Mit Trends ist es ja oft so: Man erkennt sie erst, wenn irgendeiner sie als solche ausruft. Beim Ube-Trend ging es mir aber anders. Überall hiess es plötzlich: «Ube ist überall» – nur gesehen habe ich es nirgends. Ich war vielleicht mal wieder kurz hinter dem Mond und zu sehr in meinen Matcha Latte vertieft. Manche Menschen mögen eben die Trends von gestern.
Ube ist eine lila Yamswurzel, die ursprünglich aus den Philippinen stammt. Konsumieren kann man sie gekocht, püriert oder als Pulver. Das Tolle an der Knolle, die ein bisschen wie Süsskartoffel schmeckt: ihre knallige Farbe.
Philippinerin mit Potenzial
Globale Mega-Ketten haben das Potenzial der Philippinerin schon entdeckt: Auch in der Schweiz gibts beim Starbucks Ube-Getränke in Übergrössen zu kaufen – langsam kommt Ube in kleineren Kaffees an. Auch in Basel, sagt mir eine Freundin, die stets mit der Zeit geht, kann man Ube schon konsumieren.
Keine echte Italienerin würde einen lila Kaffee trinken.
Den Trend sieht man aber vor allem in den sozialen Medien: Nicht nur lila Lattes schlürfen sämtliche Influencer. Die sozialen Medien werden mit vielfältigen Flüssigkeiten geflutet – vom Smoothie bis zum Bubble Tea, der seit Jahren fix rumblubbert. Und auch Festes wie Kuchen mit Ube drin kann man konsumieren.
Was an Ube so übermässig gefällt: die frische Farbe, der feine, nussige Geschmack und nicht zu vernachlässigen: Ube stammt aus der Ferne. Bei Exotischem beissen mondäne Feinschmecker-Kosmopoliten sofort an. «Einen Ube Latte, bitte!» Das geht flott über die Lippen.
Klassisch – auch classy
Exquisites und exotisches Essen mag ich sehr. Leider habe ich kein Flair für Fliederfarbenes – besonders nicht in der Tasse. Ein Cappuccino mit lila Schaum? Call me conversative – da sehe ich rot. Ich mag die Milch lieber klassisch cremefarben. Meine These, man darf mir gerne widersprechen: Keine echte Italienerin würde einen lila Kaffee trinken.
Und sowieso waren mir Menschen, die alles mit Lebensmittelfarben färben, suspekt. Ausreden haben da nur Eltern, die kleine Elsa- oder Einhorn-Fans mit grossen Ansprüchen zu Hause haben: Den Kleinen seien die farbigen Food Failures gegönnt.
Sie lechzen nach Lila
Ube ist übrigens nicht nur unter Foodies ein Trend, sondern auch unter Fashionistas. Seit Pantone 2022 die Farbe «Very Peri» als Farbe des Jahres auserkoren hat, hält sich das Lila hartnäckig in den Kleiderschränken. Leider habe ich echt kein Faible für diese Farbe. Obwohl es, das bestätigt mir ChatGPT, der die Muster der Mode in- und auswendig kennt, theoretisch allen steht.
Im lila Outfit mit einem lila Latte posen. Lässig!
Sowohl Sommer- als auch Wintertypen – in mehr oder weniger kräftig. Die Krönung, auch oft in den sozialen Medien gepostet: im lila Outfit mit einem lila Latte posen. Lässig!
In der Lila-Liebe sehen manche gar mehr als die Oberfläche: den Kontrast zur Krise, die gefühlt überall ist. Eine Farbe – nicht zu knallig, aber auch nicht kalt. Eine Farbe der Hoffnung. Mag sein.
Ich finde, man muss nicht mit jedem Farbtrend gehen. Die verstorbene Designerin Christa de Carouge trug nur Schwarz, weil sie sich in der Farbe zu Hause fühlte. Ein Vorbild, finde ich. Meine Farbe habe ich noch nicht gefunden. Vielleicht etwas, was zu meinem Charakter passt? Giftgrün wäre durchaus eine Option.