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Gedankenspiel Menschenfleisch Sind Menschen mehr wert als Tiere?

Aliens überfallen die Erde, nehmen uns Menschen gefangen und verspeisen das Fleisch unserer Kinder. Warum finden wir das falsch, obwohl wir mit Tieren dasselbe machen? Diese Frage stellt das Gedankenexperiment «Menschenfleisch».

Legende: Video Filosofix: Das Gedankenexperiment «Menschenfleisch» abspielen. Laufzeit 02:29 Minuten.
Aus Filosofix vom 18.12.2017.

Die meisten Menschen finden, man darf Tiere essen. Aber kaum jemand findet, man darf Menschen essen. Warum eigentlich? Der deutsche Philosoph Richard David Precht hat ein Gedankenexperiment entwickelt, das unseren Umgang mit Tieren radikal in Frage stellt.

Aliens überfallen die Erde

Stellen Sie sich vor: Aliens überfallen die Erde. Sie sind uns Menschen körperlich und geistig weit überlegen. Sie nehmen uns gefangen, lassen uns für sie arbeiten und pumpen den frisch gewordenen Müttern die Milch ab, um daraus leckere Drinks zu machen. Unsere Kinder werden gemästet, geschlachtet und genüsslich verspeist. Kurz: Die Aliens machen mit uns, was wir mit Tieren tun.

Gilt das Recht des Klügeren?

Ihr grausames Verhalten rechtfertigen sie damit, dass sie uns geistig überlegen sind und unser Menschenfleisch angeblich vorzüglich schmeckt. Für uns Menschen sind das wenig überzeugende Gründe, schliesslich haben wir eigene Bedürfnisse.

Aber haben Tiere nicht auch ihre eigenen Bedürfnisse, obwohl sie vielleicht weniger klug sind als wir? Wie also können wir unser Verhalten gegenüber Tieren rechtfertigen?

Peter Singer: Auch die Interessen von Tieren zählen

Diese Fragen stehen im Zentrum der Tierethik. Die Anfänge der modernen Tierethik gehen auf den australischen Philosophen Peter Singer zurück, der in seinem 1975 erschienenen Buch «Animal Liberation» ein Umdenken zugunsten der Tiere fordert.

Singer argumentiert, dass auch Tiere Empfindungen und Interessen haben und dass diese nicht weniger wert sind als menschliche Empfindungen und Interessen. Er kritisiert die Massentierhaltung ebenso wie unseren Umgang mit Menschenaffen. Es sei falsch zu glauben, Menschen seien grundsätzlich mehr wert als Tiere.

Manche Tiere sind klüger als manche Menschen

Nach Singer zählt nicht, welcher Spezies ein Lebewesen angehört, sondern welche Interessen und Fähigkeiten es besitzt. So gibt es keine guten Gründe, einen Schimpansen schlechter zu behandeln als einen Säugling oder eine demente Person.

Jedoch gibt es einen Grund, einen Schimpansen besser zu behandeln als eine Kuh, da der Schimpanse im Unterscheid zur Kuh höher entwickelte kognitive Fähigkeiten, ein Selbstbewusstsein und Zukunftspläne hat.

Immanuel Kant: Das Denken adelt den Menschen

Die Ansicht, dass unser Denkvermögen uns moralisch von den Tieren abhebt, hat eine lange Tradition. So vertrat bereits Immanuel Kant die These, Tiere seien weder zu vernünftigem noch zu moralischem Denken in der Lage und darum auch moralisch weniger wert als Menschen.

Tiere haben nach Kant, anders als der Mensch, keine Würde. Eine These, die viele christliche Denker bereits vor Kant mit der fehlenden «Gottesebenbildlichkeit» der Tiere begründet haben.

Tom Regan: Tiere haben moralische Grundrechte

Gegen diese moralische Abstufung innerhalb der Tierwelt wendeten sich einige Tierethiker, allen voran der US-amerikanische Philosoph Tom Regan mit seiner Schrift «The Case for Animal Rights».

Nach Regan haben Tiere moralische Grundrechte, die uneingeschränkt gelten und keiner Interessenabwägung zum Opfer fallen dürfen, wie etwa ein Lebensrecht oder ein Recht auf Freiheit. Diesen inhärenten Wert haben nach Regan alle Wesen, die «Subjekt eines Lebens» sind; Wesen also, die sich selbst und die Welt erleben sowie Dinge erstreben oder meiden.

Was tun?

Regans Kriterium erfüllen nicht nur Menschen, Säuglinge und Demenzkranke, sondern auch ein Grossteil der Tiere. Angesicht der Tatsache, dass wir Menschen hierzulande auch ohne Fleisch gut leben können, stellt sich also die Frage: Dürfen wir Tieren etwas antun, das man uns Menschen nicht antun darf?

Filosofix – die neuen Filme

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Buchhinweis

Richard David Precht: «Tiere denken. Vom Recht der Tiere und den Grenzen des Menschen». Goldmann, 2016.

