Flüchtlinge in der Kunst: ein heikles Thema

Es gibt wohl keine Kunstform, die sich derzeit nicht mit dem Thema Flüchtlinge auseinandersetzt. Doch wem nützen solche Kunstaktionen – den Künstlern oder den Geflüchteten? Wenn Hilfsorganisationen den Austausch zwischen Künstlern und Flüchtlingen ermöglichen, prüfen sie jedes Projekt.

Zwei junge Flüchtlinge bauen «Green lights». Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: «Green light»: Aus Holz und mit recycelten Materialien werden von Flüchtlingen Lampen gebaut. Sandro E.E. Zanzinger

Künstler und Künstlerinnen wenden sich oft an Hilfsorganisationen, um mit Flüchtlingen in Kontakt zu treten. Doch nicht immer ist diese Zusammenarbeit fruchtbar. So wird bei deutschen Flüchtlingsorganisationen bereits über «Pseudohilfe» diskutiert: Kulturprojekte, die den Flüchtlingen gar nichts bringen.

Die «Green lights» werden von Flüchtlingen und Besuchern gebaut. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Von März bis Juni veranstaltete Elíasson im Wiener Thyssen Bornemisza Art Contemporary den Workshop «Green light». Sandro E.E. Zanzinger

Der Workshop «Green Light» des Künstlers Ólafur Elíasson, bei dem Flüchtlinge und andere Besucher in Wien Lampen bastelten, sorgte für Aufregung. Das deutsche Online-Magazin Perlentaucher fragte: «Was wäre, böte Elíasson einen vergleichbaren Workshop den Angehörigen von Opfern der Terroranschlägen vom 13. November 2015 in Paris an?» Auch hier handle es sich um Menschen, die durch Gewalt traumatisiert wurden und denen geholfen werden müsse, wieder in ein halbwegs normales Leben zurückzufinden.

Vorgehensweise in der Schweiz

Miriam Behrens, Direktorin der Schweizerischen Flüchtlingshilfe, hat eine klare Vorstellung, wie eine mögliche Zusammenarbeit zwischen Künstlern und Flüchtlingen aussehen soll: Von einem gemeinsamen Projekt müssen vor allem die Flüchtlinge profitieren. Sie sollen im Vordergrund stehen. Was nicht passieren dürfe: «Flüchtlinge sollen nicht als Rohstoff für die Profilierung genutzt werden.»

Eine australische Hilfsorganisation hat eine Zehn-Punkteliste verfasst, die sich an Künstlerinnen und Künstler wendet, die Flüchtlinge für ihre Projekte suchen. Künstler müssten ihre Absichten hinterfragen und die eigene Privilegiertheit bedenken, ist darin beispielsweise festgehalten.

Caritas lehnt einige Projekte ab

Eine sinnvolle Liste findet Miriam Behrens, doch bislang hätten sie bei der Schweizerischen Flüchtlingshilfe keine Notwendigkeit für ein solches Vorgehen gesehen.

Auch bei der Caritas hat man das nicht. Alle Anfragen für Kunstprojekte würden geprüft, bei manchen würden Flüchtlinge angefragt, ob sie teilnehmen möchten, bei anderen dagegen lehne die Caritas eine Zusammenarbeit von Beginn weg ab, sagt Caritas-Mediensprecher Stefan Gribi: «Wenn es darum geht, dass wir als Organisation ein Kunstprojekt promoten – da sagen wir eigentlich sehr strikt Nein.» Es sei nicht die Aufgabe einer humanitären Organisation für Kunstprojekte das Publikum zu organisieren.

Gute Absicht

Die Caritas müsse manchmal auch wohlgemeinte Angebote von Künstlern ablehnen – trotz der guten Absicht dahinter.

Allerdings betonen Caritas und Schweizerische Flüchtlingshilfe, dass sie grundsätzlich gute Erfahrungen machen. Es sei erfreulich, dass sich auch Künstler überlegen, wie sie helfen, welchen Beitrag sie leisten können.

Ausstellung in Olten

Das Projekt des Künstlers Jürg Meyer in Olten sei dafür ein gelungenes Beispiel, meint Miriam Behrens. Die Ausstellung «Kühlschrank Schweiz» zeigt Bronzefiguren, die das Leben von Flüchtlingen in der Schweiz thematisieren.

Die Besucher können die Bronzefiguren kaufen, im übertragenen Sinn Flüchtlingen Asyl gewähren. Denn ein Teil der Einnahmen wird an die Schweizerische Flüchtlingshilfe gespendet.

Sendung: Radio SRF 2 Kultur, Kultur-Aktualität, 14.9.2016, 17:15 Uhr.