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Über das Buch der Thunberg-Familie: «Szenen aus dem Herzen»
Aus Kultur-Aktualität vom 30.04.2019.
abspielen. Laufzeit 05:19 Minuten.
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Geschichte der Greta Thunberg In dauerndem Ausnahmezustand

«Szenen aus dem Herzen» erzählt die Geschichte der Familie Thunberg. Warum das Buch interessant, aber unangenehm ist.

Greta Thunberg ist eine Ikone des Klimaschutzes. Ihre Familie beschreibt in einem Buch, welch langer Weg dem zugrunde liegt. Eine Familiengeschichte, die nicht nur vom Kampf gegen die Klimakrise geprägt ist.

Redaktor Thomas Häusler erzählt im Gespräch, warum das Buch interessant, aber kein Spass ist.

Thomas Häusler

Thomas Häusler

Wissenschaftsredaktor

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Thomas Häusler ist Wissenschaftsredaktor bei SRF. Er hat in Biochemie doktoriert und eine Weiterbildung in Wassermanagement an der Uni Genf absolviert. Seit 2013 ist er Leiter der Wissenschaftsredaktion.

SRF: Ein Buch über Greta Thunberg, geschrieben von ihrer eigenen Familie. Da erwartet man keine kritische Distanz. Ist «Szenen aus dem Herzen» eine Glorifizierung Greta Thunbergs?

Thomas Häusler: Nein, gar nicht. Dazu ist es zu ungeschliffen und sperrig. Das Buch handelt nicht von Gretas vielen Auftritten während der letzten Monate, es erzählt die Geschichte davor. Das Buch endet zu dem Zeitpunkt, als Greta mit dem Schulstreik beginnt.

Was erfahren wir in dem Buch über die 16-jährige Klimaaktivistin?

Es gibt vieles zu erzählen aus dem Leben von Greta Thunberg. Zum einen ist sie selber ein besonderes Mädchen. Sie hat das Asperger-Syndrom, eine Form von Autismus.

Bevor Familie und Ärzte die Krankheit bemerkt haben, erlebte die Familie eine dramatische Zeit. Greta hatte eine Essstörung und verhungerte fast. Sie konnte kaum mit Fremden sprechen und in der Schule wurde sie gemobbt.

Eine Mutter sitzt in einem gelben Sessel, ihre Tochter sitzt auf ihr.
Legende: Klimaaktivistin Greta Thunberg und ihre Mutter, die Opernsängerin Malena Ernman. imago images / TT

Umso eindrücklicher, dass sie heute im Parlament Reden hält, mit dem Papst spricht und Minister massregelt. Aber darum geht es in dem Buch nicht. Was erfahren wir stattdessen?

Neben ihrer Geschichte wird auch die ihrer jüngeren Schwester Beata erzählt. Zu dem Zeitpunkt, als sich Gretas Leben etwas stabilisiert, machen sich bei Beata schwere psychische Störungen bemerkbar.

Über die Mutter, eine Opernsängerin, erfahren wir zudem, dass sie die Diagnose ADHS bekommen hat. Das alles belastet die Familie schwer. Der Leser bekommt den Eindruck, die Familie sei fast im dauernden Ausnahmezustand.

Beim Lesen fühlt es sich an, als würde einem immer wieder ein kalter, nasser Lappen ins Gesicht gehauen.

Das klingt nicht nach leichtem Lesestoff.

Das stimmt, aber nicht nur wegen der Familiengeschichte. Zwischen diesen Schilderungen sind Exkurse eingestreut über fast alle Probleme unserer Zeit: Klimaerwärmung, Umweltverschmutzung, soziale Ungerechtigkeit, Frauenrechte, soziale Probleme wie die Schwierigkeiten von Behinderten und ihren Angehörigen. Beim Lesen fühlt es sich an, als würde einem immer wieder ein kalter, nasser Lappen ins Gesicht gehauen.

Wie ist es geschrieben?

Es ist atemlos. Die vielen kurzen Kapitel sind ein Potpourri von Familienschilderungen, Erklärungen zu den grossen Weltproblemen und Beschwörungen, man solle endlich handeln. Die Geschichte ist wie ein Film in grellen Farben, schnell geschnitten und mit lautem Soundtrack.

Dieser «Film» zeigt, was geschah, bevor Greta auf die Weltbühne getreten ist. Ohne grosses Kalkül, auf eine ungeschminkte Art, als wäre die Familie durch ihre Persönlichkeiten dazu getrieben worden.

Wie stark war sie an diesem Buch beteiligt?

Das weiss ich nicht. Es stehen alle vier Familienmitglieder als Autorinnen und Autoren auf dem Buch. Im Vorwort steht, dass der Inhalt mit Greta und ihrer Schwester eng besprochen worden ist. Aber tatsächlich erzählt die Mutter die Geschichte und oftmals ist es eindeutig ihre Sicht.

Aber vor dem Hintergrund, dass die Eltern stark auf die manchmal sehr schwierigen Bedürfnisse der Töchter eingehen – das schildern sie im Buch – ist es gut vorstellbar, dass die beiden Töchter auch beim Text viel mitgeredet haben.

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70 Kommentare

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  • Kommentar von Werner Kessler  (Werner Kessler)
    Jetzt frage ich mich schon, wie lange sich dieser Teenager von den eigenen Eltern verheizen lässt. Ein Grossteil ihrer Kindheit und Teenyzeit wird sie nicht mehr nachholen können und sich einmal mit Wehmut daran erinnern.
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  • Kommentar von René Baron  (René Baron)
    Thunberg verkörpert den Zeitgeist: Viel motzen, selber nichts tun. Selber keine Lösung, weil man selber nichs kann. Es ist salonfähig geworden, sich allein durch Fingerzeigen zu einer medialen Grösse aufzuplustern, an der lediglich die Medien verdienen, die bereits Mächtigen sich profilieren und weniger Mächtige sich in eine kollektiven Echokammer einreihen, die sich selber genügt, aber selber nichts löst.
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  • Kommentar von u. Felber  (Keule)
    Warum nur fasziniert so viele Greta? ich verstehe den Hype einfach nicht. Da find ich dann Malala aus Pakistan schon viel, viel interessanter und vor allem viel realistischer. Und dann auch noch ohne Panikmache und Hysterie.
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    1. Antwort von René Baron  (René Baron)
      Greta ist wie Heidi. Bei Pipi Langstrupf und Co. können alle mit, fühlen sich alle, auch ohne eigenes Denken oder praktische Tun irgendwie mental verbunden. Weil man die heile Kinderwelt unmögich kritisieren oder diskutieren kann, schafft dies einen künstlichen Konsens, bei dem niemand befürchten muss, seine Argumente durch Primärquellen und logisches Schliessen belegen zu müssen. So darf jeder eine Meinung haben, ohne sich eine bilden zu müssen. Das ist so bequem wie einfach!
    2. Antwort von Peter Urech  (urur)
      Die NETTIQUETTE verbietet mir leider die passende Antwort...