Sieben leibliche Schwestern gründen im Jahr 1830 das Kloster Baldegg im Kanton Luzern. Sie engagieren sich für die arme Landbevölkerung und richten Schulen ein. Ein Novum.
«Mädchen durften damals die Schule noch gar nicht besuchen, auch Knaben aus armen Verhältnissen nicht», erklärt Nadja Bühlmann. Sie leitet heute das Kloster Baldegg. Stolz schaut sie auf die Geschichte ihrer Gemeinschaft zurück: «Meine Vorfahrinnen haben das gut gemacht. Die Förderung der Frauen, die Bildung der Frauen waren für sie zentral, damit hat alles begonnen.»
Die Schwestern gründen Schulen in Baldegg, Hertenstein, Sursee, St. Gallen und Bourguillon im Kanton Freiburg: Primar- und Sekundarschulen und ein Lehrerinnenseminar. Generationen von Frauen besuchen die Schulen der Baldegger Schwestern.
Klosterboom und «Kloster-Konzerne»
Im 19. Jahrhundert boomen die Klöster. Gemeinschaften entstehen, deren Angehörige auch ausserhalb der Klostermauern arbeiten, sogenannte Kongregationen: Baldegg, Menzingen und Ingenbohl, die Benediktinerinnen von Heiligkreuz in Cham im Kanton Zug, die Dominikanerinnen von Ilanz im Kanton Graubünden oder die Schwestern von Saint-Maurice im Wallis.
Es sind «Kloster-Konzerne» mit Hunderten, ja Tausenden Schwestern. Das Kloster Baldegg zählt in den 1960er-Jahren 1060 Schwestern. Heute sind es 140.
Die Schwestern kümmern sich auch um kranke Menschen in Spitälern und gründen Pflegerinnenschulen. Dies schlägt sich sogar in der Sprache nieder: Die Pflegefachfrau wird noch lange als «Schwester» angesprochen, auch wenn sie längst keine Ordensschwester mehr ist.
Pionierinnen der Bildung
«Diese Klöster haben einen wichtigen Beitrag zum Aufbau der modernen Gesellschaft geleistet», sagt der Kirchenhistoriker Markus Ries. Der Staat kümmert sich im 19. Jahrhundert kaum um Frauenbildung und Krankenpflege. Ries folgert: «Diese Lücke haben die Ordensschwestern ausgefüllt. Das war eine Pioniertat.»
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Bild 1 von 5. Das Kloster Baldegg mit zugehöriger Schule. Viele junge Frauen erhielten hier eine Grundausbildung und es wurden Lehrerinnen für Mädchenschulen ausgebildet. (1906). Bildquelle: Kloster Baldegg.
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Bild 2 von 5. 1830 wurde der Frauenorden gegründet. Bis zu diesem Zeitpunkt gab es im ländlichen Luzerner Seetal kaum Bildungsmöglichkeiten für Mädchen und junge Frauen. (Lithographie von 1883). Bildquelle: Kloster Baldegg.
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Bild 3 von 5. Das Schloss Baldegg 1976 …. Bildquelle: Kloster Baldegg.
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Bild 4 von 5. … und das heutige Schloss Baldegg. Aktuell wohnt hier eine Gemeinschaft von zehn Schwestern. Bildquelle: Kloster Baldegg.
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Bild 5 von 5. Der Architekt Marcel Breuer schuf dazu einen Blickfang, entworfen in den 1960er-Jahren. Bildquelle: Nadja Bühlmann.
Frauen finden im Kloster ein selbstbestimmtes Leben und eine berufliche Perspektive, die ihnen die Gesellschaft noch lange verwehrt. Und einen gesellschaftlichen Aufstieg: Eine Schwester kann eine Schule oder eine Schwesterngemeinschaft leiten.
Aber: «Es gibt auch viele unglückliche Lebensläufe. Schwestern wurden für einen Dienst bestimmt, der notwendig war, ihnen jedoch nicht entsprochen hat», relativiert Markus Ries. Dies habe in vielen Fällen zu Überforderung geführt, zumal die Stellen oft nicht ausreichend dotiert gewesen seien.
Die spirituelle Mission bleibt
Schwester Nadja Bühlmann spricht nicht gerne von Karriere im Kloster und ergänzt: «Die Schwestern wollten sich nicht profilieren, sie wollten für andere da sein.» Sie ergänzt: «Ich finde es schön, was daraus geworden ist. Das ist gut so.»
Der Staat, die Kantone hätten die Aufgaben in den Bereichen Bildung und Armutsbekämpfung weitgehend übernommen. Mission für die Klöster erfüllt? Nicht ganz. Nadja Bühlmann meint: «Das Christliche, das spirituelle Erbe soll weitergehen und alles, was dem Frieden dient.»