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Glitzer als Statement Sparkle & Shine! Über die Starqualitäten des Glitzers

Es ist funkelnd, magisch, hartnäckig – und dabei auch Lebensgefühl und Protestmittel: Glitzer ist sehr viel mehr als einfach nur kleinteilige Materie.

Glitzer verleiht Alltäglichem einen Hauch von Magie. Und dabei braucht es nicht mal viel von der funkelnden Materie, denn schon kleine Mengen erzeugen viel Aufmerksamkeit. Mit ein bisschen Glitzer wird man im Handumdrehen zum Star.

Junge Menschen mit Glitzer im Gesicht bei einem Festival.
Legende: Das fällt auf: «Glittered up» geht’s zum Festival. Getty Images / Tabatha Fireman

Seit es Menschen gibt, scheinen sie von glitzernden Stoffen angetan zu sein, das zeigt aktuell die Ausstellung «Glitzer» in Winterthur. Bereits in Höhlenmalereien liessen sich glitzernde Mineralien finden und die ägyptische Königin Cleopatra soll Glitzer-Make-up getragen haben, hergestellt aus schillernden Käferflügeln.

«Glitzer» im Gewerbemuseum Winterthur

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In sieben Bereichen widmet sich die Ausstellung der Frage, wo, warum und seit wann es glitzert und welche Bedeutung Glitzer haben kann.

Zu sehen gibt’s glitzernde Alltagsgegenständen sowie 40 internationale Positionen aus Kunst und Gestaltung.

Gezeigt werden unter anderem aufwändige Kostüme, Fotografien, Video-Installationen, Show-Perücken und ausgefallene Bühnenoutfits. Ausserdem wird die Geschichte und Beschaffenheit von glitzernder Materie beleuchtet.

Die Ausstellung «Glitzer» ist im Gewerbemuseum Winterthur bis am 17. Mai 2026 zu bestaunen.

Im Mittelalter wurden Gold- und Silberfäden in Kleidung eingewoben, in den 1930er-Jahren stieg dank Film, Mode und Theater die Nachfrage nach Strass frappant.

Die Geschichte von Glitzer als kleinteilige funkelnde Plastikmaterie beginnt 1934 auf einer Farm in New Jersey. Der deutsche Einwanderer Henry Ruschmann bemerkte zufällige Ablagerungen in seiner Schneidemaschine für Fotopapier. Daraufhin baute er eine Maschine, die Kunststoff in kleine, gleichmässige Teile schneidet.

Von «Schnibbles» zur Massenware

Diese Partikel, die Ruschmann «Schnibbles» nannte, reflektierten Licht und wirkten wie funkelnde Splitter. Ursprünglich als Nebengeschäft gedacht, wurde Ruschmanns Glitzer schnell populär, nicht zuletzt, weil während des Zweiten Weltkriegs Weihnachtsdekoration ohne Kerzen gefragt war.

Weihnachtsplätzchen in Sternform mit Zuckerguss.
Legende: Essbarer Glitzer besteht meist aus Zucker, Stärke und essbaren Farbstoffen oder mineralischen Pigmenten. depositphotos.com/Creative Family

Heute ist Glitzer omnipräsent im Showbusiness und im Alltag, etwa in Grusskarten, Dekorationsgegenständen, Stickern, Handyhüllen, Kleidern, Seifen, Gebäck oder Nagellack. Einer der grössten Abnehmer von Glitzerstoffen ist die Autoindustrie, die daraus Metallic-Lacke herstellt.

Verschiedene Glitzer in kleinen Döschen.
Legende: Seit 2023 verbietet die EU synthetische Mikropartikel. Darum gibt's jetzt auch Öko-Glitzer. iStock/Iana Kunitsa

In der Kosmetikindustrie widmen sich zudem ganze Forschungsabteilungen der Wirkung von Glitzer.

Glitzer als Lebensgefühl und Symbol

Glitzer ist aber nicht einfach eine funkelnde Materie, sondern auch eine Metapher für ein Lebensgefühl und Werkzeug der Verwandlung. Weil Glitzer billig, leicht verfügbar und doch effektvoll ist, ist es ein äusserst demokratisches Schmuckmittel. Einige tun es als kitschig und billig ab, für andere ist es gerade deswegen rebellisches Material.

Ist Glitzer ein Umweltsünder?

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Glitzer wird meistens aus Plastikfolie hergestellt, die mit Aluminium oder synthetischen Lacken beschichtet und dann in Form geschnitten wird. Die häufigste Form sind Sechsecke, denn diese können eng aneinander liegen, sodass beim Ausschneiden kaum Abfall entsteht.

Künstliche Glitzerteilchen sind Mikroplastik, lösen sich also nicht auf. Kläranlagen können 80 bis 99 Prozent der Partikel ausfiltern.

Seit 2023 verbietet die EU-Verordnung synthetische Mikropartikel. Entsprechend wird für den europäischen Markt auch Öko-Glitzer produziert auf Basis von Cellulose oder Mineralien.

Glitzer klebt und verhakt oft und lässt sich nur schwer entfernen. Das Material hat also eine subversive Qualität, die es auch zu einem Sinnbild der Selbstermächtigung macht. In der Queer-Community ist Glitzer ein starkes Symbol, das für Sichtbarkeit und Empowerment steht. Als Dragqueen komme man an Glitzer nicht vorbei, sagt etwa Didine van der Platenvlotbrug.

Glitter ist ein magisches Material, das uns erlaubt, die Person zu sein, die wir sein wollen, und darin steckt für Didine van der Platenvlotbrug denn auch der rebellische Aspekt des Materials: «Glitzer nimmt uns aus dem Alltag heraus, vielleicht auch aus der Heteronormativität, und macht uns zu dem Anderen, zu dem Besonderen, zu dem Hervorstechenden, dadurch ist Glitzer widerständig und unangepasst.»

Glitterbombing und Glitterwashing

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Glitterbombing ist eine bunte, provokative Protestform. Dabei benützen Aktivisten und Aktivistinnen Glitzer, um konservative und/oder homo- und transphobe Politiker und Politikerinnen zu «markieren» und auf deren Politik aufmerksam zu machen.

Gleich wie Pinkwashing bezeichnet auch Glitterwashing eine Strategie, bei der Unternehmen, Organisationen oder Staaten sich als queer-freundlich darstellen, um ihr Image aufzuwerten, während ihre tatsächliche Handlungen diesem Bild oft widersprechen.

Glitzer ist mehr als Dekoration. Er ist ein kollektives Zeichen von Freude, Vielfalt und Ausgelassenheit. Ein Material, das uns aus dem Alltag heraushebt und ein magisches, manchmal schrilles, immer funkelndes Symbol dafür, dass man mehr sein kann und darf, als die Norm es erlaubt.

Radio SRF 1, 26.11.2025, 17:30 Uhr

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