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Einzigartige Vita Lucrezia Borgia: Papsttochter, Fürstin – und Spielball der Macht

Sie galt als Femme fatale und Giftmischerin, als Intrigantin und als Sünderin: Lucrezia Borgia, Tochter von Papst Alexander VI. Ein Dokumentarfilm erzählt, warum die Mächtigen der Renaissance sich an ihr abarbeiteten und wer die Herzogin von Ferrara tatsächlich war.

Lucrezia Borgia wurde 1480 in Rom oder Subiaco geboren, genoss den für höhere Töchter vorgesehenen Unterricht in Literatur, Rhetorik und Tanz und war mit zwölf bereits zum zweiten Mal verlobt. Nicht weil sie das so wollte, sondern ihr Vater, dem die per Vertrag festgelegte Mitgift der Familie des ersten Gatten nicht hoch genug war.

Ihr Vater war Rodrigo Borgia, der spätere Papst Alexander VI.

Frau und Mann in mittelalterlicher Kleidung an einem Tisch sitzend.
Legende: Lucrezia Borgia mit ihrem Vater, Papst Alexander VI. Das Gemälde stammt von Giuseppe Boschetto (1841–1918). Getty Images / DEA / L. PEDICINI

Dass Geistliche Kinder hatten, war in der Renaissance keine Seltenheit, schreibt Brigitte Baldo. Die Historikerin hat sich intensiv mit Lucrezia Borgia und dem Frauenbild in der Renaissance beschäftigt. Uneheliche Kinder von Kardinälen oder sogar Päpsten kamen vor und wurden oft stillschweigend akzeptiert, solange sie nicht ins Zentrum der Öffentlichkeit traten.

Heirat mit 13

Alexander VI. nutzte seine Kinder bewusst zur Festigung seiner Familienmacht. So war es nur konsequent, dass Vater Borgia 1492 nach seiner Wahl zum Papst bald einen noch besseren Kandidaten für seine uneheliche Tochter ausfindig machte: Giovanni Sforza. Diesen heiratete Lucrezia auch tatsächlich. Sie war 13.

Danach wird es kompliziert. Der Kirchenstaat, Mailand, Neapel und Venedig standen in ständig wechselnden Beziehungen zueinander. Und die Borgia waren mächtige Player, die sich überall Feinde schufen. Als die Sforza und die Borgia sich wegen des Einmarschs französischer Truppen uneinig wurden, war dies das Ende der Ehe von Lucrezia und Giovanni.

Vorwurf des Inzests

Da eine Ehe aber zu jener Zeit nur aufgelöst werden konnte, wenn sie nicht vollzogen worden war, entschied eine vom Papst – also Lucrezias Vater – eingesetzte Kommission, dass diese wegen Impotenz des Gatten aufgelöst gehöre. Worauf der angeblich impotente Gatte behauptete, es gehe den Borgia nur darum, ungestört Inzest mit ihrer Tochter beziehungsweise ihrer Schwester zu betreiben.

Ein horrender Vorwurf, der nie bewiesen werden konnte, dessen Wirkung jedoch blieb, wie Historikerin Maria Lucia Menegatti betont. Lucrezia Borgias Ruf war nachhaltig beschädigt; zugleich hatte sie als Frau nur begrenzte Möglichkeiten, selbst über ihr Leben zu bestimmen und blieb Teil der politischen Strategie ihres Vaters.

Dieser verheirate sie insgesamt drei Mal. Als er 1503 starb, veränderte sich ihre Situation deutlich. Dass ein ehemaliger erbitterter Gegner ihres Vaters zum neuen Papst gewählt wurde, machte die Sache nicht besser. Doch Lucrezias dritte Ehe hielt. Alfonso d’Este machte sie zur Herzogin von Ferrara und übertrug ihr diverse Staatsangelegenheiten.

Schlechter Ruf

So verteidigte Lucrezia in Abwesenheit ihres Gatten die Stadt Ferrara gegen die Truppen des Papstes, liess Sümpfe trockenlegen und damit fruchtbares Land schaffen, erliess ein Dekret, das Juden grösseren Schutz gewährte, und als gottesfürchtige Christin unterstützte sie Klöster und Spitäler.

Doch den moralischen Makel der schönen, aber ruchlosen Frau, die nicht nur drei Mal verheiratet war, sondern angeblich auch diverse Affären gehabt haben soll, wurde sie nie mehr los.

«Ich denke, der Hauptgrund, warum Lucrezia Borgia noch immer nicht befreit worden ist von ihrem schlechten Ruf, ist eine Frauenfeindlichkeit, die sich über all die Jahrhunderte durchzieht», resümiert Autorin Friederike Hausmann.

SRF 1, Sternstunde Religion, 10.5.2026, 10:05 Uhr.

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