Etwa 1000 Quadratmeter haben Freiwillige im Kanton Basel-Stadt seit dem Frühjahr 2024 entsiegelt: Flächen von 10 bis 108 Quadratmetern, schwere Asphaltbrocken, harte Handarbeit. Jüngst etwa bei der Alten Post in Riehen, einem Wohnhaus: 81 Quadratmeter aufgebrochener Asphalt.
Angesichts der Versiegelungsgeschwindigkeit im Land bloss eine symbolische Aktion? «Für uns zählt jeder Quadratmeter», entgegnet Pascale Steck, Geschäftsstellenleiterin des WWF Region Basel, die das Engagement in der Region koordiniert. «Es ist uns klar, dass wir keine Fussballfelder entsiegeln. Aber wir können ein Signal senden: Als Grundeigentümer oder Gärtner ist es möglich, Asphaltflächen der Natur zurückzugeben. Kleine Schritte, die uns vorwärtsbringen.»
Sträucher statt Asphaltwüste
Den Gartenbauer Pascal Hänggi, der zwei Tage in Riehen zugange war, freut das Aufbrechen: «Ich habe mich in 25 Jahren von einem Naturfreund zu einem Biodiversitäts-Maniac gewandelt», lacht er. «Neben den vielen detaillierten Arbeiten im Garten- und Landschaftsbau ist es eine willkommene Abwechslung, mit dem Bagger Dinge wegzureissen.»
Umweltingenieur Noah Weber von der Genossenschaft Alte Post erklärt das Ziel der Aktion: «Wir entsiegeln und begrünen den Grossteil der Fläche mit Sträuchern und Stauden. Der Rest wird Schotterrasen, der weiterhin befahrbar, aber ebenfalls begrünt ist.»
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Bild 1 von 5. An der Alten Post geht es voran ... Bildquelle: SRF/Raphael Zehnder.
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Bild 2 von 5. Jetzt ist der Asphalt vor dem Gebäude fast weg. Bildquelle: SRF/Raphael Zehnder.
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Bild 3 von 5. Die Aufbrecherinnen befüllen die Mulde. Bildquelle: SRF/Raphael Zehnder.
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Bild 4 von 5. Noch das letzte Stück Asphalt muss weg, dann ist die Arbeit getan. Bildquelle: SRF/Raphael Zehnder.
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Bild 5 von 5. Nach drei Stunden harter Arbeit sieht die Mulde schon voller aus. Bildquelle: SRF/Raphael Zehnder.
23'000 Franken kostet die Entsiegelung in Riehen. Finanziert wird sie von der Genossenschaft, der Christoph-Merian-Stiftung, der Basler Kantonalbank, dem Swisslos-Fonds und den Industriellen Werken.
Mehr Grün für kühlere Städte
Weber erwartet von dieser Aktion einiges: «Auf sozialer Ebene hat man mehr Aufenthaltsqualität. Ökologisch betrachtet gibt es mehr Platz für Insekten und Eidechsen. Als Genossenschaft schaffen wir einen zugänglichen und attraktiven Raum.»
Die Temperaturdifferenz zwischen Stadt und Umland beträgt im Sommer tagsüber bis zu 6 Grad, besonders ausgeprägt nachts. Entsiegelte, begrünte Flächen beeinflussen das Mikroklima der unmittelbaren Umgebung. Laut Zahlen der Stadt Zürich senken sie die Temperatur tagsüber um bis zu 6.6, nachts um bis zu 1.3 Grad Celsius. Die grösste Wirkung erzielt die Beschattung durch Baumkronen – tagsüber bis zu einer Differenz von 8.7 Grad.
Private haben grossen Einfluss
Raumplanerin Susanne Fischer vom Bau- und Verkehrsdepartement Kanton Basel-Stadt begrüsst Aktionen wie die bei der Alten Post. Sie seien ein Baustein im Konzept «Schwammstadt»: Regenwasser soll versickern und Grundwasser angereichert werden.
«Es braucht die Initiative von Verbänden und Organisationen. Der WWF und die Asphaltknackerinnen gehen ja in erster Linie auf Private zu. Das ist wichtig, weil das meiste Land in der Stadt Privaten gehört.» Etwa 75 Prozent sind es in Basel, 70 Prozent in Zürich.
Auch Christine Baechtiger vom Umwelt- und Gesundheitsschutz der Stadt Zürich findet das Engagement der Aufbrecherinnen wertvoll. Sie hebt hervor, dass diese vor allem «im Bestand» arbeiten, rund um bestehende Gebäude. «Das ist der einzige Weg, den ich sehe –über Förderprogramme zur Entsiegelung und Begrünung oder mit solchen Einzelinitiativen, die das Mikroklima verbessern helfen.»
Damit die städtischen Wärmeinseln im Sommer nicht unverträglich heiss werden.