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34 Kommentare

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  • Kommentar von Franz Buhler (F. Buhler)
    super film!
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  • Kommentar von Adrian Sousa-Poza (adriansousapoza)
    Und selbst mit dem Vertraut-sein dieses Gedankenexperiments, werden wir weiterhin Fleisch konsumieren. Ein Mensch lernt, und wenn ein Mensch in seinen ersten 10 Existenzjahren lernt Fleisch zu essen, wird er damit kaum aufhören. In Kinderbüchern wird inszeniert wie gut es den Tieren auf den Bauernhöfen geht. Die meisten Kinder jünger als 5 Jahre, wissen nicht von wo Fleisch kommt. Dies ist der einzige Grund, weswegen wir noch tierische Produkte essen. Wir haben erlernt es zu tun.
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    1. Antwort von Alex Volkart (Lex18)
      Ich sehe und mache keinen Unterschied zwischen dem Umbringen von Tieren und Pflanzen um an Nahrung zu kommen. Beides sind empfindungsfähige Wesen. Beides brauchen viele Lebewesen um zu leben. Das ist und bleibt ein ewiger Kreislauf. Wenn gewisse Menschen auf Fleisch verzichten bewundere ich das, wirklich. Trotzdem sollten sie sich nicht als Bewahrer der Natur aufspielen. Da für sie umso mehr Pflanzen leiden müssen.
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    2. Antwort von Adrian Sousa-Poza (adriansousapoza)
      Für die Produktion von einem Kilo Rindfleisch benötigt man mind. 50 Kilo anderweitige Lebensmittel. Sie haben Recht damit, dass sich Vegetarier und Veganer sich nur auf pflanzlicher Basis ernähren und somit mehr Pflanzen leiden müssen. Da aber bereits mehr Pflanzen für die Produktion von Fleisch benötigt werden, wird ihr Argument ungültig.
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    3. Antwort von Adrian Sousa-Poza (adriansousapoza)
      Des weiteren erwähnen Sie die Gleichwertigkeit von Lebewesen, wessen Ansicht ich mit ihnen teilweise teile. Wenn es allerdings darum geht, dass sie sich entscheiden müssen entweder 12 Bienen oder Ihren Nachbarn umzubringen, sieh die Sache anders aus (hoffe ich zumindest). Ich bin der Meinung, dass Leben nicht immer gleichgestellt werden kann und deswegen finde ich eine pflanzliche Ernährung sinnvoll oder würden Sie sich lieber selbst umbringen, um die noch zu konsumierenden Lebewesen zu retten?
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    4. Antwort von Alex Volkart (Lex18)
      Was ich meinte ist, dass egal wie man sich ernährt Lebewesen dafür sterben müssen. Es ging dabei nicht darum zu erwägen welche Ernährung die bessere ist. Ich würde mir so was nie anmassen. Tatsache ist doch, ohne dass andere Lebewesen leiden müssen kann man sich nicht ernähren. Für eine rein pflanzliche Ernährung müsste man ja auch weite Flächen roden um essbare Pflanzen zu züchten. So gesehen müssen man sogar Pflanzen umbringen um Esspflanzen züchten zu können.
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    5. Antwort von Alex Volkart (Lex18)
      Viele Nutztiere (Z.B. Schweine, Schafe, Kühe) würden ohne die Milch-, Fell- & Fleischproduktion gar nicht existieren. Da sie genau für diese Zwecke ""erschaffen" wurden. Verstehen sie mich nicht falsch. Es tut mir wirklich leid dass dafür dass ich leben kann, Tiere und Pflanzen sterben müssen. Tatsache ist aber ohne geht es nicht.
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    6. Antwort von Alex Volkart (Lex18)
      Ihr Beispiel mit 12 Bienen und meinem Nachbarn finde ich ein interessantes Gedankenexperiment. Man sollte dieses Experiment mit "Pflanzenessern" und "Fleischessern" machen, aber wie folgend. Wenn es auf der Welt nichts mehr für sie zu Essen gebe ausser 12 Bienen oder ihrem Nachbarn, was würden sie eher wählen. Ich möchte, wie sicher auch sie, die Antwort nicht wissen. Denn wenn ein Mensch wirklich Hunger hat und nicht anders kann als zu essen, dann wird er zum "Monster" egal was er bevorzugt.
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  • Kommentar von Alex Volkart (Lex18)
    Wir sind wohl kaum besser als die Tiere. Kein Lebewesen hat der Erde bisher mehr geschadet als der Mensch (Z.B. Ausrottung von Tieren und Völkern), Klimawandel, Kriege, usw.). Wir verlassen uns immer mehr auf Hilfsmittel, statt auf Uns gegebenen Fähigkeiten. Wir mögen gewisse Fähigkeiten haben, die den meisten anderen Lebewesen fehlen. Aber ob uns das besser macht wage ich zu bezweifeln.
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