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Glosse zum WEF-Hingucker Düstere Zeiten – und Macron trägt Sonnenbrille

Mensch, wie modisch: Emmanuel Macron tritt in Davos mit Sonnenbrille ans Rednerpult. Was will uns das bitte sagen?

Stefan Gubser

Kulturredaktor

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Stefan Gubser macht Online-Journalismus, seit es das Internet gibt. Früher befragte der gelernte Germanist berühmte Schauspieler. Heute wird er gerne mit einem verwechselt. Nur des Namens wegen!

Chic. Das war der erste Gedanke. Ein «petit peu» Playboy war Emmanuel Macron immer. Doch es ist gerade kurz vor knapp. Die Weltordnung wankt – und Frankreichs Präsident steht am WEF in Davos mit blau getönter Sonnenbrille auf der Bühne und spricht über eine Zukunft, die nach normalmenschlichem Ermessen alles andere als strahlend ist.

Warum jetzt diese blau verspiegelte Sonnenbrille, wo Durchblick und Klarsicht doch dringend Not täten?

Man ist gewarnt beim modischen Macron. Um nicht zu sagen: besorgt, dass was ins Auge geht. Donald Trump teilt regelmässig gegen ihn aus, wenn auch bislang nur über soziale Medien. Und wir erinnern uns an die Szenen aus Hanoi, Mai vergangenen Jahres, als Brigitte Macron ihrem Mann im Flugzeug eine veritable Ohrfeige zu verpassen schien. Bilder, die sich einprägen.

Was ist passiert? Warum diese – vielleicht sogar farblich passende – blau verspiegelte Sonnenbrille, wo Durchblick und Klarsicht dringend Not täten? Die Erklärung kam noch vor Macrons Rede, ganz offiziell aus Paris: Schuld sei eine sogenannte «Einblutung». Monsieur le Président müsse sein Auge schützen.

Dr. Google hilft auf Nachfrage gern weiter: «Eine Einblutung im Auge (meist Hyposphagma) ist oft harmlos. Ein geplatztes Äderchen unter der Bindehaut verursacht einen leuchtend roten Fleck, der von selbst heilt, aber beunruhigend aussehen kann. Häufige Auslöser sind starkes Niesen, Husten, Pressen, Reiben oder das Heben schwerer Lasten.»

In Sachen Sonnenbrille spielt Macron in einer Liga mit Joe Biden, der seine Aviators bei jeder Gelegenheit aufsetzte.

Schwere Lasten trägt der Präsident derzeit zweifellos – sicher im übertragenen Sinn. Krisen, Kriege, ein Trump, der gestern wieder spottete, Macron werde «nicht mehr lange im Amt sein». Ein schwacher Trost vielleicht, dass Macron problemlos als Mannequin ein paar Euros verdienen könnte, sollte der Job im Élysée früher enden als geplant.

Mann mit Sonnenbrille vor goldener Kuppelkirche.
Legende: Joe Bidens ikonische Aviators: Trug er sie eher, um sich von den politischen Spielchen nicht blenden zu lassen oder, um immer cool zu bleiben? Imago/ZUMA Press Wire

Und fairerweise: In Sachen Sonnenbrille spielt Macron in einer Top-Liga mit Joe Biden, der seine Aviators bei jeder Gelegenheit aufsetzte. Sie bewahrten ihn bekanntlich nicht vor dem politischen Absturz. Man darf also annehmen, dass Macrons Beraterstab auch die Augenklappe ins Auge fasste – Deutschlands Ex-Kanzler Olaf Scholz trug sie einst, nach einem Joggingsturz, mit der ihm eigenen stoischen Würde.

Bleibt vielleicht diese vorläufige Erkenntnis: Sonnenbrillen mögen gut aussehen. Ein ungetrübter Blick wäre besser.

SRF 1, Tagesschau, 19.01.2026, 19:30 Uhr.

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