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Weihnachtskrippe mit Heiligenfiguren und Jesuskind in der Krippe.
Legende: IMAGO / Wolfilser

Fest des Lichts Warum ist Weihnachten eigentlich am 25. Dezember?

Erst seit dem Jahr 300 feiert die Christenheit Weihnachten an diesem Tag. Das Datum steckt voller Symbolik und hat das Christentum gross und populär gemacht. Um das reale Geburtsdatum Jesu geht es dabei aber eigentlich nicht.

Wann genau Jesus von Nazareth das Licht der Welt erblickte, dazu schweigen die Evangelien. Aber sie bekennen sich zu Jesus als dem Licht der Welt.

Silhouette von Händen im Sonnenlicht.
Legende: «Das Licht der Welt»: Die Selbstbezeichnung Jesu im Johannesevangelium steht für seine Rolle als Quelle von Leben, Wahrheit und Orientierung in der Dunkelheit. Depositphotos/Iurii

«Ich bin das Licht der Welt. Wer mir folgt, wird nicht in der Finsternis umhergehen, sondern das Licht des Lebens haben», heisst es etwa im Johannesevangelium (8,12). Die Geburt dieses Lichts zu feiern, dafür bot sich dann der 25. Dezember an. Er wurde zum besten Promotion-Day für das Christentum.

So wird die Geburt Jesu erzählt – im Lukasevangelium

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Im Lukasevangelium, Kapitel 2 heisst es zur Geburt Jesu:

Auch Josef ging von Galiläa aus der Stadt Nazaret hinauf nach Judäa in die Stadt Davids, die Betlehem heisst, weil er aus dem Haus und Geschlecht Davids war, 
um sich eintragen zu lassen, mit Maria, seiner Verlobten, die war schwanger.
Und es geschah, während sie dort waren, dass die Zeit kam, da sie gebären sollte.
Und sie gebar ihren ersten Sohn und wickelte ihn in Windeln und legte ihn in eine Futterkrippe, denn in der Herberge war kein Platz für sie.
Und es waren Hirten in jener Gegend auf freiem Feld und hielten in der Nacht Wache bei ihrer Herde.
Und ein Engel des Herrn trat zu ihnen, und der Glanz des Herrn umleuchtete sie, und sie fürchteten sich sehr.
Da sagte der Engel zu ihnen: Fürchtet euch nicht! Denn seht, ich verkündige euch grosse Freude, die allem Volk widerfahren wird:
Euch wurde heute der Retter geboren, der Gesalbte, der Herr, in der Stadt Davids. 

Quelle: Zürcher Bibel, Theologischer Verlag Zürich, 2007.

Schon im 4. Jahrhundert waren dann die Kirchen voll, berichtet ein Kirchenlehrer dieser Zeit, Johannes Chrysostomos: «Die Höfe bei uns sind gefüllt, und die ganze Kirche ist gedrängt voll mit der Menge derer, die zusammengeströmt sind.»

Das Datum des 25. Dezember passte gleich aus mehreren Gründen: Es ist nah an der astronomischen Wintersonnenwende: Die Tage werden wieder länger, die Sonne geht früher auf. Es wird lichter.

Und: Die Sonne galt in vielen antiken Kulturen als göttlich. Sie und ihr Licht spenden Leben und sind unbesiegbar. Der Kirchenhistoriker Martin Wallraff spricht im SRF-Interview von einem «spätantiken Sonnenkult». Daran knüpfte das junge Christentum an. Die christlichen Theologen deuteten die Geburt Jesu jetzt als «Geburt der neuen Sonne».

Jesus Christus: Die neue Sonne der Gerechtigkeit

Das war clever! Das Bild von der Sonne konnten alle verstehen, auch wenn sie weder von Christentum, Judentum noch von Bibel und Propheten wussten.

Drei Beispiele für antike Sonnenkulte

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Antike Sonnenkulte waren weltweit verbreitet: Die Sonne wird darin als Lebensspenderin verehrt.

