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Was wäre Venedig ohne die freiwilligen Helfer?
Aus Kultur-Aktualität vom 30.12.2019.
abspielen. Laufzeit 03:23 Minuten.
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Freiwillige Helfer in Venedig Aufräumen, wenn andere feiern

Venedig leidet noch immer an den Nachwehen des Hochwassers vom November. Zum Glück legen viele freiwillige Helfer Hand an.

Letzten November war es besonders schlimm. Das Wasser in der Lagune stieg um 160 Zentimeter über den Normalpegel. Die verheerende Folge: Viele historische Monumente, Kunstwerke und Archive in den Erdgeschossen von Gebäuden wurden durch das Salzwasser beschädigt und zerstört.

Hochwasser sind in Venedig in bestimmten Jahreszeiten nichts Ungewöhnliches. Ungewöhnlich ist jedoch der rapide Anstieg von Rekordhochwassern. Wenn dazu auch noch starker Wind herrscht, können diese Hochwasser enorme Schäden anrichten.

Immer mehr gefährliche Hochwasser

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Das italienische Nationalinstitut für Klimaforschung warnte in diesen Tagen vor einer bedenklichen Zunahme gefährlicher Hochwasser nicht nur in der Lagune von Venedig. Den Prognosen des Instituts zufolge könnten in den kommenden 30 Jahren 15 italienische Küstenregionen von möglicherweise katastrophalen Hochwassern betroffen sein, die zu gravierenden Schäden führen werden.

Welle der Solidarität

Als der Stadt im November das Wasser buchstäblich bis zum Hals stand, stellten sich sogleich Hunderte von freiwilligen Helfern zur Verfügung. Seither gehen sie in Museen und Archiven Fachleuten zur Hand – eine Welle der Solidarität, die bis heute anhält.

Auch zwischen Weihnachten und dem 6. Januar, der in Italien ein Feiertag ist, packen mehrere hunderte Menschen an. Sie versuchen zu retten, was noch zu retten ist.

Viele von ihnen kommen von ausserhalb der Lagunenstadt und verzichten ganz bewusst auf ihre bereits geplanten Winterferien, um ihren Teil zur Rettung beschädigter Objekte zu leisten.

Nasse Dokumente

Vor allem in antiquarischen Buchhandlungen und Archiven werden diese freiwilligen Helfer tätig. Denn zahlreiche historische Dokumente und Bücher wurden durch Salzwasser beschädigt.

Dabei handelt es sich um Papierschätze, die unbegreiflicherweise nicht in den oberen Stockwerken von Gebäuden aufbewahrt wurden, sondern im Erdgeschoss.

Eine Frau trocknet alte Dokumente mit einem Föhn.
Legende: Freiwilligenarbeit als «Trockenübung» – hier in der Fondazione Bevilacqua la Masa. Getty Images / Stefano Mazzola / Awakening

Der Fall Fondo Torrefranca

Besonders dramatisch ist der Fall des Fondo Torrefranca. Das Archiv zählt zu den bedeutendsten italienischen Sammlungen musikalischer und musikwissenschaftlicher Schriften und Partituren aus rund vier Jahrhunderten Musikgeschichte.

Gegen die Einwände von Experten wurde dieser Dokumentenschatz vor einigen Jahren im Erdgeschoss des Konservatoriums von Venedig untergebracht, im Palazzo Pisani. Es wunderte also niemanden, dass bei dem schlimmen Hochwasser im November viele kostbare Dokumente teilweise schwer beschädigt wurden.

Während freiwillige Helfer in aufwändiger Kleinarbeit Seite für Seite der beschädigten Dokumente trocknen und säubern, suchen Bürger, Kunstschützer und Ermittlungsbehörden nach den Verantwortlichen für Entscheidungen wie im Fall des Fondo Torrefranca. Die Suche wird noch lange nicht abgeschlossen sein.

Wie einst in Florenz

Im Fall von Katastrophen in Städten mit viel bedeutender Kunst werden die Italiener immer schnell und dauerhaft aktiv. Wie im Fall des katastrophalen Hochwassers am 4. November 1960 in Florenz.

Neben 35 Toten infolge der Überschwemmungen durch den Fluss Arno standen ganz Stadtteile tagelang unter Wasser. Nicht wenig Kunst aus dem Mittelalter und der Renaissance ging verloren.

Tausende freiwilliger Helfer – vor allem junge Leute – kamen damals aus ganz Italien angereist, um Kunstexperten und Ordnungskräften beim Bergen und Retten von Kunstobjekten zu helfen.

In Venedig sind die Schäden zwar nicht so dramatisch wie vor 59 Jahren in Florenz, dennoch ist die Solidarität auch heute gross.

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