquelle: Privatarchiv Marco Tempest.
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Bild 2 von 4. Tempest bei Filmarbeiten für das Nasa-Projekt «Lemur 3», 2019. Bildquelle: NASA JPL.
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Bild 3 von 4. Robotik-Experimente in Marco Tempests Magiclab, 2025. Bildquelle: SRF.
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Bild 4 von 4. Fotosession nach den Dreharbeiten zur Dokumentarfilm-Serie «Swiss Success Stories». Botanischer Garten Zürich, 2025. Bildquelle: SRF/Alexis Amitirigala.
Seine schnelle Anpassungsfähigkeit führt Tempest als Lehrer an die Mohammed bin Zayed University of Artificial Intelligence in Abu Dhabi. «Marco verkörpert die Zukunft des Lernens», meint Hao Li, Professor für Computer Vision und ehemaliger Entwickler bei der Star Wars-Produktionsfirma Lucasfilm. «Er ging nie zur Uni, aber das merkt niemand». Li sieht Tempests Werdegang als exemplarisches Vorbild, um Studierende auf eine kaum planbare Zukunft vorzubereiten.
The Sky is the Limit
Tempests Konstante ist die stete Neuerfindung - die Stelle als Director of Creative Technology & Innovation an der ETH Zürich hat er selbst erfunden. «Marco denkt anders über Probleme nach als ich oder andere Wissenschaftler», erklärt Thomas Zurbuchen, Leiter von ETH Space und ehemaliger Wissenschaftsdirektor der Nasa.
«Ich möchte Leute in meinem Team, die einen anderen Hintergrund haben als ich. Seien das Spitzensportler, Zauberer oder Künstler: Häufig ist ihre Denkweise anders.» Genau das braucht es, um die Schweizer Raumfahrt in die Zukunft zu führen, ist Zurbuchen überzeugt. Bis zur Ergründung des Universums reist Tempest weiterhin um die Welt und verzaubert – technisch immer einen Schritt voraus – die Menschen mit seinen magischen Geschichten.