  • Der Kult um den römischen Sonnengott Sol
    «Sol invictus» nannten die alten Römer ihren «unbesiegten Sonnengott». Am 25. Dezember wird er jedes Jahr wiedergeboren.
  • Der Mithras-Kult
    Der römische Gott Mithras mit seiner Sonnenstrahlen-Krone war besonders bei Soldaten beliebt; sie verbreiteten den Kult bis nördlich der Alpen. Im Mithras-Kult sind die Sonne und Auferweckung zu neuem Leben zentral.
  • Der alt-ägyptische Kult der Göttin Isis
    Dieser Kult erlebte im 3. Jahrhundert ein Revival im ganzen hellenistisch-römisch geprägten Mittelmeerraum. Auch der Isis-Kult versprach ein Leben nach dem Tod. In Ritualen wie Bädern und Fasten erfuhren die Gläubigen symbolisch Tod und Auferstehung.

Den antiken Kulten gemein war der Erlösungsgedanke, und auch die persönliche Beziehung zu einer Gottheit. Das sind – neben der Lichtsymbolik – Parallelen zum Christentum.

Hingegen spielten germanische und keltische Sonnenwend-Kulte keine Rolle im frühen Christentum, betont der Kirchenhistoriker Wallraff: «Das Christentum ist in dieser Zeit wirklich gross geworden, hat also den Schritt gemacht von einer kleinen Splittergruppe irgendwo in Palästina und vielleicht noch an ein paar anderen Stellen im Mittelmeerraum – hin zu einer wirklichen Weltreligion im Sinne der damals bekannten und bewohnten Welt.»

Zweimal Weihnachten: Auch am Dreikönigstag

Der 25. Dezember als Weihnachtstag hat aber bis heute eine «Konkurrenz» im 6. Januar. Anders als die Weihnachtsdeko, welche gleich nach dem 25. Dezember aus den Schaufenstern verschwindet, dauert der kirchliche Weihnachtsfestkreis noch bis zum 2. Februar (Mariä Lichtmess).

Der 6. Januar bezieht sich auf den Besuch der «Sterndeuter aus dem Morgenland» beim Jesus-Kind. Diese Szene ist die älteste Weihnachtsdarstellung in der christlichen Kunst.

Mittelalterliches Steinschnitzrelief einer sitzenden Figur mit Kind und umgebenden Personen.
Legende: Anbetung der Heiligen Dreikönige: Die «Sterndeuter aus dem Morgenland» aus dem 11. Jahrhundert an der Stiftskirche St. Pierre in Chauvigny. Getty Images/Oskar Poss/ullstein bild

«Das älteste Bildmotiv ist tatsächlich nicht der Stall mit Krippe und Ochs und Esel, sondern Maria auf dem Thron, mit dem Kind auf dem Schoss und den drei Magiern, die zu ihr kommen und sie anbeten», erklärt Kirchenhistoriker Wallraff. Das Fest am 6. Januar heisst auch «Epiphanie», also «Erscheinung des Herrn»; das meint die Erscheinung Gottes in Jesus.  

Die Geburt Jesu im Matthäusevangelium

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Das Matthäusevangelium (2,1-12) beschreibt die Geburt Jesu wie folgt:

Als Jesus in Betlehem in Judäa zur Zeit des Königs Herodes zur Welt gekommen war, da kamen Sterndeuter aus dem Morgenland nach Jerusalem
und fragten: Wo ist der neugeborene König der Juden? Wir haben seinen Stern aufgehen sehen und sind gekommen, ihm zu huldigen. […] 
Der Stern, den sie hatten aufgehen sehen, zog vor ihnen her, bis er über dem Ort stehen blieb, wo das Kind war.
Als sie den Stern sahen, überkam sie grosse Freude.
Und sie gingen ins Haus hinein und sahen das Kind mit Maria, seiner Mutter; sie fielen vor ihm nieder und huldigten ihm, öffneten ihre Schatztruhen und brachten ihm Geschenke dar: Gold, Weihrauch und Myrrhe.

Quelle: Zürcher Bibel, Theologischer Verlag Zürich, 2007.

Der kirchliche Festkreis ist also Kalender-gewordene Theologie. Sie besagt: Gottes Licht und damit Erlösung kommen in die Welt. Dafür ist Ostern, das Fest der Auferstehung Jesu von den Toten, die Initialzündung.

«Es gibt kein Christentum ohne Ostern, aber es gibt mindestens 300 Jahre lang ein Christentum ohne Weihnachten», merkt Martin Wallraff an. Erst durch Weihnachten aber wurde das Christentum so richtig gross und – populär.

SRF 1, Treffpunkt, 10.12.2025, 10:03 Uhr

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